Digitalisierung

Wie Handys den Verkehr in Hamburg verändern

Schon bald könnte das Mobiltelefon etwa anzeigen, wo es freie Parkplätze gibt. Stadt will Innovationen auf den Straßen vorantreiben.

Hamburg.  In loftartigen Zimmer eines hippen Start-Up-Unternehmens am Rödingsmarkt stellten Wirtschaftssenator Frank Horch, Hochbahn-Chef Henrik Falk und andere Lenker der Stadt vor, wie die Digitalisierung Hamburgs Verkehr sicherer, effizienter und umweltfreundlicher machen soll.

Das Stichwort lautet „intelligente Transportsysteme“, kurz ITS. Damit ist alles gemeint, was Verkehrsteilnehmer, Fahrzeuge und Verkehrsinformationen vernetzt. Dreh- und Angelpunkt für alle Informationen ist das Handy. Schon jetzt kaufen viele ihre Tickets über das Handy und leihen Stadträder und Leihwagen mobil aus. Doch das soll es noch nicht gewesen sein. Laut ITS-Strategiepapier will die Stadt den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik im Straßenverkehr aktiv vorantreiben. Einige Projekte sind konkret geplant, andere noch vage Vision. Diese Punkte werden in den kommenden Jahren Thema sein:

Die Hamburger Hochbahn plant die Einführung eines „Check in – be out“-Systems, das Fahrgäste über das Handy automatisch auscheckt, wenn sie aus Bus oder Bahn aussteigen. Ein Programm sucht den günstigsten Tarif und bucht diesen automatisch. Eine Testphase auf bestimmten Strecken ist schon für 2017 geplant. Eine europaweite Ausschreibung läuft bereits.

Die Hamburg Port Authority testet derzeit sogenannte iBaken, die unplanmäßige Baustellen an Navis, Internet-Clouds oder Handys übermitteln. Die ersten Erfahrungen im Hafen werden derzeit ausgewertet. Das System soll dann zeitnah ausgeweitet werden.

Die ITS-Strategie für Hamburg schließt auch Fahrradfahrer ein. Ziel ist es, Apps zu entwickeln, die Radfahrer über die optimale Wegeführung und im Winter über den Räumungsstatus von vereisten Radwegen informieren.

Statt der nervigen Suche nach einem Parkplatz könnte vielleicht bald der Blick aufs Handy reichen. Die Stadt interessiert sich ausdrücklich für Systeme, die die Belegungsdaten von Parkplätzen an die Nutzer weiterleitet.

Fahrzeuge ohne Fahrer? Die Stadt zeigt sich dem automatisierten Fahren gegenüber aufgeschlossen. Auch wenn es bis zum regulären Einsatz noch viele Jahre dauern wird, ist die Tendenz schon jetzt unübersehbar: von elektronischen Abstandshaltern über Stauassistenten bis zu Einparkhilfen ist technisch heute vieles möglich. Für das automatisierte Fahren müssen noch rechtliche Fragen geklärt werden, etwa, was die Haftung bei Unfällen angeht.

Bei der Vorstellung der ITS-Strategie ließ Martin Huber, Leiter des Amtes für Verkehr und Straßenwesen der BWVI, keinen Zweifel daran, dass das zentrale Verkehrsmittel der kommenden Jahrzehnte das Mobiltelefon sein wird. „Die Bedeutung des Smartphones wird weiter zunehmen“, sagt Huber. Schon jetzt hätten 50 Prozent aller Deutschen ein Smartphone, in wenigen Jahren würden nahezu alle ein internetfähiges Mobiltelefon besitzen.

Wirtschaftssenator Frank Hoch (parteilos) machte deutlich, dass Hamburg bei den technischen Entwicklungen in der erster Reihe mitgestalten möchte. „Das Thema der Digitalisierung spielt für wirklich alle Fachbereiche der Hamburger Behörden eine entscheidende Rolle. „Und die Potenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft.“

Um die Hansestadt in dem Prozess in den Fokus setzen, hat sich die Stadt um die Ausrichtung des ITS-Weltkongresses für 2021 beworben. 10.000 Teilnehmer werden erwartet.