Asyl

Wie Lehrer in Hamburg fit werden für Flüchtlinge

Fabian und Merdan lernen in der Grundschule
Molkenbuhrstraße Deutsch

Fabian und Merdan lernen in der Grundschule Molkenbuhrstraße Deutsch

Foto: Michael Rauhe / HA

Deutsch als Zweitsprache: Pädagogen lassen sich im 30-stündigen Kursus für Unterricht fortbilden. Kurse sind gut gefüllt,

Hamburg.  Für Lehrer war Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lange Zeit kein Thema. Mittlerweile sind die entsprechenden Kurse am Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung gut gefüllt, weil die dort zu erwerbenden Fähigkeiten bei der Beschulung von Flüchtlingskindern dringend gebraucht werden. Dabei ist nicht nur die Nachfrage bei jenen Lehrkräften hoch, die bereits Kindern in Basis- und Vorbereitungsklassen Deutsch beibringen. Ein großer Teil der zusätzlichen Nachfrage kommt von Lehrern, die davon ausgehen, dass sie später Flüchtlingskinder unterrichten werden.

Wie sehr sind Lehrer nach einer 30-stündigen Fortbildung für den Unterricht von Flüchtlingen gerüstet? „Dafür ist der Rahmen zu knapp bemessen“, sagt Marita Müller-Krätzschmar vom Landesinstitut. Dort biete man jedoch „vertiefende Seminare“ an, in denen sich Lehrer für den Umgang mit Flüchtlingen und Migrationshintergründen im Unterricht weiterbilden können. Auch diese würden stark nachgefragt, die Teilnehmerzahlen seien aber auf 25 bis 30 Lehrer begrenzt.

Zweifel, ob eine einzige Fortbildung ausreicht, um Lehrer für den Umgang mit Flüchtlingskindern vorzubereiten, äußert auch Ingrid Gogolin. Die Professorin forscht und lehrt an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg. Laut Gogolin können DaZ-Fortbildungen „nur aller- erste Einblicke“ geben. Lehrer müssten fortlaufend für den Umgang mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden im Unterricht qualifiziert werden und regelmäßig in die Fortbildungen „zurückgeholt“ werden.

Hamburg ist bei Deutsch als Zweitsprache bundesweit Spitze

An der Fakultät für Erziehungswissenschaft werden derweil zukünftige Lehrergenerationen an die Thematik herangeführt. Unter dem Überbegriff sprachliche und kulturelle Heterogenität lernen Lehramtsstudenten das In­­­strumentarium, um mit Migrationsgeschichten, Mehrsprachigkeit und kulturellen Unterschieden im Unterricht umzugehen. Laut Professorin Gogolin ist das Angebot dazu an der Uni Hamburg „bundesweit Spitze“. Einen Forschungsschwerpunkt zum Thema gebe es in Hamburg schon seit mehr als 20 Jahren. Trotzdem hänge vieles von den Studenten ab. „Verpflichtend ist nur ein Leistungspunkt im Master. Das sind 30 Arbeitsstunden“.

Während die meisten Lehramtsstudenten noch weit vom Schulalltag entfernt sind, sind ihm die Referendare am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung schon nähergekommen. Im 18-monatigen Vorbereitungsdienst werden sie vom Team um Ausbildungsleiterin Gabriele Kandzora für die Hamburger Schulen fit gemacht. Der Umgang mit sprachlichen, kulturellen und sozialen Unterschieden ist dabei „integraler Bestandteil“ und ein „grundlegendes Merkmal unserer Ausbildung“, so Kandzora.

Weil Flüchtlingsklassen eine besondere Herausforderung sind, sind laut Kandzora andere Qualifikationen gefragt, wenn Lehrer Flüchtlinge unterrichten. Besondere Sensibilität und Differenziertheit und auch non-verbale Kommunikation seien wichtige Bausteine, um Flüchtlingskinder auf „lebenspraktische Fragen“ im Hamburger Alltag vorzubereiten.
Bestehende Angebote werden am Landesinstitut derzeit ausgebaut. Kandzora sagt, es sei mittelfristig das Ziel, „möglichst alle Referendare mit Qualifizierungen in Deutsch als Zweitsprache zu bedienen“.