Hamburg

Bürgerschaft uneins: Ist Hamburg auf dem Weg zur „Fahrradstadt“?

Hamburg.  Der Radverkehr in Hamburg soll gefördert und sein Anteil am Verkehrsaufkommen gesteigert werden – darüber sind sich die Parteien in der Bürgerschaft relativ einig. Auf welchem Weg das zu geschehen hat und wie weit die Stadt dabei schon gekommen ist, darüber gingen die Meinungen am Mittwoch aber weit auseinander. Die Grünen hatten das Thema angemeldet, um nach gut einem Jahr Rot-Grün eine positive Bilanz zu ziehen: „Die Ampeln stehen auf Grün: Hamburg wird Fahrradstadt“, frohlockte ihr Verkehrsexperte Martin Bill und bekräftigte das Ziel, den Radverkehrsanteil auf 25 Prozent zu verdoppeln.

Der Ausbau der 14 Velorouten sei auf dem Weg, das Ziel, pro Jahr 50 Kilometer Radwege zu bauen oder zu sanieren, sei fast erreicht, und das Leihsystem StadtRad wachse sogar um mehr als die geplanten 70 Stationen, zählte Bill auf. „Städte mit hohem Radverkehrsanteil sind attraktiv“, betonte Verkehrssenator Frank Horch (parteilos). Selbst Metropolen wie Rom, London oder New York hätten das erkannt und seien teilweise schon weiter als Hamburg. Lars Pochnicht (SPD) verteidigte die Strategie, Radwege nach Möglichkeit auf die Straße zu legen: „Mehr Sicherheit wird dort erreicht, wo der Radfahrende deutlich erkennbar ist.“

Vor allem diese Haltung sowie der umstrittene Umbau des Harvestehuder Wegs zur Fahrradstraße sorgten für Kritik: Dennis Thering (CDU) beklagte „rot-grüne Gängelungspolitik“, die nur für Profiradler gemacht werde, aber Senioren und Familien außer Acht lasse. Wieland Schinnenburg (FDP) meinte, die „Fahrradstadt“ komme kaum voran und sei nur ein Symbol für die „gequälte grüne Seele“. Auch Heike Sudmann (Linke) warf den Grünen vor, nicht ehrgeizig genug zu sein. Detlef Ehlebracht (AfD) kritisierte, dass die Bürger nicht nach ihrer Meinung befragt worden seien.