st. Georg

Mit Pappkartons gegen Hamburger Rüstungsexporte

2700 Unterschriften für einen zivilen Hafen übergeben. Demonstration in der City

st. Georg. Es war ein stiller Protestzug im Schneeregen, der nur gelegentlich von Lautsprecheransagen und Slogans begleitet wurde: Rund 200 Demonstranten zogen mit exakt 101 Pappkartons vom Hauptbahnhof zum Rathaus. Damit protestierten die Akteure von mehreren Basis- und Friedensinitiativen mit dem früheren Hauptpastor Christoph Störmer und dem Bundestagsabgeordneten Jan van Aken (Linke) an der Spitze gegen die Rüstungsexporte über den Hamburger Hafen. „Grenzen öffnen für Flüchtlinge – Grenzen schließen für Waffen“ lautete ein Slogan.

Die 101 Kartons sollten die Anzahl der monatlich über den Hamburger Hafen exportierten Container mit Waffen und Munition symbolisieren. Sie waren vom Ammersbeker Bildhauer Axel Richter künstlerisch gestaltet worden.

Im Namen der Demonstranten rief Christoph Störmer Senat und Bürgerschaft dazu auf, die Rüstungsexporte über den Hafen endlich transparent zu machen und sich am Leitbild eines zivilen Hafens zu orientieren. „Wir sind Verfassungspatrioten“, sagte er und verwies auf die Präambel der Hamburger Verfassung. Darin verpflichtet sich die Hansestadt, im „Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt zu sein“. Als Zeichen des Protestes übergab Störmer am Portal des Rathauses eine Petition mit 2700 Unterschriften an Vertreter von Bürgerschaft und Senat.

Zeitgleich fand auch in Berlin eine Demonstration gegen die Rüstungsexporte statt. Deutschland sei der weltweit größte Rüstungsexporteur, hieß es. Der Hamburger Hafen gilt als Drehscheibe. Das Abendblatt hatte kürzlich berichtet, dass im Hafen im vergangenen Jahr Kriegswaffen im Wert von insgesamt 360 Millionen Euro umgeschlagen wurden. Das sind 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu gehörten unter anderem Flugabwehrpanzer, U-Boote, Gewehre, Pistolen und militärische Ersatzteile. (esh)