Hamburg

Blankenese: Saga-Villa verfällt

Ehemaliges Friedensinstitut steht seit neun Jahren leer. Unklar ist, was auf dem Grundstück geplant ist

Blankenese. Am Falkenstein 1: Das ist eine prominente Adresse in den Elbvororten. Mitten in einem Waldgebiet, hoch oben auf einem Berg mit Blick auf die Elbe bei Blankenese, liegt auf einem großzügigen Grundstück eine Villa mit bewegter Geschichte. Einst gingen dort Politiker aus aller Welt ein und aus. Von hier oben hatte Altkanzler Helmut Schmidt als damaliger Senator der Polizeibehörde die Hamburger Flutkatastrophe gemanagt. Doch in den vergangenen Jahren ist es ruhig geworden um das Gebäude, in dem bis zuletzt das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ansässig war. Zu ruhig.

Denn die Villa war bereits vor neun Jahren beim Auszug des Instituts sanierungsbedürftig. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung stand das städtische Gebäude auf der Liste der Objekte, die verkauft werden sollten. Deshalb packten die Friedensforscher der Hamburger Universität ihre Sachen, zogen 2007 in ein Gebäude am Schlump. Die Räume am Falkenstein stehen seitdem leer. Verkauft, geschweige denn saniert, wurde aber nicht. Dabei handelt es sich um ein anerkanntes Baudenkmal.

Das Mindestgebot für Grundstück und Villa lag bei 2,5 Millionen Euro

Erst fünf Jahre nach dem Auszug ging das Objekt auf den Markt. In der Verkaufsexpertise von 2012 ruft die Finanzbehörde für das knapp 12.000 Quadratmeter große Grundstück samt Villa ein Mindestangebot von 2,5 Millionen Euro auf. Laut dem Immobilienangebot der Stadt stammen sowohl das Haupthaus, das dazugehörige Pförtnerhaus und die Remise aus dem Jahr 1937. Das Pförtnerhaus kann abgerissen werden. Laut einem abgelaufenen Vorbescheid hätte das dadurch entstehende Areal zum Beispiel mit einem Doppelhaus bebaut werden dürfen. Für das sanierungsbedürftige Haupthaus bestehen aber Auflagen aufgrund des Denkmalschutzes. Inwieweit das bewaldete Grundstück bebaut werden darf, ist offen. Der Bebauungsplan von 1952 weist das Areal als Außengebiet mit Landschaftsschutz aus. Klar ist: Veräußert wurde die Immobilie damals nicht, sondern erst vor einem Jahr.

Bei dem neuen Eigentümer handelt es sich um die Saga GWG. Laut Daniel Stricker, Sprecher der Hamburger Finanzbehörde, wurde das Gebäude im Rahmen des Saga-Pakets 2015 an das kommunale Wohnungsunternehmen veräußert. Das Paket umfasste zahlreiche städtische Grundstücke und Immobilien. Ziel war es, die Realisierung von neuem Wohnraum zu fördern. Mehr will man bei der Finanzbehörde zu dem Fall nicht sagen und verweist auf den Neueigentümer.

Auch dort ist man zurückhaltend. Ob und inwieweit Wohnungsbau auf dem Grundstück möglich ist und was man mit dem Grundstück sonst möchte, dazu wollte sich die Saga auf mehrfache Nachfrage nicht äußern. Nur so viel: „Wir befinden uns mit Blick auf dieses Objekt in der internen Prüfung und können noch nicht sagen, was damit passiert“, so Michael Ahrens, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Die Entwicklungen auf dem Grundstück werden nicht nur von den Nachbarn argwöhnisch verfolgt. Auch Mitarbeiter des Friedensinstituts interessieren sich für ihre ehemalige Arbeitsstätte. So wie Susanne Bund. Die Pressesprecherin arbeitet seit 1982 für das Institut. „Im ersten Stock gab es ein kleines abhörsicheres Zimmer. Von dort aus soll Helmut Schmidt während der Flutkatastrophe Anrufe getätigt haben“, erinnert sie sich.

Der Keller sollte im Fall eines Angriffs als Zivilschutzbunker dienen

Im Keller lagerten lange Überbleibsel des Kalten Krieges. Die Räume hätte im Fall eines Angriffs als Zivilschutzbunker gedient. „Ende der 80er wurden die Sachen abgeholt“, so Bund.

Und nicht nur Schmidt schrieb vom Falkensteiner Hügel aus Geschichte. Am 28./29. März 1989 trafen sich im Friedensinstitut hochrangige Offiziere der Bundeswehr mit Vertretern der Nationalen Volksarmee der DDR. Beim „Hamburger Generalstreffen“ näherten sich die Parteien in Fragen der gemeinsamen Sicherheit sowie gegenseitiger Bedrohungswahrnehmung an.

Dass das Areal heute der Stadt beziehungsweise der Saga gehört, ist im Nationalsozialismus begründet. Laut Aufzeichnungen eines Nachkommen der ehemaligen Besitzer, die dem Friedeninstitut vorliegen, verkaufte die Familie mit jüdischen Wurzeln ihren Besitz gleich nach Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze von 1935. Auch der neue Inhaber, ein Kaufmann, der die Villa bauen ließ, behielt sie nicht lange. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Gebäude, nutzten den Hügel als Beobachtungsposten während des Krieges. Nach den Soldaten zogen Jahrzehnte später die Friedensforscher ein. Friedlich ist es auch jetzt auf dem Gelände noch.