„Ein schöner Tag“

Flüchtlingskinder trainieren beim FC Hamburger Berg

Coach Harry Cortez (Mitte) mit Spielertrainern und Übersetzerin

Coach Harry Cortez (Mitte) mit Spielertrainern und Übersetzerin

Foto: Irene Jung

Zwanzig Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahme Neugraben-Fischbek haben haben beim FC Hamburger Berg mittrainieren dürfen.

Coach Harry Cortez Gutierrez stammt aus Bolivien und hat ein Kugelbäuchlein, aber als Trainer hat er eine goldene Hand. Darauf schwören seine Teamkollegen vom FC Hamburger Berg und seit Sonnabend auch zwanzig Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahme Neugraben-Fischbek, die zusammen mit den Kiezkickern einen vergnügten Trainingstag verlebten. Möglich machte es die Initiative „Ein schöner Tag“ auf St. Pauli, die schon mehrfach Erlebnisausflüge für Flüchtlingskinder organisiert hat.

An die zehn Nationen waren mit den Kindern und Spielertrainern auf dem Platz an der Memellandallee vertreten. Denn der erst zwei Jahre junge Fußballverein mit rund 90 Spielberechtigten und dem freundlich-ironischen Maskottchen „Phil Harmonie“ ist selbst international. Zu den All Stars gehören neben deutschen auch Spieler aus der Türkei, Bosnien, Serbien, Syrien, Indonesien, Afghanistan und zahlreiche Lampedusa-Flüchtlinge aus Afrika. „Auch zu unserem offenen Trainig kommen viele Flüchtlinge“, sagt Schatzmeister Kai Meine.

Vereinsmitglieder spenden für Schuhe und Trikots

Für die Kinder aus Syrien, Afghanistan und Irak, die zum Teil schon seit acht Monaten in dem ehemaligen Baumarkt in Neugraben-Fischbek leben, hatte sich der FC Hamburger Berg ein ernsthaftes Trainigsprogramm ausgedacht - mit Warmlaufen, Gymnastik, Dribbeln, Zielschießen und Theorie. Mit Spenden von Mitgliedern konnte Vereinspräsident Ralph Hoffmann für alle Kinder Trikots und Fußballschuhe besorgen. Neben 19 Jungs spielte auch ein einziges Mädchen (aus Syrien) mit. Und ziemlich gut: „Die führt den Ball dicht am Fuß“, lobte Hoffmann, „die spielt sicher nicht zum ersten Mal.“

Auch Trainer Cortez sah genau hin und musste oft sogar bremsen: „Traben sollt ihr, nicht sprinten!“ Aber Traben ist im Bewegungsdrang von Zehnjährigen einfach nicht vorgesehen. Die Spielertrainer mussten kleine Dauerrenner immer wieder geduldig einfangen. Sascha Thon und Nicole Kurowski vom Deutschen Roten Kreuz, die als Betreuer aus der Unterkunft in Neugraben mitgekommen waren, freuten sich über das zusätzliche Sportangebot. „Der TV Fischbek kommt oft zu uns, es gibt Sportangebote mit Fußball, Basketball und Volleyball“, sagt Thon. Aber optimal ist die lange Verweilzeit im Camp vor allem für Kinder nicht. Rund 70 Prozent der 530 Flüchtlinge in der Unterkunft sind Familien.

„Die werden heute Abend nur noch ins Bett fallen“

Nach dem bewegten Vormittag war es kein Wunder, dass sich der Fußballnachwuchs dann aufs Mittagessen stürzte: Sabine Hoffmann, die Mutter des Vereinspräsidenten, hatte Nudeln mit roter Soße gekocht und Erdbeeren mitgebracht. Danach gab’s Theorie: Trainer Cortez schärfte den Kindern die Bedeutung des Mittelfelds ein. Was einige beim folgenden Spiel auch beherzigten – der Rest war Sturm. Aber Cortez schaffte, was er versprochen hatte: Umsicht und Zuspielen klappten schon ganz gut. „Die werden heute Abend nur noch ins Bett fallen“, sagte Dieter Lohberger von „Ein schöner Tag“, bevor die Betreuer vom FC Hamburger Berg ihre kleinen Gäste noch mit Süßigkeiten in den Bus verabschiedeten. Es wird nicht ihr letzter Besuch beim FC Hamburger Berg gewesen sein: „Wir wollen unsere Kinder- und Jugendarbeit aufstocken“, sagte Vereinspräsident Hoffmann erstaunlich frisch zum Abschied.

Zum Ende des Monats hat sich der Verein eine noch größere Aufgabe vorgenommen: Am Dienstag, 31.5., will der FC Hamburger Berg am Schanzenpark (Platz des SV Polizei) einen Weltrekord brechen: Nach Beginn um 22 Uhr will er bis Sonntag, 5.6. um 13 Uhr über 111 Stunden das längste Fußballspiel der Geschichte bestreiten. Gespielt wird gegen den ehemaligen Weltrekordhalter VFL Wallhalben. Die Sponsoring-Einnahmen (1 Euro pro gespielte Stunde) kommen den Flüchtlingen im Verein zugute, die nach Kräften mithelfen werden. „Wir wollen den Weltrekord zurück nach Deutschland holen“, sagt Hoffmann, „das werden 111 Stunden Integration live.“

Alles zur Weltrekord-Woche gibt es hier