Rathausmarkt

Weindorf-Absage: Bürgermeister Scholz soll Streit schlichten

Jeden Sommer kamen Tausende Hamburger auf den Rathausmarkt, um Wein zu trinken

Jeden Sommer kamen Tausende Hamburger auf den Rathausmarkt, um Wein zu trinken

Foto: Imago

FDF und Fischmarkt-Veranstalter fordern Einschreiten des Hamburger Bürgermeisters. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht.

Hamburg. Nach der Absage für das Stuttgarter Weindorf in Hamburg ist die Zukunft des Fischmarktes in Schwaben, der norddeutschen Gegenveranstaltung, weiter unklar. Der Fischmarkt sollte eigentlich vom 7. bis zum 17. Juli auf dem Karlsplatz stattfinden. Doch auch dort will man nun prüfen, ob und in welcher Höhe Hamburg künftig für die Ausrichtung des Fischmarktes zahlen muss. Das teilte ein Sprecher der Stadt Stuttgart am Donnerstag mit. Der Erste Bürgermeister Michael Föll habe dem Veranstalter, der WAGS Hamburg Events, zugesagt, bis Mitte März ein konkretes Angebot für die Nutzung des Karlsplatzes zu unterbreiten.

Würden Sie es bedauern, wenn das Stuttgarter Weindorf nie mehr nach Hamburg kommt?

Zum Hintergrund: Die Platzmiete ergab sich bisher aus der Verrechnung der beiden Veranstaltungen. Das Stuttgarter Weindorf und der Hamburger Fischmarkt durften seit einer Vereinbarung von 1988 jeweils elf Tage kostenfrei ausgerichtet werden. Da das Stuttgarter Weindorf in Hamburg aber einige Tage länger dauert, wurden für diese Tage Gebühren fällig. Dass Hamburg in diesem Jahr erstmals eine Sondernutzungsgebühr für alle Tage in Rechnung gestellt hat – von 46.000 auf 125.000 Euro –, führte zum Streit und in der Folge zur Absage des Stuttgarter Weindorfes.

Fischmarkt-Veranstalter hoffen auf Kompromiss

Mit Entsetzen reagierte die WAGS Hamburg Events auf die Absage, die den Hamburger Fischmarkt in Stuttgart bisher ausrichtet. „Die gelebte Städtepartnerschaft, die auf diesen beiden Veranstaltungen beruht, hat eine hohe Bedeutung“, so Geschäftsführer Wilfried Thal. „Wir stehen komplett an der Seite unserer Kollegen und Freunde von Pro Stuttgart e.V.“.

Kommentar: Weindorf-Ärger war vermeidbar

Der Schaden, den diese Absage mit sich bringe, sei größer als im ersten Moment vermutet. Er wünsche sich nun, dass alle nochmal an einem Tisch zusammenkommen, um über einen Kompromiss zu Realisierungsbedingungen zu sprechen – am besten im Beisein von Bürgermeister Olaf Scholz.

Rathausmarkt noch nicht anderweitig gebucht

Welche Bedingungen das sein könnten, ist jedoch fraglich. Politik und Behörde hatten am Mittwoch klargestellt, dass man zwar gesprächsbereit, eine Befreiung von den Gebühren allerdings ausgeschlossen sei. Einziger Lichtblick: Wie eine Sprecherin des Bezirksamtes Mitte am Donnerstag mitteilte, sei der Rathausmarkt in der ursprünglich für das Stuttgarter Weindorf geplanten Zeit noch nicht anderweitig verplant oder gebucht.

Auch die FDP-Fraktion plädiert dafür, dass sich in dem Weindorf-Streit nun Bürgermeister Scholz einschaltet. „Olaf Scholz ist aufgefordert, selbst einzugreifen und die Wogen zu glätten“, fordert Michael Kruse, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Der Bürgermeister habe sich noch im vergangenen Jahr für die langjährige Partnerschaft feiern lassen. Kruse: „Jetzt muss er zeigen, dass diese Partnerschaft für ihn auch einen Wert hat.“

Andy Grote, bis Mitte Februar 2016 als Mitte-Bezirkschef Ansprechpartner für die Weindorf-Veranstalter, war bislang für ein Stellungnahme nicht zu erreichen.