Onlinehandel

Darum vertreibt Fielmann seine Brillen nicht übers Internet

Günther Fielmann, Vorstandschef des Brillenkonzerns, und sein Sohn Marc, marketingvorstand, im Foyer der Zentrale

Günther Fielmann, Vorstandschef des Brillenkonzerns, und sein Sohn Marc, marketingvorstand, im Foyer der Zentrale

Foto: Marcelo Hernandez / HA

In ihrem ersten gemeinsamen Interview berichten Günther und Marc Fielmann über ihre Pläne für den Optikkonzern.

Hamburg.  Seit wenigen Monaten arbeiten zwei Fielmanns im Spitzenmanagement des Hamburger Brillenkonzerns zusammen. Marc Fielmann, 26, ist im Vorstand verantwortlich für das Marketing, sein 50 Jahre älterer Vater leitet das Unternehmen mit Sitz in Barmbek als Vorstandsvorsitzender.

Der Junior ist als Nachfolger des Gründers im Gespräch, er beschäftigt sich vornehmlich mit (digitalen) Zukunftsszenarien für den Konzern. Über ihre Zusammenarbeit, über die Verantwortung der Erben und die Wünsche für die Firma und die Familie sprach das Abendblatt am Rande der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag mit beiden Unternehmern in ihrem ersten Doppelinterview.

Hamburger Abendblatt: Herr Fielmann, Sie haben mit großen Ideen wie der Brille zum Nulltarif die Branche revolutioniert. Für Ihren Sohn Marc, der jetzt als Marketingvorstand bei Fielmann Verantwortung übernimmt, hinterlassen Sie große Fußstapfen.

Günther Fielmann: Er hat große Füße (lacht). Schließlich ist er ja mein Sohn.

Wird es – etwa in der digitalen Welt, die Sie als 26-Jähriger bestens kennen – bald noch einmal eine Revolution von Fielmann geben?

Marc Fielmann: Fielmann verdankt seinen Erfolg strikter Kundenorientierung. Auch bei technischen Neuerungen hinterfragen wir immer den Nutzen für unsere Kunden.

Das betrifft nach wie vor den Onlinehandel, aus dem Sie sich heraushalten?

Günther Fielmann: Heute ist die Onlinebrille nach wie vor ein Zufallsprodukt. Über das Internet lässt sich die Sehstärke nicht bestimmen, die Brillengläser nicht zentrieren, die Brille nicht anpassen. Wenn dies über die Distanz möglich ist, werden wir den Onlinehandel neu bewerten.

Und was ist mit den Partnermodellen, bei denen einige Internetanbieter mit lokalen Händlern kooperieren?

Günther Fielmann: Bei Fielmann gibt es schon eine Brille für zehn Euro. Bei den Partner-Modellen einiger Internetunternehmen frage ich mich: Wo ist der Vorteil für den Kunden? Das ist doch sehr umständlich.

Haben Sie ein Beispiel für ein aktuelles Projekt der Zukunftsfabrik Fielmann Ventures, die Sie verantworten?

Marc Fielmann: Wir testen eine neue Form der Videozentrierung in den Niederlassungen. Statt an einzelnen Terminals arbeiten unsere Mitarbeiter mit ihren eigenen Tablets. Auf diese Weise kann der Ablauf in der Niederlassung verbessert und die Zentrierung der Brillengläser beschleunigt werden.

Brillen aus dem 3-D-Drucker? Kommt das für Sie infrage?

Marc Fielmann: Wir beobachten die Entwicklung. Bei Fielmann Ventures steht seit 2013 ein 3-D-Drucker. Das Thema ist spannend, aber aktuell eher für die Produktentwicklung, weniger in der Produktion.

Bei der Eröffnung Ihrer Filiale in Bozen waren Sie selber vor Ort, haben die Kunden persönlich bedient.

Marc Fielmann: Ich schlage die Brücke zwischen der Zentrale hier in Hamburg und unseren Niederlassungen.

Günther Fielmann: Mein Sohn ist von Kindesbeinen an mit der Optik vertraut, er hat eine augenoptische Ausbildung, auch an einer renommierten Universität studiert. Er verbindet – so wie ich – das Tagesgeschäft in den Niederlassungen mit der geschulten Intelligenz in der Zentrale.

Was hat sich geändert, seit Sie vor einigen Monaten in den Vorstand aufgerückt sind?

Marc Fielmann: Ich habe jetzt ein eigenes Büro (lacht). Aber im Grunde bin ich ja schon seit Jahren dabei.

Ihre Tochter Sophie ist auch für eine Position im Unternehmen im Gespräch.

Günther Fielmann: Ja, wir würden uns sehr freuen, wenn sie sich dafür entscheiden würde.

Marc Fielmann: Wir hoffen sehr, dass sie in die Firma kommt. Derzeit macht sie ihren Bachelor in Wirtschaftspsychologie. Ob sie noch einen Master anstrebt oder bei Fielmann einsteigt, hat sie noch nicht entschieden.

Sie haben ja kürzlich auch betont, dass Ihre neue Aufgabe das Leben sehr verändert.

Marc Fielmann: Ja, Verantwortung bedeutet nicht nur Privilegien, sondern auch Verpflichtung. Wenn wir beispielsweise eine Niederlassung eröffnen, schaut mich jeder an. Ich erfülle eine Vorbildfunktion, bin aber auch nur ein Mensch. Der Name bringt Verantwortung und Verpflichtung, dessen ist sich auch Sophie bewusst.

Wie oft sprechen Sie beide sich ab?

Günther Fielmann: Täglich.

Marc Fielmann: Ich habe eine kleine Wohnung in Hamburg, bin aber zwei-, dreimal in der Woche bei meinem Vater in Lütjensee. Ich habe dort noch ein Zimmer. Und dann sehen wir uns schon beim Frühstück.

Was ist nach so vielen Jahren Ihre liebste Beschäftigung im Unternehmen?

Günther Fielmann: Meine liebste Aufgabe ist es, mich über Marc zu freuen.

Marc Fielmann: Und Deine Kollektion?

Günther Fielmann: Jedes neue Brillen-Modell geht durch meine Hand. Ich entscheide über Design, Entwicklung und die Produktion.

Sie übergeben allmählich die Verantwortung an die nächste Generation. Was ist Ihr größter Wunsch für das Unternehmen?

Günther Fielmann: „Der Kunde bist Du“ ist Leitsatz unserer Unternehmensphilosophie. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dieser Maxime verpflichtet. Diese Kundenorientierung werden wir auch in neuen Märkten beweisen.

Und für die Familie?

Günther Fielmann: Gesundheit.