Hamburg

Kontroverse um Zukunft der Stadtteilschulen

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Peter Ulrich Meyer

Zahl der Fünftklässler mit Gymnasialempfehlungist so niedrig wie nie

Hamburg. Die deutlich gesunkene Zahl von Fünftklässlern mit einer gymnasialen Empfehlung an den Stadtteilschulen hat zu einer scharfen Kon­troverse über die Zukunft der Schulform geführt. „Wir müssen diese Entwicklung stoppen und das Image der Stadtteilschulen verbessern“, sagte Grünen-Schulpolitikerin Stefanie von Berg. „Gymnasien müssen stärker an der Umsetzung der Inklusion und der Beschulung von Flüchtlingen beteiligt werden“, forderte die Grüne.

„Probleme löst man nicht, indem man ihre Wahrnehmung verweigert. Und man stärkt Stadtteilschulen nicht, indem man die Gymnasien schwächt“, konterte Karin Prien (CDU). Die Zahl der gymnasial empfohlenen Schüler ist mit 297 von knapp 6000 Fünftklässlern auf den niedrigsten Wert seit Gründung der Stadtteilschulen vor fünf Jahren gefallen. Ein Drittel der 58 Standorte hat zum laufenden Schuljahr keinen oder nur einen Fünftklässler mit der Perspektive Abitur aufgenommen. Für das kommende Schuljahr sind nur gut 42 Prozent der Viertklässler für eine Stadtteilschule, aber 54 Prozent für ein Gymnasium angemeldet worden – nie war der Abstand größer.

Grünen-Politikerin von Berg warf CDU und FDP vor, für die negativen Trends verantwortlich zu sein: „Jahrelang haben CDU und FDP die Stadtteilschulen als Schulen dargestellt, die ihre Schüler zum ersten oder mittleren Schulabschluss führen sollen – und damit direkt in die Berufsausbildung.“ Es sei „kein Wunder, dass dieses Mantra nun bei vielen Eltern angekommen ist“, die meinten, nur auf dem Gymnasium könnten Kinder das Abitur erlangen.

„Anstatt als Regierungsfraktion Verantwortung für die Situation an den Stadtteilschulen zu übernehmen, versuchen es die Grünen mit absurden Schuldzuweisungen an die Opposition“, sagte Prien. „Die Verantwortung der Opposition zuzuschieben ist nicht nur falsch, sondern geradezu entblößend: Rot-Grün selbst verantwortet dieses Bildungsdesaster“, ergänzte Anna von Treuenfels-Frowein (FDP). Schulsenator Ties Rabe (SPD) lasse den Stadtteilschulen nicht genug Unterstützung zukommen. „Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Das Zwei-Säulen-Modell ist gescheitert“, sagte Sabine Boeddinghaus (Linke).

Rabe hat bereits angekündigt, die Probleme der Stadtteilschulen anzugehen. Es sei unerlässlich, dass sich die Schulform intensiver als bisher mit der Leistungs- und Begabtenförderung beschäftigte. Darin sind sich CDU, Grüne und FDP im Prinzip mit Rabe einig.

Eltern weisen darauf hin, dass die Kriterien für die Anmeldung bisweilen verhindern, dass Stadtteilschulen gymnasial empfohlene Kinder aufnehmen. Entscheidend ist die Wohnortnähe zur Schule. Wenn die Stadtteilschule der Wahl zu weit entfernt ist, wird der Erstwunsch abgelehnt. Viele Eltern entscheiden sich dann für ein Gymnasium. Der Schulversuch, bei dem Schulen selbst Kriterien für die Aufnahme von Schülern festlegen konnten (etwa Leistung), war 2011 beendet worden.

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