Briefe an die Redaktion

Pflegeeltern verklagen die Stadt – das meinen Leser zum Fall „Jule“

1. April: Hamburger Pflegeeltern verklagen die Stadt

Danke für den ausführlich recherchierten Artikel. Anstatt dass die Behörde das bewunderungswürdige Engagement der Pflegeeltern, die sich eines schwer traumatisierten Kindes annehmen, gewissenhaft unterstützt, scheint es sich hier um eine Machtdemonstration einzelner Staatsdiener zu handeln, die das Kindswohl aus den Augen verloren haben. Jules Schicksal spiegelt eine grausame Überheblichkeit seitens einiger Behördenmitarbeiter wider.

Christiane Mielck-Retzdorff

Viele Pflegekinder leiden unter dem fetalen Alkoholsyndrom (FAS), hervorgerufen durch Drogenkonsum der leiblichen Mutter während der Schwangerschaft. Das Jugendamt möchte das nicht wahrhaben, denn dann wird es teurer. Dabei haben die Mitarbeiter keine Ahnung, wie man mit einem FAS-Kind lebt: endlose Geduld, ständige Kontrolle, strenger Tagesablauf, immer wiederholende Anweisungen. Gelerntes wie Duschen, Tischdecken oder wettergerechtes Anziehen wird von einem auf den anderen Tag vergessen. Pflegeeltern Tag und Nacht da sein. Wochenenden kennen wir nicht.

Eine Pflegemutter (Name Red. bekannt)

Meine Gefühle nach der Lektüre: Wut und Fassungslosigkeit über so viel Starrsinn und Willkür seitens des Jugendamts und dessen Mitarbeiter. Ich hoffe sehr, dass die Familie Schuster mit ihrer Klage Erfolg hat.

Martin Wucherpfennig

Ein gesellschaftliches Problem wird auf dem Rücken der Pflegeeltern und Geschädigten ausgetragen. Indem Sie aufklären, können Sie einen wichtigen Beitrag leisten, dass FAS-Geschädigte die ihnen zustehenden Eingliederungshilfen erhalten und nicht mehr sozial ausgegrenzt und stigmatisiert werden.

Christiane Thole