Barmbek-Nord

Frauenleiche in Koffer: Gericht erlässt Haftbefehl

Grausiger Fund in der Tischbeinstraße in Hamburg Barmbek Nord

Grausiger Fund in der Tischbeinstraße in Hamburg Barmbek Nord

Foto: Michael Arning

Staatsanwaltschaft geht von einem dringenden Tatverdacht gegen den Mann aus. Die Todesursache ist jedoch noch unklar.

Barmbek-Nord.  Ein einziges brennendes Grablicht steht am Freitagvormittag vor dem Mehrfamilienhaus an der Tischbeinstraße. Vor wenigen Stunden hat die Polizei aus einer Genossenschaftswohnung im Erdgeschoss einen Koffer mit einer Frauenleiche geholt und den 50 Jahre alten Mieter Reno G. festgenommen. Viele Anwohner standen am Donnerstagabend draußen und beobachteten, wie Polizisten und Beamte der Spurensicherung in weißen Overalls das Haus betraten und wieder verließen.

„So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen“, sagt Nachbarin Monika Liedtke, 64. Bis in die frühen Morgenstunden waren Beamte der Mordkommission in der ruhigen Wohnstraße im Einsatz. Noch immer sind die Müllcontainer vor dem Haus abgesperrt. In ihnen haben die Ermittler angeblich Frauenkleider gefunden. Liedtke ist fassungslos: „Ich hätte nie gedacht, dass hier so etwas passiert.“

Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang?

Doch was ist eigentlich passiert? Die Mordkommission verdächtigt zwar Reno G., die Frau getötet zu haben. Doch die Ermittler können aktuell nicht ausschließen, dass sie sich selbst das Leben nahm und dass der mit der Situation möglicherweise überforderte Mann ihre Leiche in dem Koffer ablegte. Zurzeit geht die Staatsanwaltschaft aber von einem dringenden Tatverdacht gegen den 50-Jährigen aus. Viel spricht für ein Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang. Am Freitagnachmittag erließ das Gericht Haftbefehl. Reno G. befindet sich nun in U-Haft.

Bei dem Opfer handelt es sich nach Abendblatt-Informationen um eine 49 Jahre alte arbeitslose Frau aus Berlin. Sie wohnte schon länger bei dem gebürtigen Rostocker, gemeldet war sie in der Tischbeinstraße aber nicht.

Leiche wurde nicht zerstückelt

Allerdings wussten ihre Angehörigen, dass sie sich bei Reno G. aufhielt. Nachdem sie länger nichts von sich hatte hören lassen, alarmierten ihre Verwandten die Hamburger Polizei. Die schaute am Donnerstagabend nach: Um sich zu überzeugen, ob es der Frau gut geht, klingelten Beamte des Polizeikommissariats 31 (Uhlenhorst) gegen 19.30 Uhr bei Reno G. und fragten nach dem Verbleib der Vermissten. Ohne zu zögern, führte er die Beamten durch seine Wohnung – geradewegs zum Koffer mit der Leiche. Der Mann wurde festgenommen und in Trainingshose abgeführt.

Während seiner Vernehmung bei der Polizei soll Reno G. widersprüchliche Angaben gemacht haben. Zum Inhalt seiner Aussage wollte sich die Polizei am Freitag nicht weiter äußern. „Wir gehen nicht von einem natürlichen Tod aus“, sagte Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, dem Abendblatt. Ob die 49-Jährige durch fremde Hand und gewaltsam gestorben ist, muss nun das Institut für Rechtsmedizin klären – das Ergebnis der Obduktion lag am Freitag bis zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Fest steht allerdings schon jetzt, dass die Leiche – entgegen anderen Medienberichten – nicht zerstückelt worden war.

Immer wieder soll es Streit gegeben haben

Noch ist unklar, in welchem Verhältnis der Mann und seine Mitbewohnerin zueinander standen. Die beiden seien, zumindest zeitweise, ein Paar gewesen, wie Oberstaatsanwältin Frombach bestätigte. Ob sie es aber zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat noch waren, steht nicht fest. Ein Nachbar berichtete dem Abendblatt, dass es immer wieder Streit in der Wohnung gegeben habe. Zudem habe der Mann angeblich häufiger Alkohol konsumiert.

Während sich an diesem Freitagvormittag alles um ihren Nachbarn dreht, steht Monika Liedtke auf ihrem Balkon und schaut dem Treiben auf der Straße zu. Es ist eine ruhige Wohngegend, mit gepflegten Vorgärten und den für Barmbek-Nord typischen Rotklinkerbauten. Viele Anwohner sind entsetzt, der grausige Fund beflügelt die Fantasie, ob man will oder nicht. Dass ihr Wohnort mal zum Tatort werden würde, hätte sich die 64-Jährige nie träumen lassen. Das Ganze, so Liedtke, sei „einfach nur grausam“.