Verkehr

So sieht Hamburgs neue S-Bahn aus

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Ulrich Gassdorf
Der erste Zug des Typs ET 490 in der Montagehalle: Die silberne Front ist einem „H“ – für Hamburg – nachempfunden

Der erste Zug des Typs ET 490 in der Montagehalle: Die silberne Front ist einem „H“ – für Hamburg – nachempfunden

Foto: Sergej Glanze

Die ersten acht Züge gehen im Herbst 2017 in Betrieb – inklusive Klimaanlage, Getränkehalter und mehr Platz für Rollstuhlfahrer.

Hamburg.  Zunächst einmal wird es heißen: nur gucken, nicht anfassen. Die S-Bahn Hamburg testet vom Herbst an den neuen Fahrzeugtyp ET 490 im Hamburger Streckennetz – dann aber noch ohne Fahrgäste. Die ersten acht Züge werden erst von Herbst 2017 an in der Hansestadt eingesetzt – und dann dürfen auch die Kunden mitfahren. Den 335-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau der insgesamt 60 Fahrzeuge, bestehend aus jeweils drei durchgängigen Wagen, hat Bombardier Transportation in Brandenburg erhalten. Bis Ende 2018 sollen alle Züge ausgeliefert sein.

Gefertigt werden sie in der Kleinstadt Hennigsdorf in der Nähe von Berlin. Auf dem etwa 650.000 Quadratmeter großen Bombardier-Firmengelände arbeiten rund 2600 Angestellte. Ein Team aus 70 Mitarbeitern ist nur mit dem S-Bahn-Projekt beschäftigt – bis zu sechs Tage pro Woche in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr. Die Wagenkästen – sozusagen die Hülle – werden in Polen gefertigt. Der Ausbau und die technische Ausstattung erfolgen in Hennigsdorf.

Projektleiter Stefan Wätzold konnte am Dienstag einen Meilenstein präsentieren: Den ersten 66 Meter langen Zug vom Typ ET 490. In den drei Wagen ist Platz für bis zu 470 Fahrgäste – es gibt 190 Sitzplätze. Die Front ist in Form eines silbernen H (steht für Hamburg) gestaltet. Damit hebt sich das Fahrzeug schon mal äußerlich vom üblichen S-Bahn-Design ab.

Ansonsten dominiert rot als Außenfarbe. S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke ist bei der Premiere dabei und wirkt zufrieden: „Die drei Wagen sind durchgängig, dadurch wirkt der Innenraum viel großzügiger, und vor allem wird dadurch das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste gesteigert.“ Außerdem hätten die Kunden nun viel mehr Bewegungsfreiheit, sagt Arnecke.

Noch ist der Fußboden abgeklebt, die großen Flachbildschirme, auf denen das Fahrgast-Informationssystem laufen soll, sind mit Plastikfolie versehen. Aber die ersten Sitze sind schon eingebaut. Mit Stoffbezug im typischen Bahn-Blau: „Hier sitzt man bequem, und vor allem ist das Material resistent gegen Vandalismus“, sagt S-Bahn-Chef Arnecke. Die Armlehnen lassen sich bewegen und auf den Abfallbehältern sind Abstellmöglichkeiten für Getränke vorhanden – ein Novum.

Bis Ende 2018 sollen alle 60 Fahrzeuge des neuen Typs ausgeliefert werden

Aber was zeichnet die neue Fahrzeuggeneration, die nach und nach den Typ ET 472 auf dem Hamburger Streckennetz ersetzen soll, noch aus? „Wir haben einen Mehrzweckbereich geschaffen, der deutlich mehr Platz für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen bietet. Es gibt eine Klimaanlage, die durch den Einsatz einer Wärmepumpe sehr energiesparend ist. Außerdem ist es aufgrund modernster Technik ein sehr leises Fahrzeug“, sagt Arnecke.

Der S-Bahn-Chef weist auf weitere Details hin: „Für Fahrgäste mit reduzierter Mobilität gibt es zum Beispiel eine beleuchtete Trittkante und einen Türknopf, der mit einer Findefunktion ausgestattet ist.“ Die Fertigung eines S-Bahn-Zugs dauert laut Projektleiter Stefan Wätzold etwa drei Monate. Das Ziel, dass bis Ende 2018 alle 60 Fahrzeuge ausgeliefert werden, dürfte auch für Bombardier eine Herausforderung sein: „Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Stefan Wätzold.

Die S-Bahn ist in Hennigsdorf in guter Gesellschaft: Aktuell werden hier auch neue Straßenbahnen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gebaut und Fahrzeuge für die Metro in Stockholm gefertigt. Projektleiter Wätzold hat auch schon die Verantwortung für die Produktion eines Hochleistungszugs getragen, der nun mit bis zu 350 Kilometer pro Stunde durch China rast. Da wirkt die Höchstgeschwindigkeit von bis zu 140 km/h , die der ET 490 erreicht, geradezu harmlos.

Dass die S-Bahn rund 335 Millionen Euro in eine neue Fahrzeugflotte investiert, ist Bestandteil des neuen Verkehrsvertrages zwischen der Stadt und dem Verkehrsunternehmen. Der Kontrakt beginnt im Dezember 2018 und hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Verkehrs-Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) sieht die neuen Fahrzeuge als ein „wichtiges Element für die Attraktivität des ÖPNV.“

Neue S-Bahn verfügt nicht über WLAN, weil die Stadt es nicht verlangt hat

Die neue S-Bahn wirbt mit modernster Technik und Fahrkomfort, aber nach Abendblatt-Informationen sollen die Fahrzeuge nicht mit WLAN ausgestattet werden. Die Stadt hatte diesen zusätzlichen Service in der Ausschreibung für den neuen Verkehrsvertrag nicht als Leistung aufgeführt, und dementsprechend hat die S-Bahn darauf verzichtet. Eine Nachrüstung wäre ohne viel Aufwand möglich, diese müsste dann aber die Stadt bezahlen.

Der erste Zug, der am Dienstag vorgestellt wurde, ist technisch voll ausgestattet und soll in wenigen Wochen zum ersten Mal auf der rund sechs Kilometer langen Bombardier-Strecke in Hennigsdorf getestet werden.

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