Ausblick

Hamburger Kupferkonzern Aurubis erwartet Gewinneinbruch

Der künftige Aurubis-Chef
Jürgen
Schachler bei der Hauptversammlung
des Kupferherstellers

Der künftige Aurubis-Chef Jürgen Schachler bei der Hauptversammlung des Kupferherstellers

Foto: Michael Rauhe

Vergütung des Aufsichtsratschefs steigt deutlich. Künftiger Vorstandschef des Unternehmens deutet Expansionskurs an.

Hamburg.  Im Geschäftsjahr 2014/15 hatte der Hamburger Kupferkonzern Aurubis einen Rekordgewinn erwirtschaftet: knapp 350 Millionen Euro. Dass das Unternehmen im Jahr seines 150. Bestehens nicht erneut so üppig verdienen wird, hatte der Finanzvorstand und Interimsvorstandssprecher Erwin Faust bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Herbst allerdings auch schon deutlich gemacht. Man erwarte einen „deutlichen Gewinnrückgang“ und ein weiterhin gutes Ergebnis, lautet seitdem die gängige Formulierung beim Ausblick auf das aktuelle und seit dem 1. Oktober 2015 laufende Geschäftsjahr.

Der Konzern verwendete sie vor gut zwei Wochen im Bericht über ein schwaches erstes Quartal, in dem der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern um 16 Prozent auf 41 Millionen Euro sank. Und Vorstandssprecher Faust wählte sie auch während der Hauptversammlung am Dienstag im CCH. Zahlen nannte er nicht – zum Unmut einiger Aktionärsvertreter. Das sei eine „Nicht-Prognose“ monierten Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). Sie verlangten eine konkretere Aussage. Die fast 1400 Aktionäre im Saal bekamen danach zwar auch keine genauere Gewinnprognose, aber zumindest eine Vorstellung, wie stark er zurückgehen dürfte: um mindestens elf Prozent, also um mindestens fast 40 Millionen Euro.

Der Unternehmensgewinn sei von vielen externen Faktoren abhängig, die Aurubis gar nicht beeinflussen könne, sagte Faust. Deshalb sei eine Prognose so schwierig. Die Formulierung „deutlicher Gewinnrückgang“ sei aber vom Konzern definiert als Rückgang um „mindestens elf Prozent – oder größer“.

Die Kupferhütte in Bulgarien wird modernisiert und steht 50 Tage still

Ein Teil des Gewinnrückgangs ist sogar geplant. Im April und Mai wird die Aurubis-Kupferhütte im bulgarischen Pirdop für 50 Tage stillgelegt, um sie zu modernisieren. Allein der Produktionsstillstand für die 44-Millionen-Euro-Investition wird den Gewinn um 25 Millionen Euro schmälern, erwartet die Unternehmensführung. Zudem wird weltweit eine niedrigere Kupfernachfrage erwartet. Auch deshalb wird der Gewinn sinken.

Vom zurückliegenden Rekordjahr profitieren derweil noch die Aktionäre. Die Hauptversammlung beschloss 1,35 Euro Dividende pro Aktie. Im Vorjahr hatte sie bei einem Euro gelegen.

Von der Hauptversammlung beschlossen wurde auch eine neue Vergütungsordnung für die Mitglieder des Aufsichtsrats. Der bisherige variable und vom Unternehmenserfolg abhängige Teil der Vergütung soll abgeschafft, die feste Vergütung zugleich angehoben werden. Für Aufsichtsratschef Jörg Fuhrmann, den Vorstandsvorsitzenden des mit 25 Prozent größten Aurubis-Aktionärs Salzgitter AG, bedeutet das nach Berechnungen der DSW einen Anstieg um 75 Prozent von 160.000 auf etwa 280.000 Euro pro Jahr. Sie verlangte „mehr Augenmaß“. Fuhrmann selbst widersprach der Berechnung nicht, sagte aber: „Im Quervergleich mit anderen Unternehmen relativiert sich einiges.“

Einen ersten Eindruck bekamen die Anteilseigner vom künftigen Aurubis-Vorstandssprecher. Jürgen Schachler, 61, der den Posten am 1. Juli übernehmen wird, stellte sich in der Hauptversammlung mit Worten vor, die als Ankündigung eines Expansionsprogramms verstanden werden können. Hamburg sei zwar seit 150 Jahren die Basis von Aurubis, doch strebe das Unternehmen schon seit längerer Zeit in die Welt hinaus, sagte der Manager, der vom Stahlhersteller ArcelorMittal zum Kupferkonzern kommt. „Und dieses Hinausstreben in die Welt bedarf sicherlich einiger Veränderungen in den Charakteren“, sagte Schachler. Tatsächlich prüft Aurubis den Zukauf weiterer Kupferhütten in Asien oder Südamerika. Doch Noch-Chef Faust betonte: „Kein Projekt ist so fortgeschritten, dass wir darüber berichten könnten.“