Neustadt

Nur wenn sie künftig straffrei bleibt, bleibt sie in Freiheit

Neustadt.  Ein aufwühlendes, ein traumhaftes Erlebnis, das ihr Leben vollkommen verändert hat – und eine Erfahrung, die sich für sie wie ein Albtraum anfühlte: Madeleine M. (Name geändert) hat beides innerhalb von zwei Wochen erlebt. Diesen Zauber, als die 20-Jährige zum ersten Mal Mutter wurde und ihr Baby im Arm hielt – und den Schock, als sie das erste Mal in ihrem Leben hinter Gitter musste. Mit ihrem Säugling ins Untersuchungsgefängnis zu kommen, und sei es nur für einige Stunden: Diese Erfahrung war sicher kein Zuckerschlecken. Es hätte der jungen Frau eine Lehre sein sollen, um künftig einen Lebensweg ohne Straftaten, ohne Gewalt einzuschlagen.

Es hat nicht wirklich geklappt. Auflagen des Jugendgerichts an die wegen mehrerer Delikte gerichtsbekannte 20-Jährige, nicht nur auf Straftaten, sondern auch auf jeglichen Konsum von Alkohol und Drogen zu verzichten, hat diese nicht erfüllt. Und so sieht sich die junge Frau nun als Angeklagte dem Jugendrichter gegenüber.

Madeleine M. wirkt, als wünsche sie sich anderswo hin, eine schüchterne junge Frau, zu der so gar nicht die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung zu passen scheinen, die sie laut Anklage begangen hat. Demnach ließ sie sich, damals gerade 18 Jahre alt, von ihrer Freundin dazu provozieren, diese mit einem Obstmesser zu verletzen und außerdem zu schlagen, wirft die Staatsanwaltschaft der jungen Frau vor.

Zudem soll sie nach einem Streit mit einer Freundin diese angespuckt, geschlagen und an den Haaren gezogen haben. Als sich ein Zeuge einmischte, um dem Opfer zu helfen, so die Anklage weiter, habe sie dessen Auto zerkratzt und damit rund 1000 Euro Schaden verursacht. Bei einer weiteren Aus­einandersetzung soll sie einer Freundin in den Bauch getreten haben, heißt es weiter. Und zuletzt habe sie einen Schlagring im BH bei sich getragen und ihrer Freundin ins Gesicht geschlagen.

Opfer dieser vielfältigen Aggressionen war stets die frühere Lebens­gefährtin von Madeleine M. „Wir hatten fast vier Jahre lange eine Beziehung und waren auch verlobt“, erzählt die 20-Jährige. „Dann habe ich meine Tochter bekommen und gemerkt, dass meine Partnerin meinem Kind nicht guttut.“ Daraufhin habe sie die Beziehung beendet. Wieso sie schwanger geworden sei, obwohl sie sich zu Frauen hingezogen fühle, möchte der Jugendrichter wissen. „Das war nicht geplant“, entgegnet die 20-Jährige.

Die Verletzungen ihrer damaligen Partnerin habe sie nicht gewollt. „Es war aber so, wie es in der Anklage steht“, räumt sie ein.

Ihre Tochter war gerade wenige Monate alt, als die junge Frau sie zu einer Feier mitgenommen hatte, auf der reichlich Drogen und Alkohol konsumiert wurden. Daraufhin war klar, dass das Baby in verantwortungsvolle Obhut kommen musste. Ihre Tochter lebt seitdem bei den Eltern von Madeleine M. Sie darf das Kind besuchen.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, der sich seit Langem um die junge Frau kümmert, lobt die Fortschritte, die Madeleine M. seitdem in den vergangenen Monaten gemacht habe. Ihre Aggressionen habe sie viel besser im Griff als früher, auch von Alkohol und Rauschgift lasse sie die Finger. Am Ende stellt der Vorsitzende das Verfahren vorläufig ein. Innerhalb der nächsten sechs Monate muss die Angeklagte regelmäßig nachweisen, dass sie drogenfrei bleibt – und straffrei. Dann wird die Sache endgültig eingestellt.