Albert Darboven

Rekord? Brandenburger Tor aus 11.107 Hufeisen geschmiedet

Albert Darboven  vor dem Brandenburger Tor aus Hufeisen

Albert Darboven vor dem Brandenburger Tor aus Hufeisen

Foto: Andreas Laible

Kaufmann Albert Darboven hat auf seinem Gestüt das Brandenburger Tor errichten lassen. Hintergrund: ein soziales Projekt.

Rissen.  Wo steht der Michel vis-à-vis dem Brandenburger Tor? Wo machen die Bauteile – mehr als 11.000 Hufeisen – so richtig Sinn? Und wo lässt der Hausherr dem Kind im Manne freien, künstlerischen Raum? Auf dem Gestüt Idee am Falkensteiner Ufer in Rissen.

Auf der Koppel vor seinen Stallungen sorgt Kaffeekaufmann und Pferdezüchter Albert „Atti“ Darboven neuerdings für eine rekordreife Attraktion: 49 Hufschmiedemeister haben mit vereinten Kräften ein Kunststück geschaffen, das seinesgleichen sucht. Sorgsam zusammengeschweißt ergeben genau 11.107 Hufeisen ein Brandenburger Tor ganz besonderer Art. Das Symbol der Einheit, das im Westen der Hansestadt im Erdreich verankert ist, wiegt knapp sieben Tonnen, ist 9,17 Meter breit und 8,22 Meter hoch.

Das Verhältnis im Vergleich zum Original in der Hauptstadt: 1:3,8. Die Aufnahme ins Guinnessbuch der Rekorde scheint sicher.

Einnahmen fließen an Kinderprojekt

„Bekanntlich halten Hufeisen das Glück fest“, weiß Albert Darboven nicht nur seit dem Derbytriumph mit seinem Hengst Pik König. In diesem Jahr soll sein Galopper Russian Fla-menco das Blaue Band gewinnen. Dafür braucht man jede Menge Fortune.

Am Sonntag wird das anthrazitfarbene Brandenburger Tor mit der grün lackierten Quadriga und der geflügelten Siegesgöttin Viktoria oben offiziell eingeweiht. Vor Ort am Tinsdaler Heideweg werden dann jene Hufschmiede sein, weibliche wie männliche, die das Meisterwerk nach mehr als einjähriger Planung realisierten. Wohlgemerkt ehrenamtlich; denn die Aktion wird komplett zugunsten eines Kinderprojekts organisiert.

Die Entstehungsgeschichte mit Ziel Rissen ist ebenso spannend wie das Vorhaben an sich. Das Konzept entstammt der Ideenschmiede mit dem passenden Namen „Nordhuf“. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft norddeutscher Hufschmiede, der auch der Hamburger Zunftkollege Torsten Becker aus Rahlstedt angehört, ergriffen Anfang 2015 die Initiative und verkauften Hufeisen zum symbolischen Preis von 10 Euro – für die gute Sache.

Per Tieflader von Hannover nach Billbrook

Auf der Messe „Pferd und Jagd“ in Hannover im Dezember des vergangenen Jahres schritten 34 Schmiede zur Tat. Die genaue Anzahl der Hufeisen wurde notariell beurkundet, das Resultat in Anwesenheit des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Namen der Firma J. J. Darboven überreichte Geschäftsführer Frank Hilgenberg vor Ort einen Spendenscheck in Höhe von 25.000 Euro. Nach der Messe wurde das Kunstwerk in mehrere Einzelteile zerlegt und auf einem Tieflader von Hannover nach Hamburg-Billbrook transportiert und auf dem Gelände des Kaffeeunternehmens gelagert.

Von dort ging es Anfang dieses Jahres zu Blohm + Voss, um die Hufeisen zu versiegeln. Ende März wurde das Hamburg-Brandenburger Tor schließlich auf dem Gestüt Idee wieder zusammengeschweißt und mit Beton im Boden verankert. Zwischen den zwölf Säulen des Kunstwerks sind die Farben Deutschlands, Europas sowie des Gestüts aufgemalt.

Und vor dem im Original von Preußens König Friedrich Wilhelm II. in Auftrag ge­gebenen Triumphators steht eine eiserne Figur des Markgrafen von Brandenburg aus dem Geschlecht der Askanier. „Albrech­t der Bär“ gründete anno 1157 die Mark Brandenburg. Aus seiner Sippe stammt Albert Darbovens Ehefrau Edda, eine gebürtige Prinzessin von Anhalt.

Gelegenheit, das Kunstwerk zu bestaunen

„Jetzt hat Hamburg nicht nur eine Elbphilharmonie, sondern auch ein Brandenburger Tor“, sagte „Atti“ Darboven beim Lokaltermin des Abend-blatts und bat zur Kaffeerunde in den benachbarten Hühnerstall. Die Holzsitze dort sind – auch das passt ins Bild – wie Hufeisen geformt und mit Huf­nägeln verziert.

„Wir haben Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Brandenburger Tor in Hamburg informiert“, ergänzte Darboven, „und ihr ein Foto geschickt“. Die Politikerin, so der Kaffeekönig, habe „erstaunt und erfreut“ reagiert. Gelegenheit zum Bestaunen vor Ort ergibt sich für die Öffentlichkeit am 4. September. An diesem Herbstsonntag lädt der 80 Jahre alte Gestütschef jedermann zum traditionellen „Interreligiösen Friedensgebet“, an dem Geistliche unterschiedlicher Glaubensrichtungen teilnehmen.

Neben dem Altar beeindruckte dort zuletzt schon ein Michel, gleichfalls aus Hufeisen geschmiedet. Allerdings sind es im Falle der grünen, vom ehemaligen Bürgermeister Henning Voscherau beurkundeten, 6,60 Meter hohen Nachbildung der Hamburger Hauptkirche „nur“ 2749 Stück. So gesehen wird die Größe des Brandenburger Tors in Rissen also der historischen Be-deutung gerecht.