Hamburg

Mehr Geld für den Sport

Stadt und Sportbund einigen sich auf neuen Fördervertrag für 2017/18. Bürgerschaft will 1,5 Millionen Euro dazugeben

Hamburg. Es gab Kaffee, Wasser und Kekse – und nach anderthalb Stunden die angestrebte Einigung. Stadt, Hamburger Sportbund (HSB) und Hamburger Fußballverband (HFV), vertreten von ihren Präsidenten Jürgen Mantell und Dirk Fischer, haben sich am Montagvormittag im Sitzungsraum des Sportamtes am Schopenstehl (Altstadt) auf die Eckpunkte eines neuen Sportfördervertrages für die Jahre 2017/2018 verständigt. Auf Arbeitsebene sollen die Beschlüsse in den nächsten Wochen schriftlich konkretisiert werden. Am 28. Juni will der HSB auf seiner Mitgliederversammlung von Vereinen und Verbänden über die Vereinbarung abstimmen lassen. Der Sportfördervertrag ist die Finanzierungsgrundlage des organisierten Sports in Hamburg. Die Gelder aus der Stadt decken etwa die Hälfte des HSB-Gesamtetats von 16,5 Millionen Euro.

Die vierte Gesprächsrunde, erstmals geleitet von Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD), war am Sonntag in ausführlichen und wiederholten Telefongesprächen zwischen allen Beteiligten vorbereitet worden. Die dritte Verhandlungsrunde hatte der HSB vor zwei Wochen abgebrochen, weil die Stadt angeblich auf ihren Positionen beharrt hatte. Sportstaatsrat Christoph Holstein (SPD) sprach anschließend von einem PR-Gag des HSB.

Jetzt fanden beiden Seiten auch inhaltlich zueinander. Das Ergebnis: Der HSB erhält gegenüber den laufenden Vereinbarungen für 2017 und 2018 pro Jahr 250.000 Euro mehr von der Stadt, die stockt die im Sportfördervertrag festgeschriebenen Zuwendungen von zuletzt 7,622 Millionen auf rund 7,9 Millionen Euro auf. Davon erhält der Fußballverband weiter 1,3 Millionen Euro plus, das ist neu, 50.000 Euro für soziale (Flüchtlings-)Projekte. Im Gegenzug verpflichtet sich der HSB, bis 2018 in der eigenen Organisation, gestaffelt in zwei Stufen, 150.000 Euro einzusparen. Das Gesparte fließt nicht an die Stadt zurück, sondern soll dann in vollem Umfang der Arbeit von Vereinen und Verbänden zugute kommen.

Entscheidend für den Durchbruch bei den Verhandlungen waren die jüngsten Zusagen der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen, die noch in diesem Monat in der Bürgerschaft weitere Zuwendungen an den organisierten Sport beantragen wollen. HSB und HFV hatten die Fraktionschefs Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) sowie die sportpolitischen Sprecherinnen Juliane Timmermann (SPD) und Christiane Blömeke (Grüne) vor zwei Wochen um politischen Beistand gebeten. Der wurde geleistet, „weil die Sportvereine in her­ausragender Weise beweisen, wie wertvoll sie bei der Integration von Flüchtlingen sind“, wie es in Erklärungen der Fraktionen heißt.

Konkret sollen 2017/2018 Vereinen und Verbänden pro Jahr 400.000 Euro für den Bereich „Integration durch Sport“ zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Auch die Mittel für Neubau und Sanierung vereinseigener Anlagen, zuletzt 1,1 Millionen Euro im Jahr, wird es 2017/2018 weiter geben, versprechen SPD und Grüne. Darüber hinaus sollen die Sanierungsmittel für die bezirklichen Sportanlagen wieder von zwei (2016) auf vier Millionen Euro (2017/2018) im Jahr erhöht werden.

Rechnet man alles zusammen, erhält der HSB in den nächsten zwei Jahren rund 650.000 Euro mehr von der Stadt. Spart der Sportbund die geforderten 150.000 Euro ein, kämen bei Vereinen und Verbänden demnächst 800.000 Euro zusätzlich an. Die Übungsleiterzuschüsse sollen jetzt von 1,2 auf 1,3 Millionen angehoben und der Fachverbandsetat von 1,175 auf 1,305 Millionen Euro aufgestockt werden. Dadurch könnten mehr Trainer – auch für den Leistungssport – eingestellt oder besser bezahlt werden.

„In der Gesamtbetrachtung ist das ein ordentliches Ergebnis, mit dem wir klarkommen werden, auch wenn die von der Stadt geforderten Einsparungen intern nicht auf Begeisterung stoßen“, sagt HSB-Präsident Mantell. Er will ein externes Gutachten erstellen lassen, wie das Hauptamt des Sportbundes in Zukunft effizienter organisiert werden kann. Die Verwaltungsausgaben des HSB belaufen sich derzeit auf rund 1,3 Millionen Euro. Daran entzündete sich immer wieder Kritik.

Boris Schmidt, Vorstandsvorsitzender der TSG Bergedorf und Sprecher der 27 Hamburger Topsportvereine, die mehr als 3000 Mitglieder haben, sieht in dem Verhandlungsergebnis „einen fairen, akzeptablen Kompromiss und vor allem ein wichtiges Signal, dass es im Hamburger Sport auch nach dem Olympia-Aus weitergeht“. Schmidt empfiehlt der HSB-Mitgliederversammlung, dem neuen Sportfördervertrag zuzustimmen.