Bildung

Lehrerausbildung in Hamburg wird reformiert

SPD-Bildungs­senator Ties Rabe will die Lehrerausbildung in Hamburg reformieren

SPD-Bildungs­senator Ties Rabe will die Lehrerausbildung in Hamburg reformieren

Foto: Andreas Laible / HA

Der rot-grüne Senat richtet eine Expertengruppe ein. Bis zum Sommer 2017 sollen Ergebnisse vorliegen. Lehreramtsstudium wird verändert.

Hamburg.  Der rot-grüne Senat will die Lehrerausbildung reformieren und an die bundesweite Entwicklung anpassen. Nur in Hamburg werden Nachwuchspädagogen an der Universität noch im Fach „Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen“ (GHR) ausgebildet, obwohl es Haupt- und Realschulen gar nicht mehr gibt. Künftig soll es zwei getrennte Studiengänge geben: für Grundschulen und für die seit 2010 entstandenen Stadtteilschulen. „Wir wollen die angehenden Lehrkräfte künftig in eigenständigen und passgenauen Studiengängen besser auf ihre unterschiedlichen Aufgaben vorbereiten“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag.

Rabe plädiert für eine ausgewogene Ausbildung des Nachwuchses

Nach Ansicht des SPD-Politikers wurde die Bedeutung der fachlichen Qualifikation bei Grundschullehrern lange übersehen. Neuere Studien hätten gezeigt, dass es nicht zuletzt darauf ankomme, dass sich ein Lehrer im Stoff des Fachs gut auskenne und die Inhalte altersangemessen vermitteln könne. Wer später an einer Stadtteilschule unterrichten will, soll sich bereits im Studium mit der sehr unterschiedlichen Schülerschaft, von der nur ein kleinerer Teil das Abitur ablegt, an dieser Schulform auseinandersetzen. Besonders an Stadtteilschulen arbeiten Lehrer mit Sozial- und Sonderpädagogen zusammen. Diese Teamarbeit soll bereits im Studium gelehrt werden.

Ties Rabe plädiert für eine ausgewogene Ausbildung des Nachwuchses. „Man darf Pädagogik und Fachlichkeit nicht gegeneinander ausspielen“, so der Senator. „Wir erhoffen uns von der Reform auch einen Impuls für besseren Unterricht.“

Zur Abgrenzungen und Gehalt gibt es einige offenen Fragen

Es gibt allerdings einige ungelöste Probleme. Ein Thema ist, wie die Abgrenzung zwischen dem Lehramt an Stadtteilschulen und Gymnasien funktionieren kann, da an beiden Schulformen in Hamburg das Abitur angeboten wird und mithin Lehrer auch für die Sekundarstufe II ausgebildet sein müssen. „Ich bin da offen und will den Experten nicht vorgreifen“, sagte Rabe. Er gehe aber davon aus, dass es auch in Zukunft ausgebildete Gymnasiallehrer an Stadtteilschulen geben werde.

Offen ist auch die Frage, mit welchem Einstiegsgehalt Stadtteilschullehrer künftig starten werden. Bislang werden GHR-Lehrer anfangs nach A 12 besoldet, Gymnasiallehrer nach A 13. Eine Expertengruppe der Schul- und Wissenschaftsbehörde mit Unterstützung der Universität und externer Wissenschaftler soll in den nächsten eineinhalb Jahren konkrete Vorschläge zur Reform der Lehrerausbildung erarbeiten. Nach Diskussion in der Bürgerschaft gilt ein Start der Reform frühestens 2018 als wahrscheinlich.

„Es ist ein richtiger Ansatz, getrennte Lehramtsstudiengänge für die Grundschule und die Stadtteilschule einzurichten“, sagte CDU-Schulpolitikerin Karin Prien. Aber auch die anderen Lehrämter (Gymnasien, Berufs- und Sonderschulen) müssten weiterentwickelt werden. Anna von Treuenfels-Frowein (FDP) hält einen eigenen Ausbildungsgang Stadtteilschule für falsch, weil es die Schulform nur in Hamburg gibt. Die Liberale erneuerte ihren Vorschlag, für Lehramtskandidaten einen Eignungstest nach dem Passauer Modell einzuführen. „Für die beste Bildung brauchen wir die besten Lehrer“, so die FDP-Politikerin.