Krisengespräch

Hamburgs Tourismus-Chef von Albedyll unter Druck

Muss Senat und Opposition einige unangenehme Fragen beantworten: Dietrich von Albedyll, Chef der Hamburg Tourismus GmbH

Muss Senat und Opposition einige unangenehme Fragen beantworten: Dietrich von Albedyll, Chef der Hamburg Tourismus GmbH

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Obwohl noch in Diensten der Stadt, hat der Leiter der Hamburg Tourismus GmbH bereits ein eigenes Unternehmen gegründet.

Hamburg.  Zwei Monate vor Ende seiner 26-jährigen Amtszeit gerät Hamburgs „Mister Tourismus“ – der Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH (HHT), Dietrich von Albedyll – ins Visier von Senat und Opposition. Der Grund: Obwohl der 65-Jährige (Jahresgehalt rund 220.000 Euro) noch bis Ende März in Diensten der Stadt steht, hat er bereits im Dezember 2015 eine eigene Firma „Albedyll Tourismus GmbH“ gegründet und ins Handelsregister eintragen lassen (HRB 139350, „Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb im Tourismus, insbesondere die Analyse, Konzeption und Strategieentwicklung“). Eine schriftliche Genehmigung dafür hat es laut Wirtschaftsbehörde nicht gegeben. Man habe zwar gewusst, dass von Albedyll nach Ausscheiden eine Firma gründen wolle, aber nicht, dass er dies parallel zu seiner Tätigkeit für die Stadt bereits getan habe, hieß es.

Pikant: Geschäftspartner von Albedylls in der neuen Firma ist der Hamburger PR-Mann Wolfgang Raike, vor Jahrzehnten Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde und langjähriger Weggefährte von Albedylls. Raikes Agentur hat in den vergangenen Jahrzehnten offenbar nicht selten Aufträge aus den von Albedyll geführten städtischen Gesellschaften bekommen. Aktuell hat Raike eine Broschüre „Auf nach Hamburg“ für die HHT erstellt.

m Senat sieht man die Kooperation mit dem nun auch privaten Geschäftspartner von Albedylls offenbar kritisch. „Festzustellen ist, dass es zwischen der HHT und der PR-Agentur von Wolfgang Raike Geschäftsbeziehungen gegeben hat und gibt“, sagte die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde, Susanne Meinecke. „Diese waren und sind Teil des operativen Geschäfts und wurden durch den jeweiligen Geschäftsbereich der HHT betreut und initiiert. Der Aufsichtsrat wurde und wird hiermit nicht befasst. Die Gesamtverantwortung für die Geschäftsbeziehungen der HHT trägt deren Geschäftsführer.“ Soll heißen: Aufsichtsratschef Staatsrat Andreas Rieckhof wusste laut Behörde weder etwas von der Firmengründung Albedyll-Raike noch von den an Raike vergebenen städtischen Aufträgen.

Für Stirnrunzeln bei manchem in der Branche sorgt auch ein anderes Detail. Obwohl er Ende März aufhört, soll von Albedyll für Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) vorher noch einen Hotel-Entwicklungsplan erarbeiten, der den Bedarf an neuen Hotels in den kommenden Jahren ermittelt. Für von Albedyll ist das praktisch, hat er doch bereits öffentlich angekündigt, nach seinem Ausscheiden eine eigene Hotel-Betriebsgesellschaft zu gründen, an der offenbar auch der ehemalige Direktor des Hotel Atlantic, Peter Pusnik, und der Hotelier Hans Gerst beteiligt sein sollen. So könne er womöglich Bedarfe an neuen Hotels in den Entwicklungsplan schreiben, hieß es von Insidern nicht ohne Sarkasmus, für die er dann wenige Wochen später mit der eigenen Firma passgenaue Angebote machen könne. Bisher sollte der Entwicklungsplan von Scholz und von Albedyll am 19. Februar vorgestellt werden. Davon rückt der Senat nach den Nachfragen des Abendblattes nun offenbar ab. Der Termin stehe nicht fest, heißt es jetzt aus der Wirtschaftsbehörde.

Im Rathaus sorgten die Abendblatt-Recherchen am Dienstag ebenfalls für Wirbel. Auch der Bürgermeister ließ sich berichten. Für den Dienstagabend beraumte HHT-Aufsichts­-ratschef Staatsrat Rieckhof schließlich ein Krisentreffen mit von Albedyll an. Man habe von Albedyll Fragen vorgelegt, die dieser am Mittwoch beantworten müsse, hieß es nach dem Gespräch aus der Behörde. Danach werde man die Antworten bewerten.

Kritik kommt derweil auch von der Opposition. Linken-Wirtschaftspolitiker Stephan Jersch sagte, es habe ein „Geschmäckle“, falls von Albedyll unmittelbar „nach Vertragsende nahtlos in eine eigenen Firma wechselt, die im gleichen Geschäftsbereich unterwegs ist“. Wenn der Stadt dies zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung für von Albedyll im Oktober bekannt gewesen sei, „ist das der goldene Handschlag“, so Jersch. „Wenn es der Stadt nicht bekannt war, muss sie sich fragen, wie sehr ihr die eigenen Topmanager auf der Nase herumtanzen dürfen.“ Sollte sich herausstellen, „dass der Geschäftspartner von Herrn von Albedyll auch Aufträge von der HHT erhalten hat“, sei dies eine „gefährliche Interessen-Verquickung“. Zu all dem hat Jersch eine Kleine Anfrage an den Senat gerichtet. Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleibauer nannte das Verhalten von Albedylls „grenzwertig“. Kleibauer plädierte dafür, „nachvertragliche Wettbewerbsverbote“ in den Arbeitsverträgen hochrangiger Mitarbeiter der Stadt und öffentlicher Unternehmen festzuschreiben.

PR-Mann Raike sagte, er habe zuletzt keine großen Aufträge von der HHT bekommen. Außerdem werde die Albedyll Tourismus GmbH „erst am 1. April loslegen“, so Raike – also einen Tag nach Auslaufen des Vertrages mit der Stadt. Von Albedyll wollte sich am Dienstag nicht äußern.