Banken

Sparkassen-Chef: „Kostenloses Konto, das ist vorbei“

Präsident des Sparkassenverbands Georg Fahrenschon erwartet höhere Kontogebühren sowie Strafzinsen für reiche Firmenkunden.

Frankfurt.  Die Kunden deutscher Sparkassen müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. „Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Georg Fahrenschon, am Dienstag in Frankfurt. „Wir werden Leistungen bepreisen müssen – und zwar verursachergerecht.“ Alle Marktteilnehmer müssten angesichts der „falschen Zinspolitik“ der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Ertragsquellen erschließen. Die EZB hatte den Leitzins im Euroraum am vergangenen Donnerstag auf null gesenkt.

Strafzinsen tragen zunehmend gewerbliche Kunden

Strafzinsen, die die EZB für geparkte Gelder von Banken verlangt, wird die Branche nach Fahrenschons Einschätzung zunehmend an gewerbliche Kunden mit hohen Einlagen weiterreichen. Dem könnten sich auch die Sparkassen nicht entziehen. „Entscheidend ist, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um diesen verheerenden Effekt der Niedrigzinspolitik nicht beim privaten Sparer ankommen zu lassen.“ Er betonte zudem: „Der DSGV-Präsident setzt keine Preise fest.“ Das obliege den jeweiligen Instituten.

Im vergangenen Jahr konnten die 413 (Vorjahr: 416) Sparkassen sinkende Zinsüberschüsse durch höhere Provisionsüberschüsse ausgleichen – besonders dank guter Geschäfte mit Wertpapieren. Der Vorsteuergewinn lag mit 4,6 Milliarden Euro um 200 Millionen Euro unter dem Wert von 2014. Unter dem Strich stand erneut ein Überschuss von rund zwei Milliarden Euro.

Zuwächse bei Krediten und Kundeneinlagen

„Es ist aber angesichts der Zinspolitik der EZB klar, dass sich diese guten Ergebnisse in den nächsten Jahren nicht wiederholen werden“, sagte Fahrenschon. Selbstbewusstsein schöpft die Gruppe daraus, dass sie in den vergangenen fünf Jahren 19,4 Milliarden Euro in ihre Vorsorgereserve steckte.

Zuwächse verbuchten die öffentlich-rechtlichen Institute im vergangenen Jahr bei Krediten sowie bei Kundeneinlagen. Kosten senken wollen die Institute beim Personal. 2015 wurden 6427 frei gewordene Stellen nicht wieder besetzt. Die Mitarbeiterzahl der Sparkassen sank auf 233.719. Hier wird sich der Trend nach unten nach DSGV-Einschätzung fortsetzen. Das Filialnetz wurde weiter ausgedünnt: von knapp 14.900 auf 14.451.