Lou und Nils Schoof

Hamburgs neue Topmodels, ganz ohne Heidi Klum

Lou und Nils Schoof: Zwei,die aus dem Roman „Oliver Twist“ entsprungen sein könnten, wie ihr Entdecker meint

Lou und Nils Schoof: Zwei,die aus dem Roman „Oliver Twist“ entsprungen sein könnten, wie ihr Entdecker meint

Foto: Elizaveta Porodina

Die Geschwister Lou und Nils Schoof erobern gerade die Modewelt. Begonnen hat alles mit einem Zufall – in der Bahn.

Hamburg.  Eine Karriere kann so banal beginnen. Topmodel Toni Garrn wurde bei einem WM-Fanfest entdeckt, Claudia Schiffer beim Tanzen in der Disco. Die Hamburgerin Lou Schoof war auf dem Weg nach Berlin, als Modelscout Yannis Nikolaou in ihr Leben trat und es grundlegend veränderte: „Lou habe ich vor ein paar Jahren in der S-Bahn in Hamburg angesprochen. Sie saß mir mit ihrem Vater gegenüber. Ich fand sie cool, und ich dachte, sie hat was von Kate Moss“, sagt der Chef der Hamburger Agentur Placemodels.

Heute ist Lou 20 und ein international gefragtes Model. Vielleicht noch nicht so populär wie Kollegin Moss, aber auf dem besten Weg dorthin. Immerhin gibt die junge Dame, die so an­drogyn wie Twiggy aussehen kann, aber laut Vogue ebenso einem Vermeer-Gemälde entsprungen sein könnte, überhaupt Interviews, aber am liebsten per E-Mail.

„Ich habe mich schon immer für die Modewelt interessiert, jedoch hätte ich nie gedacht, dass ich jemals als Model Teil davon werden würde. Es war also nie mein Traum, trotzdem fühlt sich der jetzige Alltag manchmal traumhaft an“, schreibt sie.

Model in Zeiten von Instagram & Co.

Wie es sich für ein Model gehört – und das weiß man nicht erst seit der ProSieben-Show „Germany’s Next Topmodel“ – ist Lou viel unterwegs: Shootings für die Magazine „Vogue“, „Tush“ und „Harper’s Bazaar“, Reisen nach Venedig, New York und Kyoto.

Alles zu bewundern auf der Internet-Selbstdarstellungs-Plattform Instagram. Wichtigstes Reise-Accessoire: „eine gute Kamera“, so Lou Schoof. Über ihre Popularität quasi über Nacht sagt sie: „Es war sehr überraschend. Umso größer ist jetzt der Kontrast zu meinem Alltag davor. Es ist schön, viel zu reisen, sich kulturell weiterzubilden und tolle Menschen zu treffen. Ich schätze das sehr!“

Was macht die 20-Jährige so erfolgreich, außer, dass sie die Mindestgröße von 1,75 Meter und Konfektionsgröße 34 erfüllt? „Durch die sozialen Medien sehen wir jeden Tag so unendlich viele Bilder. Deshalb muss ein Model allein schon das Bild sein. Der Betrachter muss stehen bleiben, weil das Gesicht so anders ist, etwas ausdrückt, etwas Besonderes hat. Das hat Lou, finde ich“, sagt Yannis Nikolaou.

Geschwisterpaare sind der neue Trend

Und das hat auch ihr Bruder: Nils Schoof, 17 Jahre alt, talentierter Fußballer und neuerdings auch bei Placemodels unter Vertrag. Entdeckt wurde der hohlwangige junge Mann auf den geposteten Fotos seiner Schwester. Seitdem werden die beiden häufig zusammen für Jobs gebucht.

Die Modebranche ist ja immer auf der Suche nach dem neuen großen Trend. Und jetzt gerade sind es fesche Geschwisterpaare, wie zum Beispiel Gigi und Bella Hadid, Suki und Immy Waterhouse oder eben Lou und Nils Schoof. „Beide zusammen könnten Figuren aus dem Roman ,Oliver Twist‘ oder dem Musical ,Les Misérables‘ sein. Sie haben etwas, das Fotografen inspiriert“, so der Modelscout.

„Wir inspirieren uns gegenseitig stark“, sagt Lou Schoof über die besondere Beziehung zu ihrem Bruder, die auch aus den Fotografien spricht. Mal sieht man die Geschwister miteinander herumblödeln, sich an den Haaren ziehen, mal wieder ganz innig umschlungen. „Für die Zukunft wünschen wir uns, noch öfter gemeinsam reisen zu dürfen.“

Nur wenige Bewerber kommen als Model infrage

Während Lou das Leben als Model „voll auskosten will, bis die Zeit reif ist, sich anderen Dingen zuzuwenden“, geht Nils noch zur Schule. Das Modeln sei ein tolles Sprungbrett, um die Welt zu entdecken. „Man erlebt andere Kulturen, wird mit Unerwartetem konfrontiert und wächst an seinen Aufgaben. Es ist der ideale Ausgleich zum strikten Schulleben und dem oft eintönigen Alltag daheim“, schreibt er.

Den Lehrern und der Schulleitung gegenüber spiele er mit offenen Karten: „Wenn ich einen Job innerhalb der Schulzeit annehme, ist das immer abgesprochen.“ Die Schule will Nils Schoof auf jeden Fall abschließen, um sich ein Fundament für die Arbeitswelt nach dem Modeln zu schaffen. „Trotzdem fokussiere ich mich so sehr wie möglich darauf, weil es mich in vielen Bereichen mental wachsen lässt und ich die Arbeit an sich wertschätze.“ Gibt es auch etwas, das am Modeln nervt? „Leider ist man oft weit von zu Hause entfernt, sowohl räumlich als auch gedanklich. Das ist schon etwas schade, aber auch die einzige Kehrseite des Modelns.“

Jeden Tag gehen Hunderte Bewerbungen bei Agenturen wie Placemodels ein. Glaubt man Yannis Nikolaou, gibt es heute kaum ein Mädchen, das nicht davon träumt, Model, Sängerin oder Schauspielerin zu werden. Aber nur die wenigsten kommen tatsächlich für eine Karriere infrage. Und dann gibt es immer wieder Ausnahmen wie Lou Schoof, die einfach zur richtigen Zeit in der richtigen Bahn saß.