Verkehr

Wo sich Autos in Hamburg am längsten stauen

| Lesedauer: 5 Minuten
Daniel Herder
Stau auf der
Ludwig-ErhardStraße
– ein
gewohnter Anblick

Stau auf der Ludwig-ErhardStraße – ein gewohnter Anblick

Foto: Roland Magunia / HA

Die Studie eines Navigationsgeräteherstellers besagt, dass ein durchschnittlicher Pendler 109 Stunden pro Jahr verliert.

Hamburg.  Was die Stau-Häufigkeit betrifft, war auch 2015 keine gutes Jahr für die Hamburger Autofahrer. Zu dieser Erkenntnis führt der „Verkehrsindex 2015“ des Navigationsgeräteherstellers TomTom. Demnach fließt der Verkehr bundesweit nur in Stuttgart noch zäher Eine Analyse des Verkehrsdatendienstes Inrix hatte jüngst ergeben, dass Hamburg nach Stuttgart, Köln, Karlsruhe, München und Düsseldorf den sechsten Rang einnimmt (das Abendblatt berichtete).

Für ihren Stau-Index hat die Firma anonymisierte Geschwindigkeitsprofile von TomTom-Nutzern ausgewertet und Phasen, in denen der Verkehr stockt, mit Zeiten verglichen, in denen freie Fahrt herrscht. In Hamburg mit seinem 8460 Kilometer langen Straßennetz wurden 93 Millionen gefahrene Pkw-Kilometer erfasst.

Betroffen sind logischerweise vor allem die Hauptverkehrsadern der Stadt, beispielsweise die Einfallstraßen aus Richtung Süden, die bis zur Alster führen: Sievekingsallee, Bürgerweide, Heidenkampsweg, Wallstraße, Sechslingspforte. Gute Nerven sollte auch haben, wer auf der Achse Ludwig-Erhard-Straße/Willy-Brandt-Straße/ Spaldingstraße unterwegs ist – hier rollen die Autos häufig nur sehr langsam. Auch auf der B 433, im Abschnitt Tarpenbekstraße/Rosenbrook, ist ein Stauschwerpunkt, was laut Untersuchung hauptsächlich mit der Ampelschaltung bei gleichzeitig hohem Verkaufsaufkommen zusammenhängt. Allein auf einem nur 200 Meter langen Abschnitt zwischen Sengelmannstraße und Maienweg verlieren Autofahrer im Schnitt fast 25 Sekunden.

Wer zu den Stoßzeiten pendelt, verliert pro gefahrene Stunde 29 Minuten

Ein Nadelöhr ist auch die Ecke Habichtstraße/Bramfelder Straße, wo der hohe Verkehrsdruck regelmäßig zu enormen Warteschlangen vor den Ampeln führt. Den höchsten Zeitverlust für die Nutzer von Autobahnen hat TomTom auf der A 7 zwischen Othmarschen und Schnelsen-Nord, auf der A 1 zwischen den Ausfahrten Harburg und Moorfleet (jeweils beide Richtungen) ermittelt. Während das Unternehmen das gesamte Straßennetz betrachtet, hat der ADAC für seine eigene Stau-Bilanz nur die Autobahnen und die Fernstraßen auf Hamburger Gebiet unter die Lupe genommen. Ergebnis: 24.000 Kilometer Stau gab es allein auf den Autobahnen im vergangenen Jahr.

Besonders schlimm trifft es Pendler, die sich zu den morgendlichen Stoßzeiten zwischen 8 und 9 Uhr und zur Rushhour zwischen 17 und 18 Uhr durch die Stadt quälen müssen. Am Freitag, wenn viele Arbeitnehmer früher Schluss machen, beginnt der Stau-Stress entsprechend früher schon um 15 Uhr. Wer jeden Tag morgens 30 Minuten zur Arbeit fährt und abends 30 Minuten wieder zurück, braucht in Hamburg insgesamt 29 Minuten länger als für die gleiche Strecke bei freier Fahrt. Auf ein Jahr hochgerechnet beträgt der Zeitverlust bei einem derartigen „Modell-Pendler“ 109 Stunden. Hamburgweit liegt der Stau-Level nach Analyse von TomTom bei 30 Prozent: Fahrer müssen im Tagesdurchschnitt für eine Fahrt, die ohne Vorkommnisse 60 Minuten dauern würde, etwa 18 Minuten zusätzliche Fahrzeit einplanen.

Seit Jahren bemängelt der ADAC Hansa, dass die Stau-Belastung in Hamburg steigt. 3000 Baustellen auf 550 Kilometer Hauptverkehrsstraßen, dazu ein ständiger Verkehrsstrom in die Stadt hinein, weil ein den Verkehr entlastender Autobahnring fehlt; dann noch der enorme Schwerlastverkehr in Richtung Hafen – „dadurch stockt und steht es hier eben häufig“, sagt ADAC-Hansa-Sprecher Christian Hieff.

Abhilfe soll der gerade vorgestellte Bundesverkehrswegeplan schaffen. Die darin genannten Projekte sind für die Experten vom ADAC so etwas wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. „Die Hafenquerspange kommt, der Ausbau der A 20 mit der Elbquerung bei Glückstadt, die Weiterführung der A 21 bis zur A 24, der achtspurige Ausbau der Hochstraße Elbmarsch auf der A 7“, sagt Hieff. Das sei in der Summe schon sehr viel und könne den Hamburger Verkehr beträchtlich entlasten.

Bis die Vorhaben realisiert sind, dauert es aber noch viele Jahre. Um den eigenen Zeitverlust sofort zu reduzieren, müssen Autofahrer schon flexible Arbeitszeiten haben. So rät TomTom-Experte Andreas Erwig, notorische Engstellen zu meiden und die eigenen Pendelgewohnheiten zu ändern. „Müssen Sie wirklich jeden Tag zwischen 8 und 9 Uhr mit dem Strom schwimmen?“ Statt am Freitag zwei Stunden früher Schluss zu machen und wie alle anderen im Stau zu landen, könne man besser am Donnerstag früher gehen. Wichtig: „Informieren Sie sich bereits abends über das Wetter von morgen“, rät Erwig. „Niederschlag verlangsamt den Verkehrsfluss signifikant. Auch Nebel oder eine frühe Dämmerung haben nachweislich großen Einfluss auf den Verkehr.“

Ferienbeginn und Starkregen – da ging auf Hamburg Straßen nichts mehr

Das Wetter ist verkehrstechnisch betrachtet also kein banales Thema, sondern in Kombination mit einem „besonderen Ereignis“ verantwortlich für die „schlimmsten Staus“, sagt Erwig. In Stuttgart etwa brachte am 18. Juni 2015 eine Gemengelage aus strömendem Regen und einem Auftritt von Helene Fischer den Verkehr zum Erliegen. Der schlimmste Stau-Tag für Hamburger war der 16. Oktober. Erwig: „Ferienbeginn in Hamburg, dazu Starkregen – da war hier der Ofen aus.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg