Neustadt

Von Filmstars, stattlichen Eichen und einem missglückten Darlehen

Neustadt. Ein bisschen steckt in ihm noch der Gestus des wohlhabenden Mannes. Einer, der sich einst einen etliche Hektar großen Pferdehof in Niedersachsen mit klangvollem Namen leisten konnte und der über frühere Filmgrößen wie Heidi Brühl und andere Prominente redet, als seien es gute Bekannte. Ein Geschäftsmann, der jetzt vor Gericht sitzt – mit hochgerecktem Kinn, selbstbewusster Miene und einer Stimme wie Donnerhall. Tatsächlich hat es wirklich gute Zeiten für Hermann D. (Name geändert) gegeben. Doch der Justiz ist der 70-Jährige vor allem als jemand bekannt, der im Zusammenhang mit Geldgeschäften als Straftäter verurteilt wird, und das etwa über die Hälfte seines Lebens.

Nun also soll er es wieder getan haben. Betrug lautet die Anklage im Prozess vor dem Amtsgericht gegen den Rentner. Laut Staatsanwaltschaft schloss er im Herbst 2014 einen Darlehensvertrag mit einem Bekannten über 12.500 Euro ab, wohl wissend, dass er wegen eines laufenden Insolvenzverfahrens das Geld nicht in angemessener Zeit würde zurückzahlen können. Auch eine Fällgenehmigung für mehrere stattliche Eichen, die er dem Freund als Sicherheit angeboten habe, war demnach wertlos, weil er über die Bäume längst nicht mehr verfügen durfte, heißt es in der Anklage.

Doch Hermann D. ist empört angesichts dieser Vorwürfe. Er habe seinem Bekannten seinerzeit 2500 Euro Zinsen übergeben, „Cash in die Hand“, verkündet der Angeklagte nun. Sein Anwesen sei vom Insolvenzverwalter mittlerweile „wieder zur Verfügung freigegeben“. Deshalb sei er jetzt auch in der Lage, seine Schulden zu bezahlen. „Innerhalb der nächsten 14 Tage ist das geschehen.“ „Das versprechen Sie seit Monaten“, gibt der Amtsrichter zu bedenken. Doch Hermann D. lässt sich von den Zweifeln nicht aus der Ruhe bringen. „Wenn ich das sage, ist das so“, wischt er den Einwand mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite. „Ich habe meine Schulden meistens bezahlt.“ „Und wieso dann Ihre ganzen Verurteilungen wegen Betruges“, hakt der Richter mit Anspielung auf das üppige Vorstrafenregister des 70-Jährigen nach. Doch auch das tut der Rentner gelassen ab. „Da wird die Strafjustiz missbraucht.“ Und nun erinnert er an bessere Tage, als der Pferdehof in Niedersachsen in den 50er Jahren als prächtige Filmkulisse mit Staraufgebot im Gespräch gewesen sei, dann die Dreharbeiten jedoch an einen Ort am Wasser verlegt wurden. Und er sinniert über die Zeit vor fast einem Vierteljahrhundert, als er das riesige Anwesen erwarb. Schließlich lamentiert Hermann D. über die Last, die er mit den gigantischen Kosten habe. Zeitweise sei er „am Boden zerstört“ gewesen. „Die Telefone waren abgeschaltet, es gab keinen Strom.“ Aber jetzt habe er wieder Einkünfte, auch aus Holzverkauf und Vermietungen. Es gehe bergauf.

Zu den Zeiten, als er sich mit einem Hilferuf an seinen Bekannten wandte, sah es offensichtlich deutlich weniger rosig aus. „Er hatte finanzielle Schwierigkeiten“, erinnert sich der Geldgeber als Zeuge. Sie hätten sich auf ein Darlehen über 12.500 Euro geeinigt, mit üppigen Zinsen. „Ich wusste, er hat kein Geld, deshalb dachte ich, ich kriege das Holz von den Eichen“, erzählt der 48-Jährige. „Später ist aber herausgekommen, dass er mir die Bäume nicht hätte übereignen dürfen“, denn es habe schon andere Gläubiger gegeben. Nur 2500 Euro habe D. zurückgezahlt. „Er sagte immer: ,Du kriegst schon dein Geld. Es wird alles gut.’“

Der Angeklagte habe ein „bewegtes Leben, er war Millionär, aber dann ist sein Lebenswerk den Bach runter gegangen“, fasst der Verteidiger zusammen. Und der 70-Jährige selber versichert erneut, dass der Geschädigte „sein Geld in den nächsten 14 Tagen bekommt“. Schließlich habe er einen Teil seines Gutes verkaufen können.

Der Richter erkennt schließlich auf acht Monate Freiheitsstrafe, die er zur Bewährung aussetzt, „mit Zähneknirschen“, wie er sagt. „Sie waren klamm, und Sie sind klamm.“ Und weil der Angeklagte wusste, dass er keine Sicherheiten für den Kredit hatte, sei das Betrug. „Betrug zieht sich durch die letzten 35 Jahre Ihres Lebens. Sie können gut reden, aber es sind Worthülsen, die Sie hier absondern.“ Der Angeklagte ist ob der Verurteilung ärgerlich. Unter heftigem Protest steht er auf, das Urteil wird noch nicht rechtskräftig, er will es anfechten. Und in seinem Brass offenbart Hermann D. noch andere Pläne. „Ich kenne mich in Hamburg aus wie kein Zweiter. Ich schreibe ein Buch“, kündigt er an und fixiert den Richter: „Sie kommen auch darin vor.“ Der Vorsitzende nimmt’s gelassen.