Hamburg

Abitur-Boom ist ungebrochen

54,7 Prozent der Schulabgänger schafften die Reifeprüfung. CDU beklagt sinkendes Leistungsniveau

Hamburg. Die Mehrheit aller Schulabsolventen legt das Abitur ab. Im zurückliegenden Schuljahr schafften von 16.624 Schulabgängern 9087 junge Menschen die Reifeprüfung. Das sind 54,7 Prozent. „Der Boom des Abiturs setzt sich ungebrochen fort“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei der Vorstellung der aktuellen Schuljahresstatistik. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, am Ende des Schuljahres 2005/06 gab es lediglich 5465 Abiturienten.

Noch einmal 4,1 Prozent des Jahrgangs legten 2015 die Fachhochschulreife ab. Die Kehrseite: Der Anteil der Schüler mit Realschulabschluss ist deutlich gesunken: von 4539 Jungen und Mädchen vor zehn Jahren auf jetzt 3170. Das entspricht einem Anteil von nur noch 19,1 Prozent. Etwas geringer ist der Rückgang der Schüler, die den Hauptschulabschluss erreichen: von 3541 auf 2786 (16,8 Prozent).

Die Verringerung des Anteils der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist ein wichtiges Ziel der rot-grünen Schulpolitik. Doch ausgerechnet hier verzeichnen die Statistiker nach Jahren des Rückgangs jetzt einen Zuwachs. Vor zehn Jahren verließen 1802 junge Menschen die Schule ohne Zertifikat – 11,5 Prozent. Im abgelaufenen Schuljahr waren es nur noch 897 Schüler oder 5,4 Prozent. Aber: Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um 133 Schüler. Rabe macht dafür einen Statistikfehler verantwortlich. „Bislang konnten die Schulen Schulabbrecher als Schulformwechsler melden“, so der Senator. Die Unschärfe in der Abfrage sei erst jetzt bemerkt und in der Statistik bereinigt worden.

Während die Zahl der Schüler mit 190.396 Jungen und Mädchen an staatlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen auf einen neuen Höchstwert geklettert ist, verzeichnen die Berufsschulen einen gegenläufigen Trend. Während vor fünf Jahren noch 60.261 Schüler die unterschiedlichen Angebote der berufsbildenden Schulen nutzten, ist ihre Zahl aktuell auf 53.419 gesunken. Das ist ein Minus von 11,4 Prozent. Rabe sieht als Ursache die steigende Zahl der Studierenden, die in der betrieblichen Ausbildung fehlten. Ein weiterer Grund dürfte darin liegen, dass die sogenannten Übergangsmaßnahmen für junge Menschen ohne Ausbildungsplatz zeitlich verkürzt worden sind.

CDU-Schulpolitikerin Karin Prien kritisiert den Trend. „Die guten Chancen der dualen Berufsausbildung müssen wieder stärker in den Fokus unserer Schulabgänger gelangen; sonst gibt es irgendwann nur noch Häuptlinge und keine Indianer mehr“, sagte Prien. „Stetig steigende Abiturientenzahlen sind nicht unbedingt ein Zeichen schlauerer Schüler, sondern eher eines sinkenden Leistungsniveaus.“

Steigende Schülerzahlen, kleinere Klassen und die schulische Inklusion haben dazu geführt, dass die Zahl der Lehrerstellen von 11.660 (Schuljahr 2010/11) um 11,2 Prozent auf 12.970 angestiegen ist. „Mehr Lehrer auf dem Papier heißt nicht bessere Unterrichtsqualität“, monierte Anna von Treuenfels-Frowein (FDP). Die neuen Herausforderungen für die Lehrkräfte etwa durch Flüchtlingskinder und Inklusion seien nicht berücksichtigt worden.