Abendblatt-Serie

Raus aufs Land: Mit dem Rad ins Wedeler Vogelparadies

Marco Sommerfeld leitet die Carl Zeiss Vogelstation seit zehn Jahren – sattsehen kann er sich dennoch nicht

Marco Sommerfeld leitet die Carl Zeiss Vogelstation seit zehn Jahren – sattsehen kann er sich dennoch nicht

Foto: Michael Rauhe

In einer Serie stellt das Abendblatt die schönsten kleinen Fluchten vor. Teil 12: Naturerlebnis in der Wedeler Marsch

Der Wind zaust einem durchs Haar. Trotz steifer Brise ist der Blick hoch oben vom Deich über die Elbe und das weite Hinterland atemberaubend. Es ist friedlich hier in der Wedeler Marsch. Nur manchmal durchbricht das Blöken eines Lamms die Stille.

Doch was an diesen Ort besonders anziehend wirkt: Die Wedeler Marsch ist ein Vogelparadies, auf das zahlreiche Arten abfliegen.

Naturschutzgebiet ist ein Paradies für Vögel

Im Naturschutzgebiet finden die Tiere dank eines der größten Süßwasserwatt-Gebiete Europas Nahrung, Schutz und Ruhe. Wie viele Vögel das anlockt, lässt sich besonders gut um diese Jahreszeit beobachten, wenn sich die Weißwangengänse zum Abflug gen Osten sammeln.

Es sind Tausende Tiere, deren Flügelschlag plötzlich die Luft erfüllt. Aufgeschreckt durch einen jagenden Seeadler oder ein tief fliegendes Flugzeug erhebt sich der Vogelschwarm, zieht in erstaunlich abgestimmten Formationen seine Bahnen über die Marsch. Da staunen unbedarfte Besucher und auch Experten.

Einer, der seit Jahren die Tiere beobachtet, ist Marco Sommerfeld. Seit zehn Jahren leitet er für den Hamburger Naturschutzbund (Nabu) die Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch. „Je nach Wetterlage fliegen die Tiere Mitte oder Ende Mai los“, sagt er.

Dabei fällt auf, dass es jedes Jahr mehr werden. Fanden sich in den 90er-Jahren knapp 100 Gänse in der Marsch ein, sind es laut Marco Sommerfeld heute an die 10.000 Tiere. „Das ist etwa ein Zehntel der Weltpopulation“, so Sommerfeld. Und nirgends können Interessierte den Tieren so nah kommen wie in Wedel.

Tipps und Informationen von Nabu-Mitgliedern

Denn die Carl Zeiss Vogelstation liegt mitten im Vogelschutzgebiet am Fährmannssand, direkt an einem Gewässer, das durch den Deichbau entstanden ist. Von den drei Beobachtungsständen aus kann man den hier auch brütenden Tieren bis ins Nest gucken.

Nabu-Mitglieder helfen mit Tipps und Informationen gern aus. Außerdem werden Ferngläser kostenlos zur Verfügung gestellt. „Wenn man etwas Zeit und Geduld mitbringt, kann man hier ganz viel entdecken und den Respekt für die Schönheit der Natur wiederfinden“, verspricht Sommerfeld.

Ganzjährig gibt es an der Carl Zeiss Vogelstation in Wedel etwas zu sehen. Das Beste: diesen Einblick in eine für viele doch eher unbekannte Welt der Uferschnepfen, Wiesenpieper und Rotschenkel gibt es kostenlos. Für Besucher öffnet die Station ihre Türen mittwochs, donnerstags, sonnabends sowie an Sonn- und Feiertagen jeweils von 10 bis 16 Uhr.

Anfahrt über den Elberadweg

Zur Carl Zeiss Vogelstation führen viele Wege. Der beste ist der mit dem Rad. Schon auf der Tour vom S-Bahnhof Wedel aus, wo man sich auch elek­trische Räder der Stadtwerke Wedel direkt leihen kann, lässt sich viel bestaunen.

So führt der etwa 30-minütige Weg unter anderem an der Bahnhofstraße, Wedels kleiner Einkaufsmeile samt zahlreicher Gastronomie und Eiscafé vorbei. Von der Gorch-Fock-Straße geht es über die Schulauer Straße weiter, das Freibad wird links liegen gelassen, bis man zur Wedeler Au und dem Elbdeich gelangt.

Der Elberadweg führt nun unter anderem am Hamburger Yachthafen mit seinen zahlreichen Segelschiffen vorbei bis zur Gaststätte Fährmannssand. Von hier aus sind es etwa noch fünf Minuten mit dem Rad zur Vogelstation.

An der Gaststätte findet sich auch die letzte Parkmöglichkeit für diejenigen, die mit dem Auto anreisen. Von dort sind es etwa 15 Minuten Fußweg. Den Parkplatz erreichen Besucher von Hamburg kommend am S-Bahnhof vorbei weiter Richtung Holm, etwa 30 Meter vor dem Ortsausgangsschild geht es links in die Hatzburgtwiete, dann ist es ausgeschildert.

Und auf dem Weg: Kuchen, Obst und Marmelade

Wer sich vor dem Besuch der Vogelstation stärken möchte und selbst gemachte Torten liebt, ist an der Gaststätte Fährmannssand richtig. In bereits siebter Generation führt die Familie Körner den Hof am Elbdeich, am Wochenende hilft bereits die achte Generation mit.

Seit 1906 gehört zum Hof eine Gaststätte. Die bietet deutsche Küche in ländlicher Umgebung, für kleine Besucher gibt es einen Streichelzoo. Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr.

Auf dem Rückweg von der Vogelstation lohnt sich ein Abstecher zum Obstparadies von Familie Kleinworth. Dafür hält man sich nach der Gaststätte Fährmannssand links und lässt den Deich rechts liegen. Dort gibt es unter anderem Obst und Marmeladen.

Mit den Einkäufen im Gepäck müssen Radler nur ein kleines Stück den Weg zurückfahren, dann zweigt ein Radweg ab, der in Wedels Altstadt mündet. Am Roland, Wedels Wahrzeichen, geht es vorbei, bevor man über die Schulstraße zum Bahnhof gelangt.

Exkursionen

Der Naturschutzbund (Nabu) bietet zusätzlich zu den Beobachtungsständen auch Exkursionen rund um die Wedeler Vogelstation an. Die nächste Führung ist am 26. Mai von 12 bis 13.30 Uhr geplant. Die Kosten betragen fünf Euro, die der Arbeit des Nabu zugutekommen.


Eine besondere Veranstaltung
ist der Leuchtabend am 8. Juni, bei dem einmal nicht Vögel im Mittelpunkt stehen, sondern Nachtfalter. Um 22.30 Uhr treffen sich Interessierte an der Carl Zeiss Vogelstation, um etwas über die Bewohner der Dunkelheit zu erfahren.


Kontakt
unter 040-697 08 90. Weitere Informationen gibt es unter: www.nabu-hamburg.de, und dort unter dem Stichwort „Carl Zeiss Vogelstation“.

Essen und Einkaufen

Gaststätte Fährmannssand:Wer selbst gemachte Torten und dazu ein Kännchen Kaffee mag, der ist bei Familie Körner richtig. In siebter Generation führt die Familie den Hof am Elbdeich, von dem aus es etwa 15 Minuten Fußweg bis zur Vogelstation sind. Die Öffnungszeiten sind: mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr, bei gutem Wetter auch länger. Ein Stück Torte kostet drei Euro, das Kännchen Kaffee auch.


Beim Obst-Paradies
der Familie Kleinworth gibt es Produkte der Region zu erstehen, unter anderem Marmeladen zum Preis von 2,40 bis 2,90 Euro sowie selbst gemachte Pestos und Pasteten. Ab Ende Mai können Besucher hier Erdbeeren selbst frisch vom Feld pflücken und ab August dann auch Äpfel selbst ernten.