Krise

Beschäftigte der Handelskette Real verzichten auf Lohn

Ein Supermarkt der Kette Real (Archivbild)

Ein Supermarkt der Kette Real (Archivbild)

Foto: imago/Ralph Peters

Weniger Weihnachts- und Urlaubsgeld für 36.000 Beschäftigte vereinbart. Dafür investiert Metro-Konzern eine Milliarde Euro.

Hamburg.  Auf die 36.000 Beschäftigten der kriselnden Supermarktkette Real kommen Abstriche beim Verdienst zu. Im Gegenzug erklärt sich die Konzernmutter Metro zu Bestandsgarantien für einen Großteil der Märkte und Investitionen in Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro bereit. Metro-Chef Olaf Koch sprach am Donnerstag von einer richtungsweisenden Entscheidung für die Kette, das zuständige Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger von einem „wichtigen Kompromiss“. Die Ver.di-Mitglieder bei Real müssen die Übereinkunft aber noch billigen.

Deutliche Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind Bestandteil von Eckpunkten, auf die sich die Konzernmutter Metro und die Gewerkschaft Ver.di verständigt haben, wie beide Seiten mitteilten. Real zahlt den Beschäftigten zudem nicht die Tariferhöhungen für die Jahre 2015 bis 2017, die für die Branche gelten. Real hatte sich bereits im vergangenen Jahr aus dem Flächentarifvertrag verabschiedet, um die Kosten nicht steigen zu lassen. Aber auch die leitenden Angestellten sollen nun einen Beitrag zu den Einsparungen leisten. Ab 2018 sollen die Real-Beschäftigten dann in Stufen wieder an den Flächentarifvertrag herangeführt werden. Dazu sollen im Oktober 2016 Verhandlungen über eine neue Entgeltstruktur beginnen, die im ersten Quartal 2018 enden sollen.

Metro habe den Arbeitnehmern im Gegenzug Bestandsgarantien für einen Großteil der Märkte zugesagt. Auch habe sich der Konzern zu Investitionen in die Modernisierung verpflichtet. Rund 200 Millionen Euro pro Jahr sollen fließen – eine Milliarde Euro in fünf Jahren. Die Beschäftigten müssen nun erst einmal nicht mehr eine Zerschlagung Reals fürchten. Metro-Chef Olaf Koch hatte immer wieder auf niedrigere Löhne bei Real gepocht. Erst bei Kostensenkungen werde Metro in den geplanten Umbau des Sorgenkinds investieren. Bei einem Scheitern der Verhandlungen müsse Metro dagegen „die Situation neu bewerten“, hatte Koch die Arbeitnehmer gewarnt.

Noch lägen die Lohnkosten für die Real-Mitarbeiter um bis zu 30 Prozent über denen der Konkurrenz. Gelinge die Einigung mit der Belegschaft nicht, könnte Koch versuchen, Real an einen Finanzinvestor zu veräußern, hatten Insider gesagt. Dieser könnte die Kette zerschlagen und die Märkte in Deutschland einzeln verwerten. Dieses Szenario ist mit der Einigung erst einmal vom Tisch.