Laut gegen Nazis

Smudo, ein Zombie und die Frage nach dem Hirn von Nazis

Am Donnerstag stellte die Initiative Laut gegen Nazis die "Counter Speech Tour 2016" vor

Am Donnerstag stellte die Initiative Laut gegen Nazis die "Counter Speech Tour 2016" vor

Foto: Hamburger Abendblatt

Ein neues Video und eine Veranstaltungsreihe gegen Rechts: Die Kampagne Laut gegen Nazis stellte in Hamburg ihre nächsten Aktionen vor.

Hamburg. Jörn Menge, der Gründer von Laut gegen Nazis, ist ein Stück weit desillusioniert: 2004 hat er die Kampagne ins Leben gerufen, "und wenn ich mir das aktuelle Geschehen ansehe, dann verängstigt mich das nicht. Aber es gibt mir sehr zu denken." Und er geht noch weiter: "Wir haben einen ziemlich großen Rechtsruck in Deutschland", sagt er.

Einschüchtern vom Aufschwung der Rechtspopulisten der AfD, von der massiv gestiegenen Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und dem brodelnden Hass im Netz lassen er und seine Mitstreiter sich allerdings nicht. Das betont Menge, und das betont auch Smudo, der Laut gegen Nazis persönlich und mit seiner Band Die Fantastischen Vier seit Jahren unterstützt: "Der Kampf gegen Rechts ist so eine Art Impfung. Das muss man regelmäßig machen, sonst bringt es nichts."

Die Counter Speech Tour 2016 soll Menschen zusammenbringen

Der neueste Impfstoff, den sich Laut gegen Nazis ausgedacht hat, wird im April in ganz Deutschland verteilt: Die "Counter Speech Tour 2016". Mit Konzerten, Workshops und einem Rahmenprogramm wollen die Aktivisten das Konzept der Gegenrede vom Netz auf die Straße bringen. Die Orte für die Tour sind ganz bewusst gewählt, "Brennpunkte" der aktuellen Debatte um die Schutzsuchenden, wie Menge erklärt: Passau, Düsseldorf, Münster, Bad Fallingbostel, Freital, Wismar und Flensburg. Immer nah an den Flüchtlingsunterkünften in den Städten, immer darauf bedacht, Menschen zusammenzubringen.

Menge betont, dass es ihm nicht nur darum ginge, die Flüchtlinge mit denjenigen zusammenzubringen, die ohnehin schon aktiv seien: "Wir wollen auch die 'Wutbürger auf der Kippe' erreichen." Diejenigen also, die sich mit ihren Sorgen und Ängsten allein gelassen fühlen und auf der Schwelle stehen, der rechtspopulistischen Propaganda auf den Leim zu gehen.

Neben Leslie Clio wird auch eine syrische Band auf der Tournee spielen

Verschiedene Partner unterstützen die "Counter Speech Tour". Facebook Deutschland zum Beispiel. Deren Policy-Managerin Eva-Maria Kirschsieper betont, wie lange man bereits mit Laut gegen Nazis zusammenarbeite und wie sehr man sich darüber freue, das von Facebook als wichtiges Hilfsmittel identifizierte Konzept der Gegenrede von der digitalen in die analoge Welt zu überführen. "Die Mehrheit soll lauter, stärker sein" als die den Hass schürende Minderheit. Der Hamburger Getränkehersteller fritz-kola spendet 40 Tonnen Getränke, die lokale Initiativen vor Ort verkaufen können, um mit den Erlösen ihre Arbeit zu finanzieren.

Auftreten werden bei allen Terminen die Hamburger Pop-Chanteuse Leslie Clio. Und die syrische Band Khebez Dawle. Anas Maghrebi, der Frontmann, ist aus seiner Heimat geflohen und seit drei Monaten in Berlin. Er sagt, das Wichtigste im Augenblick sei Integration. Und er ist sicher, dass das gelingen kann. Helfen will er mit seiner Band, denn "Musik ist die Sprache, die jeder versteht".

Vor der Counter Speech Tour werden im März die Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfinden, unter anderem unterstützt von der Bundesliga-Stiftung. Deren Vorsitzender Stefan Kiefer sagt, der Kampf gegen Hassreden sei "auch im Fußball ein brandaktuelles Thema". Durch entschiedenes Entgegentreten, durch Präventions- und Aufklärungsarbeit könne man dem Problem begegnen.

Dabei hilft auch das offizielle Video von Laut gegen Nazis zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus, das in diesem Jahr den Titel "Brainless" trägt. In Hamburg konzipiert, in Hamburg gedreht und basierend auf einem Cartoon von Clay Bennett, einem amerikanischen Karikaturisten, der sein Werk gern als Grundlage für den kurzen Spot zur Verfügung stellte.

Das Laut-gegen-Nazis-Video 2016