Fukushima-Jahrestag

Jens Kerstan: „AKW-Konzerne müssen Rückbau bezahlen“

Hamburgs Umweltsenator fordert Energiekonzerne zum Handeln auf. Kundgebung im Hamburger Hafen zum 5. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hat die Energiekonzerne anlässlich des fünften Jahrestags der Fukushima-Katastrophe am Freitag dazu aufgefordert, die Kosten für den Rückbau der Reaktoren und die Lagerung des Atommülls selbst zu tragen. „Die Nutzung der Atomkraft zur Stromerzeugung war ein falscher Weg. Atomstrom war nie billig: Einen Großteil der Kosten haben die Steuerzahler über Subventionen getragen, noch offen ist die Finanzierung für den Rückbau und für die Endlagerung des Atommülls. Beim derzeitigen Ringen um eine Lösung geht es um Dutzende von Milliarden Euro“, so Kerstan. „Ich warne davor, dass die Atomkonzerne diese Kosten jetzt auf die Allgemeinheit abwälzen und sich aus der Verantwortung stehlen.“

Weil einige Unternehmen die Energiewende verpasst hätten, verlören ihre Aktien an Wert, so Kerstan. „Eine Kostenbeteiligung am Atomausstieg darf es deshalb nicht in Form von immer wertloseren Anteilsscheinen oder alten Anlagen geben, sondern in Bargeld oder echten Sicherheiten. Eine Bank würde als Sicherheit für einen Immobilienkredit auch keinen baufälligen Wellblechschuppen akzeptieren.“ Spielräume für eine Einigung gebe es „allenfalls bei der Teilung der Endlagerkosten, nicht aber bei der finanziellen Verantwortung für den Kraftwerksrückbau“, so der Senator. „Diesen müssen die Unternehmen, die jahrzehntelang Traumrenditen erzielt haben, alleine schultern.“

Kerstan trifft Japans Ex-Premierminister

Japans früherer Premierminister Naoto Kan, Regierungschef während der Reaktorkatastrophe, besucht am 23. März im Rahmen der Literaturveranstaltung „Lesen ohne Atomstrom“ Hamburg und will laut Umweltbehörde auch Kerstan treffen und sich über die Energiewende und über Wege aus der Atomkraft informieren.

Anlässlich des Fukushima-Jahrestags wird es am Freitag im Hamburger Hafen eine Kundgebung gegen Urantransporte geben. Unter dem Motto “Fukushima mahnt – alle Atomanlagen stilllegen – Atomtransporte durch Hamburg stoppen” treffen sich Aktivisten ab 16 Uhr vor den Toren der Firma C. Steinweg zwischen den Straßen „Am Saalehafen” und „ Veddeler Damm”.

Protest gegen Uranerzkonzentrat-Zug

Anti-Atomgruppen und Einzelaktivisten wollen zudem den Uranerzkonzentrat-Zug von Hamburg nach Narbonne-Malvési in Südfrankreich mit Protestaktionen begleiten. Uranerzkonzentrat sei der Ausgangsstoff zur Herstellung von atomaren Brennelementen oder Atombomben, begründen die Aktivisten ihre Aktion. "Am Tag X , dem eigentlichen Transporttag, folgen bei der Abfahrt des Uranzuges weitere Kundgebungen am Kamerunweg, nahe an der Einfahrt zum Gelände der Firma C. Steinweg", kündigen die Atomtransportgeger an.