Hamburg

„Es ist Zeit für Veränderungen“

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Karolin Jacquemain

Goldene Kamera-Chef Jochen Beckmann über das Prickeln bei einer Live-Übertragung, das Ringen um Hollywood-Stars und den Preis der Zukunft

Camilla John

Seit 24 Jahren ist sie ein fester Bestandteil seines Lebens: die Goldene Kamera. Der prestigeträchtige Preis und Jochen Beckmann, Verlagsgeschäftsführer Zeitschriften der Funke Mediengruppe, sind fast untrennbar verbunden. Deshalb kennt auch kaum jemand so viele Details zu prominenten Gästen, Geschichten von Pannen oder Momenten mit Gänsehaut bei der etablierten Preisverleihung.

Hamburger Abendblatt: Herr Beckmann, die Verleihung der Goldene Kamera findet auch in diesem Jahr in Hamburg statt. Erneut haben Sie sich für die Messehallen als Austragungsort entschieden – warum?

Jochen Beckmann:Zu den Messehallen gibt es in Hamburg keine Alternative. Wir haben etwa mit der Laeiszhalle und unseren Theatern wunderbare Veranstaltungssäle. Aber nur in den Messehallen können wir im Anschluss an die Preisverleihung ein großes Dinner für unsere Preisträger ausrichten sowie eine Party, auf der 1200 Gäste bis in die frühen Morgenstunden tanzen können.

Anders als in Berlin sind in Hamburg große Preisverleihungen eine Seltenheit.

Beckmann: Umso mehr freuen wir uns, dass wir auch in diesem Jahr in Hamburg zu Gast sind. Die Verleihung der Goldenen Kamera ist einzigartig für die Stadt. Wir haben eine tolle Zusagenliste mit vielen prominenten Gästen. Aber es ist ein Stück weit mehr Arbeit als in Berlin, wo die meisten Schauspieler zu Hause sind. Nichtsdestotrotz gilt: Die Nachfrage ist gigantisch.

Sie sind seit 24 Jahren verantwortlich für die Goldene Kamera. Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Beckmann: Im letzten Jahr haben wir großes Jubiläum gefeiert. Die 51. Verleihung der Goldenen Kamera erscheint uns nun als genau der richtige Zeitpunkt, um deutliche Veränderungen vorzunehmen. Wir wollen diese großartige Show weiter in Richtung Zukunft entwickeln. Dazu gehören ein neues Bühnenbild, ein neues modernes Design der Preisstatue sowie ein neuer Titel. Ab sofort ist die Goldene Kamera der Preis der Funke Mediengruppe – und zwar der aller unserer Programmzeitschriften und Tageszeitungen. Damit sind wir also künftig noch breiter aufgestellt: mehr Reichweite, mehr Öffentlichkeit, mehr Relevanz.

Gibt es auch innerhalb der Preiskategorien Neuerungen?

Beckmann: Unser Blick auf das Entertainment wird ab sofort ganzheitlich. Die Fernsehlandschaft befindet sich in einem digitalen Transformationsprozess; die Distributionswege von Entertainment verändern sich rapide. Deshalb wird es noch in diesem Jahr eine weitere Verleihung der Goldene Kamera geben: den Goldene Kamera Digital Award.

Sie wollen damit auch Zuschauer ansprechen, die dem klassischen Fernsehen abhanden gekommen sind?

Beckmann: Der Goldene Kamera Digital Award schafft die Verbindung von Tradition und Moderne. Er ist sozusagen eine digitale Schwester der Goldene Kamera. Es gibt andere Kategorien, andere Preisträger, andere vornehmlich jüngere Zielgruppen. Wir müssen uns schließlich fragen, wie wir in Zukunft mit herausragenden Leistungen umgehen, die im Netz stattfinden. Wir wollen auch künftig keine Katzenvideos auszeichnen, aber preiswürdige Leistungen auf Netflix bis zu Filmen und Serien auf Youtube und anderen Plattformen berücksichtigen. Das Ganze findet in diesem Jahr online statt, unter goldenekamera.de.

Anders als im vergangenen Jahr wird die Preisverleihung dieses Mal live übertragen. Eine bewusste Entscheidung?

Beckmann: Die Verleihung der Goldenen Kamera fällt in diesem Jahr auf einen Sonnabend – und damit zeigen wir die Verleihung live ab 20.15 Uhr im ZDF. Ich freue mich darüber. Wir sind gerne live. Das prickelt einfach mehr als bei einer Aufzeichnung; es ist letztlich emotionaler.

Apropos Emotionen: Welche Momente der zahlreichen Goldene-Kamera-Galas sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Beckmann: Als großer Kevin Spacey-Fan hat mich sein Besuch im letzten Jahr besonders gefreut. Ein Highlight war auch die Verleihung 2010: Erst der Auftritt von Moderatorin Monica Lierhaus, wenig später dann Schauspieler Michael Douglas, der seinen besten Freund Danny DeVito überrascht hat. Er hat sich mal eben ins Flugzeug gesetzt und ist nach Deutschland geflogen, um eine Laudatio auf seinen Freund zu halten. So etwas ist einfach großartig. Solche Momente sind für die Ewigkeit.

Hollywood-Stars stehen bei jeder Verleihung der Goldenen Kamera auf der Bühne. Wie viel Zeit und Mühe müssen Sie investieren, bis Sie die Zusage eines Schauspielers der A-Liga haben?

Beckmann: Es ist jedes Jahr ein harter Kampf. Schließlich gibt es einige große Preisverleihungen weltweit, und auch Hollywood ist am Ende „klein“. Was wir für preiswürdig erachten, sehen andere natürlich auch – alle wollen George Clooney, alle wollen Leonardo DiCaprio. Und die Saison, in der traditionell Preisverleihungen stattfinden, dauert nur von November bis Februar, bis zur Verleihung der Oscars. Aber die Arbeit macht uns auch großen Spaß. Wir arbeiten mit unserem Team mittlerweile 365 Tage dafür, dass am Ende so großartige Schauspieler zur Goldenen Kamera kommen wie Helen Mirren, Julianne Moore und Gerard Butler.

Ist die Goldene Kamera nur hierzulande ein Begriff oder hat man von der Veranstaltung mittlerweile auch in Hollywood gehört?

Beckmann: Wir sind natürlich nicht die Oscars. Aber man kann schon sagen, dass die Goldene Kamera auch in Hollywood bekannt ist. Auch unsere Dinnerparty hat sich in Hollywood schon einen kleinen Namen gemacht. Aber für jeden gilt: Die Goldene Kamera muss man sich durch eine herausragende Leistung im Film- oder Fernsehbereich verdienen. Wir erfinden keine neuen Preiskategorien.

Ähnlich wichtig wie die Preisträger ist für eine gelungene Veranstaltung der Moderator. Ihre Wahl ist in diesem Jahr erneut auf Thomas Gottschalk gefallen. Was hat er, was anderen fehlt?

Beckmann: Thomas Gottschalk ist die beste Besetzung, die wir uns wünschen können. Er ist wie geschaffen für das Format. Gottschalk hat die Goldene Kamera zwölfmal moderiert, viermal ist er selbst mit dem Preis ausgezeichnet worden. Es ist für ihn eine Herzensangelegenheit.

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