Studie

Hamburg ist die Fitnesshochburg Deutschlands

Personaltraining ist gefragt: Unter der Anleitung von Coach Lonneke Boel macht eine junge Frau Übungen auf einem Pezziball

Personaltraining ist gefragt: Unter der Anleitung von Coach Lonneke Boel macht eine junge Frau Übungen auf einem Pezziball

Foto: dpa Picture-Alliance / Tobias Hase / picture alliance / dpa Themendie

Fast jeder Fünfte ist Mitglied in einem der 289 Fitnessstudios in Hamburg. Das ist der höchste Wert für ein Bundesland.

Köln/Hamburg.  Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung ist der Gedanke der Sportstadt Hamburg ein wenig ins Hintertreffen geraten – dabei sind die Bürger der Aktivität durchaus aufgeschlossen. 315.000 Bewohner der Hansestadt sind Mitglied in einem Fitnessstudio. In Relation zur Einwohnerzahl sind es damit 17,5 Prozent. Das ist mit umgerechnet fast jedem Fünften der höchste Wert für ein Bundesland, ergab eine Studie des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV), der Unternehmensberatung Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, die am Montag vorgestellt wurde.

Die Fitnessbranche ist seit Jahren auf Wachstumskurs. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder auf bundesweit 9,5 Millionen zum Stichtag 31.12.2015 verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,2 Prozent. Statistisch hat damit jeder neunte Deutsche (11,6 Prozent) einen Clubausweis. Für die kommenden Jahre erwartet DSSV-Hauptgeschäftsführer Refit Kamberovic weiterhin eine positive Entwicklung: „Dies wird nach unseren Prognosen 2020 dazu führen, dass die Zwölf-Millionen-Mitgliedergrenze überschritten wird.“ Steigen werde vor allem die Anzahl älterer Mitglieder. Mehr als 70 Prozent der neuen Mitglieder unterschreiben dabei einen Vertrag für 24 Monate. Hintergrund ist die Preisgestaltung vieler Studios, die bei längeren Vertragslaufzeiten in der Regel günstigere Preise anbieten.

Nur knapp jeder dritte Kunde geht regelmäßig zum Training

Zurzeit trainieren die Sportler hierzulande in 8332 Anlagen, einer Steigerung von 3,8 Prozent. Die Studios meldeten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,83 Milliarden Euro, damit fuhren sie ein Plus von 2,7 Prozent ein. Immer wichtiger wird das Zusatzgeschäft. Mit Gastronomie, Shopverkauf, Massagen oder Personaltraining nahmen die Studios knapp 550 Millionen Euro zusätzlich ein. Bei vielen Steigerungen gab es aber auch einen bedeutenden Rückgang. Mit 206.000 Mitarbeitern beschäftigt die Branche etwas weniger Mitarbeiter als im Vorjahr.

In Hamburg im Trend liegen Special-Interest-Studios. Rund 30 Prozent der Anbieter werden in diese Kategorie eingestuft. Nur in Berlin liegt dieser Anteil mit 34 Prozent signifikant höher. Diese Studios zeichnen sich durch eine Fläche kleiner als 200 Quadratmetern aus und durch ein spezialisiertes Angebot. So wird beispielsweise nur ein Personaltraining angeboten, nur Gewichte stemmen oder ein Zirkeltraining. Der Anteil der Ketten wie McFit oder Cleverfit liegt bei einem Fünftel. Die Einzelanlagen machen knapp die Hälfte der 289 Studios in Hamburg aus.

Was angesichts von fast neuneinhalb Millionen Mitgliedern in Fitnessstudios auf dem Papier nach einer sportlichen Republik aussieht, entpuppt sich in der Realität laut Experten allerdings als Scheinwelt. „Leider sind und bleiben wohl zwei Drittel der Deutschen inaktiv und bewegungsarm“, sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Und das ziehe sich laut Studien durch alle Schichten. Daran ändere auch die steigende Zahl der Fitness-Verträge nichts. Nur knapp jeder dritte Kunde der Studios gehe nämlich nach Froböses Einschätzung regelmäßig zum Training. „Und so sind und bleiben wir eine bewegungsfaule Nation – und es wird eher schlimmer“, klagt Froböse.

Im Trend seien Spezialangebote

Wer einen Vertrag unterschreibe, komme auch zum Training, sagt hingegen Kamberovic. In den ersten acht Wochen sei die Trainingsintensität am höchsten. Eine Minderheit von etwa 15 bis 20 Prozent der Kunden zähle dann zu den besonders aktiven Nutzern mit mehr als vier Besuchen pro Woche. Zum Wochenstart am Montag und Dienstag seien die Studios am besten besucht. Zur Zahl der inaktiven Mitglieder sagte Kamberovic nichts.

Gute Wachstumschancen hätten derzeit vor allem Discount- und auf der anderen Seite Premiumanbieter, sagt Karsten Hollasch von Deloitte. Im Trend seien auch Spezialangebote für bestimmte Zielgruppen oder digitale Fitnessprogramme. Die große Mehrheit der Kunden (67 Prozent) zahle dabei monatliche Beiträge zwischen 26 Euro und 66 Euro. Wer sich vom Sportmuffel zum aktiven Sportler wandeln wolle, dem rät Froböse vor allem eins: Er soll neben ganz viel Bewegung im Alltag eine Kombination aus Ausdauer- und Muskeltraining regelmäßig in seinen Tagesablauf einplanen.