Hamburg

Schwere Schäden nach Tornado über Hamburg

Der Wirbelsturm war über Teile der Stadt hinweggezogen. Feuerwehr ruft den Ausnahmezustand aus. 1000 Feuerwehrleute im Einsatz.

Hamburg. Ein Tornado ist am Dienstagabend über Teile von Hamburg gezogen. Der Wirbelsturm war zunächst gegen 18.30 Uhr über Bramfeld gesichtet worden. "Die Zelle zog zunächst über Tonndorf weiter in Richtung Nordosten nach Farmsen und Rahlstedt, bevor er sich schließlich über Wandsbek aufgelöst hat“, sagte Frank Böttcher, Geschäftsführer des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg, dem Abendblatt. "Es ist das erste Mal in der Geschichte der Stadt, dass ein Tornado über die Gebiete nördlich der Elbe hinweg zieht."

Trümmerteile flogen durch die Gegend

Ursprünglich sei der Tornado in einer Linie von Gewittern entstanden, so Böttcher. "Dabei entstand zunächst über Sasel und Rahlstedt eine Gewitterzelle mit kräftigem Regen. Westlich davon ist dann gegen 18.25 Uhr ein starker Aufwind entstanden, der die warme und feuchte Luft in die Höhe gerissen hat. Dieser Aufwand rotierte und bildete kurz darauf einen Tornado."

Zwischenzeitlich habe der Wirbelsturm sogar Bodenkontakt gehabt, so der Wetterexperte. "Auf dem Video konnte man erkennen, wie Trümmerteile durch die Gegend geflogen sind." Der Tornado habe schwere Sturmböen bis hin zu Orkanböen mit sich gebracht. "Da wird einem schon ganz anders, wenn so einer auf dich zudreht", schildert ein Augenzeuge aus Berne. Inzwischen habe sich der Orkan jedoch aufgelöst, so Böttcher am Abend.

Feuerwehr ruft Ausnahmezustand in Hamburg aus

Die Hamburger Feuerwehr hat im Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklärt. „Es gibt unzählige abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller, mehr als 1000 Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk sind im Einsatz“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstagabend. Die Einsatzkräfte seien bereits zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt. Mithilfe eines Helikopters der Bundespolizei verschaffe sich die Feuerwehr einen Überblick über die Lage, sagte der Sprecher.

In Rahlstedt fing demnach ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag Feuer, in Sasel wurde eine Straße überschwemmt. In Farmsen stürzte ein Baum auf ein Auto. Auch der Stadtteil Bramfeld war nach Angaben eines Polizeisprechers stark betroffen, zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, mehrere Bäume entwurzelt. Informationen zu möglichen Verletzten gab es zunächst nicht.

Tornado für Hamburg extrem außergewöhnlich

Ein Tornado wie dieser sei für Hamburg extrem außergewöhnlich, so Wetterexperte Frank Böttcher: „Drei wesentliche Elemente sind für die Entstehung von Tornados relevant. Zum einen bedarf es großer Temperaturgegensätze zwischen warmen Luftmassen am Boden und kalter Luft in der Höhe. Feucht warme Luft ist die zweite Zutat, die dazu führt, dass Luftpakete schneller und weiter nach oben steigen. Der dritte Faktor besteht auf unterschiedlichen Windrichtungen am Boden und in der Höhe. Steigt ein Luftpaket dann auf, muss es seine Richtung im Aufwind ändern und es kann zur Tornadobildung kommen."

Weitere Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst hat unterdessen seine Unwetterwarnung für Hamburg etwas abgeschwächt. Es müsse jedoch nach wie vor mit starkem Gewitter gerechnet werden, heißt es. Dabei gebe es schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 100 Kilometern pro Stunde sowie Starkregen mit Niederschlagsmengen um 20 Liter pro Quadratmeter in der Stunde und Hagel. Die Hamburger Feuerwehr fordert die Menschen über Twitter auf, in ihren Häusern zu bleiben.

Wettermann Frank Bötcher beruhigt jedoch: "Das Gewitter zieht in Richtung Osten ab." Lediglich der äußerste Nordosten könnte von dem Unwetter betroffen sein. "Im restlichen Stadtgebiet dürfte es jetzt ruhig bleiben."