Konferenz in Hamburg

Flüchtlinge diskutieren über mehr Vernetzung untereinander

Besucher verfolgen in Hamburg in der Kampnagel-Kulturfabrik einen Workshop der Konferenz „International Conference of Refugees and Migrants“. Bis zum 28.02.2016 findet die von Flüchtlingen selbst organisierte Konferenz statt, zu der 1600 Teilnehmer aus ganz Europa angemeldet sind.

Besucher verfolgen in Hamburg in der Kampnagel-Kulturfabrik einen Workshop der Konferenz „International Conference of Refugees and Migrants“. Bis zum 28.02.2016 findet die von Flüchtlingen selbst organisierte Konferenz statt, zu der 1600 Teilnehmer aus ganz Europa angemeldet sind.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

In kämpferischen Worten sprechen Asylsuchende und Unterstützer auf einer internationalen Flüchtlingskonferenz über ihre Situation.

Hamburg.  „Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder zerstört!“, heißt es auf einem Transparent der „Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen“ im Foyer der dicht bevölkerten Hamburger Kampnagelfabrik. „Kein Mensch ist illegal“ besagt ein Poster in der Speisehalle, wo an langen Tischen und im Stehen Couscous und Salat verzehrt werden. Starke, kämpferische Worte sind immer wieder zu sehen und zu hören an diesem Sonnabend auf der internationalen Flüchtlingskonferenz. Mehr als 2000 Schutzsuchende und Unterstützer haben sich zu der dreitätigen Veranstaltung angemeldet.

Am Ende solle eine Resolution stehen, wie die Situation der Flüchtlinge verbessert werden könne, sagt Abimbola Odugbesan von der Hamburger Flüchtlingsgruppe Lampedusa. Es gebe viele Diskussionen über Flüchtlinge, diese selbst seien aber bisher kein Teil davon gewesen. „Das wollen wir jetzt ändern.“

Wenn die Asylsuchenden in Hamburg das Wort ergreifen – etwa auf Podiumsdiskussionen oder einem der 30 Workshops -, dann scheint „Vernetzung“ der Schlüsselbegriff zu sein. So ruft der Aktivist Patrick Konde von „CISPM“ Italien, einer Vereinigung von Migranten ohne Papiere, Asylsuchende aller Herkunftsländer dazu auf, sich zusammenzuschließen.

Kampf für Bewegungsfreiheit und Rechte

„Wir müssen gemeinsam kämpfen - für die Rechte und die Bewegungsfreiheit von Flüchtlingen in Europa“, erklärt der 42-Jährige vor 300 Zuhörern einer Diskussionsrunde. Konde stellt auch das Projekt „AlarmPhone“ vor, mit dem Mittelmeerflüchtlinge im Notfall über Handy um Hilfe rufen können. Mehr als 5000 Anrufe habe es seit Oktober 2014 gegeben, mit 60.000 Menschen sei man dabei in Kontakt gekommen, sagt er.

Nicht die gewünschte Zusammenkunft schafft am Nachmittag dagegen die Belgierin Afra Dekie: In ihrem Workshop wollte sie mit Flüchtlingen ohne Papiere eigentlich über deren Kampf um Anerkennung und Zugehörigkeit sprechen. Stattdessen kommen wenige jugendliche Interessierte vermutlich ohne Migrationshintergrund.

Helfer fordern mehr Solidarität

Auch Roma sind auf der Konferenz vertreten. „Jetzt sind die Roma von Abschiebung betroffen. Wir haben keine Kraft. Die Roma sind nur krank – das müssen sie sein. Sie wohnen im Müll, haben keine Krankenversicherung“, klagt ein Mann mittleren Alters vor vielen hundert Besuchern einer Podiumsdiskussion. Im Anschluss betont ein junger Mann namens Adam, der aus Berlin angereist ist: „Wir müssen sichtbar sein. Sonst schert sich keiner um uns.“ Spontanapplaus erhält er für seinen Satz „Wir agieren zusammen – in Zukunft.“ Er fügt hinzu: „Widerstand ist wichtig. Wir müssen kämpfen.“

Rückhalt bekommen die kämpferisch auftretenden Asylsuchenden schon mal von ihren Helfern. „Mir ist das Wichtigste, dass diese internationale Konferenz zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem ich mich für die europäische Flüchtlingspolitik schämen muss“, sagt Beate Gleiser, Unterstützerin der örtlichen „Lampedusa“-Gruppe. Ihr Wunsch an die Politik? „Mehr Solidarität“, sagt die 66-jährige Hamburgerin.

Noch bis Sonntag sollen die Gründe der Flucht, die verschärfte Asylgesetzgebung, die Lage an den europäischen Grenzen und die politische Selbstorganisation der Schutzsuchenden diskutiert werden.