Münzviertel

Kollektives Zentrum erhält horrende Stromrechnung

Das "Kollektive Zentrum" (KoZe) wehrt sich gegen extrem hohe Stromrechnung

Das "Kollektive Zentrum" (KoZe) wehrt sich gegen extrem hohe Stromrechnung

Foto: dpa / Picture-Alliance / Bodo Marks

Ein Mieter des Kollektiven Zentrums soll fünfstelligen Betrag bezahlen. Das KoZe fühlt sich schikaniert. Vattenfall nimmt Stellung.

Hamburg.  Eine Stromrechnung eines Mieters des Kollektiven Zentrum (KoZe) im Münzviertel sorgt für neuen Ärger. 30.000 Euro fordert der Energieversorger Vattenfall vom Stadtteilverein Kunstlabor naher Gegenden(KuNaGe), der die ehemalige Kita am Schultzweg offiziell für das links-alternative Zentrum mietet.

Das KoZe sieht hinter dieser Rechnung eine neue Strategie des Landesbetriebs für Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), „um das KoZe und den Stadtteilverein einzuschüchtern“. Denn: Die Summe, die sich auf den Zeitraum von März bis August 2015 bezieht, sei „wirklich utopisch“, so ein Aktivist aus dem Zentrum. Intern veranschlage man etwa 200 Euro monatlich für den Stromverbrauch. Angesichts der Stromrechnung drohe dem KuNaGe die Insolvenz.

Finanzbehörde ist nicht zuständig

Die Finanzbehörde, der der LIG zugeordnet ist, sieht sich als nicht zuständig. „Der Verein hat jegliche Verbrauchskosten selbst zu tragen“, sagt Behördensprecher Daniel Stricker. Er sieht die Verantwortung für die Stromrechnung beim KoZe.

„Wie die Rechnung zustande gekommen ist, weiß ich nicht“, sagt Stricker. Aber es sei im Interesse der Stadt, dass Mieter ihre Rechnungen bezahlten. Angesprochen auf die Arbeit des Stadtteilvereins, die einer drohenden Insolvenz anheimfiele, sagt Stricker: „„Es ist uns ziemlich egal, was der Verein macht“. Die Nebenkostenpauschale von monatlich ein Euro pro Quadratmeter, die Teil des Vertrages zwischen LIG und dem KuNaGe ist, gelte nicht für sogenannte Verbrauchsnebenkosten, also Strom, Wasser und Heizung. „Das wäre ja noch schöner“, so Stricker.

Stromzähler wurde erst im Juni eingebaut

Das KoZe hingegen ist der Auffassung, dass die Stromkosten unter die Nebenkostenpauschale fallen. Ohnehin sei das KoZe bis zur Begehung durch Vertreter der Stadt im Juni 2015 über den Gesamtkomplex der anliegenden Gehörlosenschule versorgt worden. Eine verbrauchsabhängige Abrechnung sei daher zum fraglichen Zeitpunkt technisch gar nicht möglich gewesen.

Zudem will man auf Nachfrage bei Vattenfall erfahren haben, dass der Stromanbieter gar nicht wisse, wo sich die betreffenden Stromzähler befinden. Laut den Aktivisten jedenfalls nicht im KoZe. Dort sei erst im Juni ein neuer Stromzähler samt neuer Leitung eingebaut worden. Daraufhin „haben wir bereits mit Vattenfall einen Stromvertrag geschlossen und zahlen selbstverständlich den Strom, den wir verbrauchen und der durch den neu eingebauten Zähler gemessen wird“, heißt es beim Stadtteilverein und dem Kulturellen Zentrum.

Vattenfall räumt Fehler ein

Inzwischen hat sich der Stromanbieter Vattenfall am Donnerstag zu dem Fall geäußert. Man habe sich bei der Rechnung vertan, sagte ein Vattenfall-Sprecher und räumte ein: „Der Zähler ist falsch abgelesen worden.“

Die Aktivisten des Kollektiven Zentrums halten das Gebäude auf dem Areal der ehemaligen Gehörlosenschule am Schultzweg seit geraumer Zeit besetzt. Um eine Eskalation zu vermeiden, dulden der Investor HBK und die Finanzbehörde die Besetzer. Der Verein Kunstlabor naher Gegenden hatte einen Mietvertrag über 70 Quadratmeter in dem Gebäude erhalten. Die Aktivisten nutzen inzwischen illegal die gesamte Immobilie. Auf dem Grundstück sollen bis 2018 etwa 400 Wohnungen gebaut werden. Dafür wurden bis auf ein denkmalgeschützes Objekt und die Kita mittlerweile alle Gebäude auf dem Areal abgerissen. Die Kita soll bis Ende 2016 ebenfalls abgerissen werden. Der Baubeginn ist voraussichtlich für Frühjahr 2017 geplant.