Getöteter 17-Jähriger

Hamburger IS-Kämpfer: „Die schicken die Brüder in den Tod“

Der junge Hamburger, der in der salafistischen Szene als "Bilal" bekannt war

Der junge Hamburger, der in der salafistischen Szene als "Bilal" bekannt war

Foto: Landesamt für Verfassungschutz

In einer dramatischen Audiobotschaft warnte ein 17-jähriger Hamburger vor dem IS. Kurz darauf starb er einen unbekannten Tod.

Hamburg.  Die Stimme in der Audiobotschaft klingt empört und zugleich unendlich resigniert. Sie gehört einem jungen Hamburger, bekannt in der jihadistisch-islamistischen Szene unter dem Namen Bilal. Er reiste im Mai 2015 nach Raqqa (Syrien), um für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu kämpfen. Zwei Monate später starb er. Mit 17 Jahren.

Kurz vor seinem Tod verschickte Bilal die Audio-Botschaft per Internet an seine Glaubensbrüder in Hamburg – als Warnung vor dem IS, der alles verspräche, aber nichts halte, der die eigenen Leute als Kanonenfutter missbrauche. Der Mitschnitt, der in der salafistischen Szene kursiert und den der Hamburger Verfassungsschutz (LfV) jetzt auf seiner Homepage veröffentlicht hat, ist eine Abrechnung mit dem IS – und räumt auf mit der romantisierenden Vorstellung vom brüderlich-heroischen Kampf im Namen Gottes.

Mit 14 Jahren verschlingt er IS-Gewaltvideos

Die Stationen der Radikalisierung, die Bilal durchlaufen hat, sind typisch für die Werdegänge junger europäischer Islamisten. Bilal, dessen Familie vor rund 15 Jahren aus einem zentralafrikanischen Land nach Hamburg ausgewandert ist, spricht fließend deutsch, besucht die Schule, spielt Fußball. Mit 14 Jahren verschlingt er IS-Gewaltvideos und beteiligt sich an Koranverteilungsaktionen.

Mit 17 fühlt er sich bereits reif für die Teilnahme am bewaffneten Jihad, die ihm mit der Aussicht auf eine Frau, ein Haus und ein geregeltes Einkommen in Syrien versüßt wird. So verheißen es ihm seine „salafistischen Freunde“. Doch auch Wochen nach der Ankunft im syrischen Jihadgebiet ist von alldem nichts zu sehen.

„Die schicken die Brüder einfach in den Tod“

In der Botschaft an seine Glaubensbrüder berichtet Bilal, dass die Islamisten ihn und andere Deutsche nicht etwa ins Trainingslager geschickt, sondern im Haus eingesperrt hätten. Er habe dort auch Araber getroffen, die ihm erzählt hätten, sie seien vom Amir (IS-Kommandeur) ohne jeden Plan an die Front geschickt worden mit den Worten: „Ja, kämpft einfach. Geht einfach nach vorne.“ Bilal: „Er (der Amir) schickt die einfach in den Tod. Das ist so, du kannst gleich ‘ne Pistole nehmen und dir in (den) Kopf schießen...Die schicken die Brüder einfach in den Tod.“

Alles sei eine Lüge gewesen, dann reißt die Aufnahme ab. Im Juli stirbt er eines unbekanntes Todes. In der Hamburger Salafisten-Szene wird gemunkelt, der IS selbst habe Bilal umgebracht. „Bilals Audiobotschaft entlarvt die Terroristen und ist eine eindringliche Warnung vor ihren Machenschaften“, sagt LfV-Sprecher Marco Haase.