Hamm

Top-Sportvereine fordern zusätzlich 3,5 Millionen Euro

Für Inklusion, Integrationund Bauinvestitionen fehltden Clubs das Geld

Hamm. Hamburgs Vereine gehen auf die Barrikaden. Sie fordern von der Stadt mehr Geld, andernfalls könnten sie ihren vielfältigen sozialpolitischen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Vor allem für Sanierung und Neubau vereinseigener Sportanlagen, für Flüchtlingsarbeit und Inklusion würden in den nächsten Jahren weit mehr Mittel benötigt, als bislang von der Stadt zugebilligt. „Wenn wir das leisten sollen, was wir leisten wollen, brauchen wir 3,5 Millionen Euro mehr. Der organisierte Hamburger Sport ist chronisch unterfinanziert“, sagte jetzt Boris Schmidt (TSG Bergedorf), der Sprecher der 27 Topsportvereine mit insgesamt mehr als 130.000 Mitgliedern.

Derzeit verhandeln Stadt und Hamburger Sportbund (HSB; rund 590.000 Mitgliedschaften in 817 Vereinen) über einen neuen Sportfördervertrag für 2017/18. In der ersten Verhandlungsrunde schloss der Senat eine Erhöhung der bisherigen Grundversorgung von 8,1 Millionen Euro pro Jahr aus. Das Klima des Sondierungsgesprächs war eisig, berichten Teilnehmer. Am Montag folgt Runde zwei. Die Topsportvereine drohen bereits: „Gibt es kein substanziell besseres Ergebnis, werden wir auf der HSB-Mitgliederversammlung am 28. Juni der Vereinbarung nicht zustimmen.“ Die Sportpolitik des Senats wäre dann gescheitert.

Für die Flüchtlingsarbeit wünschen die Clubs eine Aufstockung der jährlichen Zuschüsse von 100.000 auf 300.000 Euro. „Das ist extrem günstige Integrationsarbeit. Die können wir nicht dauerhaft aus eigenen Mitteln finanzieren“, sagt Frank Fechner, Vorsitzender des Eimsbüttler Turnverbandes. Etwa 1000 Flüchtlinge nehmen derzeit in Hamburg die Angebote der Vereine wahr, allein 150 beim ETV. Bislang erhielt jeder Club dafür einmalig 2500 Euro vom HSB. Fechner: „Für die Flüchtlinge brauchen wir mehr und besser ausgebildete Übungsleiter. Es gilt Sprachbarrieren zu überwinden und traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.“ Ähnliches gelte für Aufgaben im Bereich der Inklusion. Der Sondertopf von 30.000 Euro jährlich wurde seit 25 Jahren nicht erhöht. 100.000 Euro mehr fordert Martin Hildebrandt, Geschäftsführer des SV Eidelstedt.

Für Sanierung und Neubau vereinseigener Anlagen fehlen von 2017 an rund zwei Millionen Euro pro Jahr – sollte es beim aktuellen Sachstand bleiben, wovon nicht auszugehen ist. 2016 haben die Clubs beim HSB um Baukostenzuschüsse von 3,5 Millionen Euro gebeten. Rund drei Millionen Euro stehen ihnen dafür 2016 noch zur Verfügung. 255 Hamburger Vereine haben eigene Anlagen mit rund 1000 Sportflächen. Der Bestand muss dringend erhöht werden, weil staatliche Hallen und Plätze bis 17 Uhr mit Schulsport und Ganztagsbetreuung belegt sind. Seniorensport und Eltern/Kind-Turnen sind am Abend nicht mehr möglich. „Viele Vereine wollen etwas tun, aber ganz ohne finanzielle Unterstützung schaffen sie das nicht“, sagt Ulrich Lopatta vom Walddörfer SV.