Hamburg

Wer zu spät kommt, lebt länger

Pünktlichkeit, so lautet eine Binsenweisheit, sei die Höflichkeit der Könige. Und wer zu spät komme, den bestrafe das Leben, lautet eine andere. Ja, so wurden wir jahrzehntelang erzogen, hier in Deutschland, wo mehr als vier von fünf Einwohnern (84 Prozent) Unpünktlichkeit am liebsten als Kapitalverbrechen im Strafgesetzbuch zementiert wüssten.

Doch jetzt elektrisiert eine gute Nachricht all diejenigen, die ständig Busse und Bahnen verpassen und zu jedem Treffen grundsätzlich zu spät erscheinen. Diese – übrigens wissenschaftlich belegbare (!) – Nachricht lautet: Unpünktliche Menschen seien die besseren Menschen; sie seien zwar nicht so zielorientiert, ehrgeizig und ungeduldig (wie der Karrieretyp A), aber dafür seien sie (als Karrieretyp B) ausgeglichen, kreativer, emotional, multitasking-fähig, vor allem aber optimistisch, und gerade Letzteres sei ja eine Charaktereigenschaft, die sich extrem positiv auf die Produktivität auswirke.

Während also Typ A mit verbissenem Gesicht versucht, eine Aufgabe in einem vorgegebenen Zeitkorridor zu erledigen, lehnt Typ B sich lässig zurück und lässt seine Umwelt wissen: „Ich schaffe das schon!“ Obwohl er in der Regel mehrere Aufgaben parallel zu erledigen hat. Grund hierfür ist ein unterschiedliches Zeitgefühl, und Sie könnten es mithilfe einer Stoppuhr einfach testen, zu welchem Typus Sie gehören: Starten Sie die Uhr bei null, schauen Sie dann ins Leere und drücken Sie auf Stopp, wenn Sie glauben, dass eine Minute vergangen sein könnte. Der Pünktlichkeits-Typ A schätzt eine Minute durchschnittlich auf 58 Sekunden, Typ B jedoch auf satte 77 Sekunden!

Was nichts anderes bedeutet, als dass Typ B – wenn man diese Differenz mal auf ein ganzes Leben hochrechnet – sehr viel älter werden wird als Typ A. Oder stellen Sie sich einfach mal vor, Sie kommen künftig weder zu früh noch pünktlich, noch zu spät, sondern Sie kommen überhaupt nicht: Tja, das dürfte Sie dann wohl unsterblich machen.