Altstadt

Abendmahlskelch wiederentdeckt

Pfingstgottesdienst im Michel mit einem der ältesten Schätze dieser Hauptkirche aus dem Jahr 1729

Altstadt. Wer am Pfingstsonntag den Gottesdienst im Michel besucht, erlebt eine kleine Sensation: Erstmals kommt ein Abendmahlskelch aus dem 18. Jahrhundert, der sehr lange unbeachtet in einem Tresor der Kirche gelegen hatte, zum Einsatz. Bis ihn Michel-Hauptpastor Alexander Röder im vergangenen Jahr eher zufällig entdeckte und als kirchlicher Kunstexperte schnell feststellte: Der Kelch bedarf dringend einer Restaurierung.

Das Abendmahlsgefäß stammt aus dem Jahr 1729 und damit aus jener Zeit der ersten Großen Michaeliskirche, die 1750 durch einen Blitzschlag zerstört wurde. „Mit diesem Kelch ist ein kleiner Schatz gehoben worden“, freut sich Alexander Röder.

Restauriert wurde der sakrale „Findling“ von der Lübecker Silberschmiedemeisterin Margarete Oehlschlaeger. „Selten habe ich so viel Respekt vor einer Arbeit gehabt“, sagt sie. Um den Kelch im neuen Glanz erstrahlen zu lassen, setzte die Expertin die alte Handwerkstechnik der Feuervergoldung ein. Nur wenige Werkstätten beherrschen diese Kunst, bei der sich das Silber des Werkstücks mit dem aufgetragenen Gold zu einer Legierung verbindet. Dazu wird eine im Tiegel gekochte Paste aus Quecksilber und Feingold in zahlreichen Arbeitsgängen in dünnen Schichten aufgebracht und immer wieder mit einer offenen Flamme „abgeraucht“.

Wenn der Pfingstgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr beginnt, wird Hauptpastor Alexander Röder an den neuen Schatz erinnern. „Was mich bewegt, ist der Glaube, dass es derselbe Christus ist, der sich seit 1729 und auch noch heute in Brot und Wein des Abendmahls schenkt.“ Dafür sei dieser Kelch einst geschaffen worden. Und nun, 300 Jahre, später werde er wieder in der Kirche genutzt.