Hamburg

Kein Platz – Hamburg lehnt Kongresse ab

Vermarktungsgesellschaft kritisiert mangelnde Kapazitäten und fordert weitere Tagungshotels. Mehr als 33 Millionen Euro an Einnahmen seit 2015 offenbar bereits verloren

Hamburg nutzt sein großes Potenzial als Kongressstandort nicht voll aus, weil die Kapazitäten fehlen. Das sagt Thorsten Kausch, Geschäftsführer des Hamburg Convention Bureaus (HCB) – und verweist auf aktuelle Zahlen: „Für 33 der 537 Veranstaltungen, die vom HCB im vergangenen Jahr bearbeitet worden sind, konnten in Hamburg aufgrund von Kapazitätsengpässen keine passenden Tagungsorte angeboten werden.“ Das klingt zwar nach vergleichsweise wenigen Absagen, laut Kausch gehörten die Veranstaltungen mit im Schnitt rund 1000 Teilnehmern jedoch zu den größeren und damit besonders attraktiven Businessveranstaltungen. Und: „Der Stadt ist dadurch eine potenzielle monetäre Wertschöpfung von mehr als 33,4 Millionen Euro verloren gegangen“, so Kausch weiter.

Deshalb sieht der HCB-Chef Handlungsbedarf: „Wir benötigen in Hamburg dringend ein bis zwei neue Tagungshotels mit jeweils mindestens 500 Zimmern und Kongresskapazitäten für bis zu 1000 Personen.“ Diese müssten an Standorten in Innenstadtnähe mit einer guten Verkehrsanbindung gebaut werden. Es gebe zahlreiche Investoren und auch Hotelketten, die Interesse hätten, so Kausch weiter.

Die Maritim Kette sucht zum Beispiel einen passenden Standort, um ein großes Kongresshotel zu bauen. Das bestätigte Maritim-Chef Gerd Prochaska dem Abendblatt. „Hamburg ist für uns ein Muss. Wir haben hier auch schon zahlreiche Standorte geprüft und aktuell gibt es noch zwei interessante Flächen, die wir uns näher anschauen.“ Das Unternehmen sei spezialisiert auf den Bau und Betrieb von Kongress­hotels und würde ein solches Projekt auch gern in Hamburg verwirklichen.

In Hamburg gibt es als großes, eigenständiges Tagungshotel im Innenstadtbereich bislang nur das Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee mit Kongresskapazitäten für bis zu 1200 Personen und 511 Zimmern. Das Radisson Hotel an der Marseiller Straße ist zwar dem Congress Center Hamburg (CCH) angeschlossen, bietet aber selbst keine Tagungsräume. Noch verstärken wird sich das Kapazitätsproblem, wenn das marode CCH Ende 2016 geschlossen und bis zum Sommer 2019 aufwendig saniert und erweitert wird. In dieser Zeit fallen Kapazitäten für bis zu 12.500 Personen weg. Im vergangenen Jahr wurden im CCH 141 Veranstaltungen mit 213.588 Besuchern gezählt. „Ein Kongresszentrum wie das CCH ist schwer zu ersetzen“, sagt Kausch. Gemeinsam mit dem CCH versuche man, für jeden Veranstalter eine adäquate Alternative zu finden. Parallel befinde man sich in der Akquise für den Zeitraum ab 2019.

Für Kausch steht fest: „Wenn wir mehr Kapazitäten schaffen würden, dann hätte Hamburg im Wettbewerb mit Kongressmetropolen wie Wien oder Barcelona bessere Chancen.“ Die Politik würde diese Entwicklung begrüßen. „Wenn neue moderne Kongresshotels entstehen, würde das den Standort Hamburg aufwerten. Hierbei können diese gern extravagant sein, denn Stadtentwicklung sollte stets auch visionären Projekten eine Chance geben“, sagte CDU-Wirtschaftsexperte David Erkalp. Das Wichtigste sei, dass attraktive Grundstücke zur Verfügung gestellt würden, so Erkalp weiter.

Das 2009 gegründete HCB – ein städtisches Unternehmen mit 15 Mitarbeitern – ist für die Vermarktung von Hamburg als Kongressstadt und als zentrale Anlaufstelle für Großveranstaltungen verantwortlich. In Hamburg wurden in 2014 – die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor – rund 60.000 Kongresse und Tagungen mit etwa zwei Millionen Teilnehmern gezählt. Dadurch konnten rund 2,5 Millionen Übernachtungen generiert werden.