Altona-Nord

Lessingtunnel wird zur Dauerbaustelle

Von August an wird die Bahnunterführung saniert und für mehr als ein Jahr für den Autoverkehr gesperrt. Im Sommer 2017 fahren auch keine S-Bahnen

Altona-Nord. Autofahrer im Hamburger Westen dürften in diesem Jahr wenig Freude haben: Wenn im August die Großbaustelle zur Fahrbahn­sanierung im Straßenzug Bahrenfelder Chaussee/Stresemannstraße voraussichtlich abgeräumt sein wird, stehen im Bezirk Altona gleich die nächsten großen Sperrungen und Umleitungen an. Für mehr als ein Jahr bis Oktober 2017 wird der sogenannte Lessingtunnel für den Kfz-Verkehr komplett gesperrt, wie die Deutsche Bahn am Dienstag ankündigte. Der Tunnel ist eigentlich eine gigantische Brücke mit acht Fernbahn- und vier S-Bahngleisen. Rund 23.000 Fahrzeuge passieren dieses Nadelöhr täglich, 800 Züge rollen pro Tag darüber hinweg. Doch das zwischen 1901 und 1908 entstandene Bauwerk sei in die Jahre gekommen und müsse dringend saniert werden, so Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis.

Allerdings sollen zunächst nur die S-Bahn-Querungen erneuert werden. Die Fernbahngleise werden später abgebaut, wenn wie geplant der Fernbahnhof Altona zur S-Bahnstation nach Diebsteich verlegt ist, um Platz für den zweiten Abschnitt des Neubaugebiets Neue Mitte Altona zu bekommen. Daher werden jetzt nur 34 Meter der insgesamt 108 Meter langen Tunnel-Brücken-Konstruktion umgebaut.

Dennoch plant die Stadt schon voraus für die Zeit nach der Bahnhofsverlegung, die 2024 abgeschlossen sein wird. Dann soll die Julius-Leber-Straße im Tunnelbereich vor allem für Fußgänger und Radfahrer komfortabler sein, die heute noch in dem dunklen Mittelgang ihren Weg finden müssen. Künftig soll es breite Gehwege außen und gleich drei Radfahrstreifen (inklusive Abbiegespur) auf der Fahrbahn gebeben. Die gesamte Unterführung wird dazu von derzeit 18 auf dann 25 Meter verbreitert – allerdings eben erst nach der Verlegung von Bahnhof und DB-Gleisen. „Wir bereiten aber jetzt schon alles dafür vor“, sagt Martin Helm, zuständiger Mitarbeiter bei der Verkehrsbehörde. Insgesamt kostet dieser erste Umbau Stadt und Bahn rund 25 Millionen Euro. Laut Zeitplan wird der Tunnel bereits im August dieses Jahres gesperrt, weil zunächst umfangreiche Sielbauarbeiten notwendig sind. Umleitungen führen über Max-Brauer-Allee, Elbchaussee und Hohenzollernring. Die Zufahrt der Busse zum Busbahnhof Altona und für Autofahrer zum Parkaus des Mercado sollen von der Barnerstraße über die Scheel-Plessen-Straße geführt werden, kündigte die Bahn an, die für die Umleitungen eigens ein Planungsbüro beauftragt hatte.

Bis Frühjahr 2018 steht Autofahrern eine Spur zur Verfügung

Fußgänger und Radfahrer können den Tunnel während der Sperrzeit aber weiter benutzen. In den Sommerferien 2017 ist indes eine komplette Sperrung geplant, weil dann die neuen S-Bahn-Brücken eingebaut werden sollen. Auch der gesamte S-Bahn-Verkehr mit den Linien S 1, S 11, S 3 und S 31 ist dann für sechs Wochen unterbrochen. Die Bahn will in dieser Zeit einen Ersatzverkehr mit Bussen einrichten. „Eine solch lange Sperrung der S-Bahn hatten wir bisher noch nicht in Hamburg“, so Bahnsprecher Meyer-Lovis. Während die S-Bahn aber bereits von September 2017 an wieder rollen kann, wird der Autoverkehr dort erst von Oktober an fahren können. Und das auch nur eingeschränkt auf einer Spur Richtung Barnerstraße bis Frühjahr 2018, bis sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein sollen. Und dann dürfte in Altona auch schon bald die nächste Brücken-Baustelle der Bahn anstehen. Bis spätestens 2024 soll auch die Sternschanzenbrücke erneuert sein.