Hamburg

Papa darf nicht peinlich sein

Der erste Hinweis kommt in der Regel 24 Stunden vor dem Termin. „Morgen“, hebt unsere Tochter, zehn, dann an, „besucht mich zum ersten Mal meine neue Schulfreundin.“ Die präzisen Ermahnungen folgen dann im Stundentakt. Gerichtet sind sie alle an mich, sie betreffen in erster Linie meinen, laut unserer Tochter „total komischen Musikgeschmack“. Ob ich wenigstens für ein paar Stunden die Anlage auf absolute Zimmerlautstärke runterdrehen könnte: „Und bitte, bitte, sing nicht wieder selbst.“ Das hätte ich angeblich neulich mal morgens unter der Dusche gemacht. Und es sei ihr so peinlich gegenüber einer anderen Freundin gewesen, die gerade zum Übernachtungsbesuch bei uns war.

Vor allem aber möge ich jegliche Kosenamen in Gegenwart ihrer Klassenkameradin unterlassen. Schatz, Süße, alles verboten. Aber so was von verboten. Dieser Hinweis ist berechtigt, in der Tat hatte ich vor zwei Wochen ihre besten Freundin am Telefon mit „meine Süße“ begrüßt. Es war mir so rausgerutscht, zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, was weiß ich. Beim Premierenbesuch aus der Schule ging dagegen alles glatt. Ich habe mich benommen, nur bei meinem Hemd seien zwei Knöpfe zu viel offen gewesen.

Einstellen werde ich mein Knigge-Streben indes, wenn ihr erster Freund bei uns in der Zarge stehen sollte. Dann werde ich im besten Feinripp mit Bruce Springsteen „Born in the USA“ grölen, dass die Boxen tanzen. Mein Schatz, meine Süße, mein Liebling.