Sanierung

Die Tretrollerbahn am Dulsberg kommt zurück

Dulsberg um 1957. Die Rollerbahnen waren der letzte Schrei

Dulsberg um 1957. Die Rollerbahnen waren der letzte Schrei

Foto: Denkmalschutzamt

Mehr Spaß bei der Verkehrserziehung: Am Dulsberg wird die historische Brücke für den Rundkurs restauriert, der in den 50ern „hip“ war.

Dulsberg.  Die Fahrbahn ist einen Meter breit und bildet eine liegende Acht. Im Zentrum, wo sich die Wege kreuzen, ermöglicht eine Brücke schnelles Fahren ohne lästiges Rücksichtnehmen auf den Querverkehr – mit einer lichten Durchfahrtshöhe von nur rund zwei Metern. Das reicht. Denn die Brücke samt der kleinen „Rennstrecke“ gehört den tollkühnen Dulsberger Kindern auf ihren rasenden Rollern.

Für sie haben Dulsberger Wohnungsbauunternehmen, das Bezirksamt Nord und die Stiftung Denkmalpflege die Brücke restauriert. 110.000 Euro hat es gekostet, am Freitag, 3. Juni, wird sie mit einem Fest von 11 Uhr an auf dem Spielplatz Höhe Nordschleswiger Straße/Königshütter Straße mit Kindern eingeweiht.

Verkehrsregeln und Förderung der Motorik

Versteckt zwischen roten Backsteinbauten im Grünzug Dulsberg entstand die Rollerbahn in den 1950er-Jahren unter Anleitung von Werner Töpfer, dem Gartenbauer des Bezirksamts. Sie ist die einzige ihrer Art in Hamburg. Die Bahn sollte verkehrs­pädagogisch Übersicht und Rechtsfahrgebot verinnerlichen helfen.

Ihre beiden, je 50 Zentimeter breiten „Richtungsfahrbahnen“ ermöglichen bei ordnungsgemäßer Nutzung denn auch den durchgehend störungsfreien „Begegnungsverkehr“. Zugleich hilft sie der kindlichen Motorik und dem Gleichgewichtsgefühl auf die Sprünge.

Der Ausbildung von Einseitigkeiten wirkt die historische Konstruktion ebenfalls entgegen: Wer die Kurven andersherum fahren will, braucht bloß den Roller zu drehen und kann auf der Gegenfahrbahn beschleunigen.

Grünzug un Siedlung waren ihrer Zeit voraus

Die Rollerbahnen waren in den 1950er-Jahren der letzte Schrei der Spielplatzpädagogik, sollten die Kinder von der Straße weg und an die frische Luft bringen. Der frühere schnelle Originalstraßenbelag aus Beton ist allerdings mittlerweile Asphaltstreifen gewichen, die an mancher Stelle von Grün durchbrochen werden.

Eine eher unfreiwillige Reminiszenz der Stadt an den Zustand der Radwege, deren eingeschränkte Nutzbarkeit den Kindern so ebenso unauffällig wie frühzeitig nahegebracht wird. Auch wurde die Bahn aus Platzgründen verkürzt.

Nach dem Krieg war nur wenig übrig geblieben vom 1,1 Kilometer langen, von Otto Linne konzipierten und ab 1927 realisierten Grünzug Dulsberg. Seine Gliederung der Funktionsräume in diverse Spiel- und Sportanlagen wurde erhalten, der Park aber wesentlich naturnäher gestaltet.

Die von Oberbaudirektor Fritz Schumacher in den 1920er-Jahren geplante Backsteinsiedlung auf dem Dulsberg wurde in den letzten Jahren mit Fördermitteln des Bundes aufwendig saniert und modernen energetischen Standards angepasst. Sie war ihrer damaligen Zeit weit voraus, weil sie durch geringe Gebäudetiefen eine Querbelüftung der Wohnungen möglich machte und außerdem mit quer liegenden Fenstern mehr Licht ins Leben brachte.