Hamburg

Radelt doch mal auf den Radwegen

Eine Glosse von Matthias Schmoock

Radfahrer dürfen ja mittlerweile auch auf Straßen fahren – sie müssen es aber nicht unbedingt. Und das ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Warum kurven so viele von ihnen ganz begeistert vor und neben den Autos herum, wenn zwei Meter weiter rechts die schönsten Radwege, viele davon frisch instand gesetzt, brach liegen? Ob Fischers Allee, Eppendorfer Landstraße, Hemmingstedter Weg oder Bundesstraße (das als ganz willkürliche Beispiele): Überall scheint’s auf dem
Asphalt irgendwie schöner zu sein.

Was steckt dahinter – soll das ein Signal für oder gegen irgendetwas sein? Der Bedarf nach direkterem Kontakt zu mehr PS, Nervenkitzel, Wettfahrt-Feeling? Der Wunsch endlich mal wieder richtig doll angehupt zu werden?

Mensch Leute, ihr habt diese vielen Radler-Schneisen doch von Euren Steuergeldern mitbezahlt (oder etwa nicht?), jetzt ignoriert Ihr sie plötzlich. Aufgeregte Bürger haben mal dafür gekämpft, demonstriert, gebrüllt.

Was passt denn nun wieder nicht. Sind die roten Steine zu grell? Stören die Büsche und Bäume?

Komisch in anderen Ländern wären die Leute froh, wenn sie nur halb so schöne Straßen oder Wege hätten. Und hier zieht es mancher vor, die Auto-Abgase lieber ganz direkt zu inhalieren. Ich bin selbst Radler und komme mir auf meiner Strecke manchmal schon ganz einsam vor.

Mal ganz unabhängig vom Sozialverhalten: Wahrscheinlich ist es auch gar nicht gut für die Statik, wenn die Radwege nicht regelmäßig genutzt werden. Irgendwann veröden sie, wachsen zu und sehen aus wie Grünstreifen. Wollen wir das?

Also bitte, tut euch selbst den Gefallen und fahrt mal wieder drauf (ab).

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg