200 Jobvermittler

So sollen Jobcenter Flüchtlinge und Arbeitslose integrieren

Dirk Heyden, Geschäftsführer vom Jobcenter Hamburg

Dirk Heyden, Geschäftsführer vom Jobcenter Hamburg

Foto: Klaus Bodig / HA

Jobcenter-Chef Heyden will Zuwanderer und Langzeitarbeitslose besser in Arbeitsmarkt integrieren. Nicht nur mit neuen Mitarbeitern.

Hamburg.  Dirk Heyden rechnet schon aus, wie oft er noch auf der A 24 von Schwerin nach Hamburg pendeln muss. Ende des Monats werden in Schwerin die Kisten gepackt, dann zieht er mit Frau und Tochter nach Alsterdorf. Heyden, der neue Chef von Jobcenter Team Arbeit Hamburg hat nicht lange benötigt, um in der Hansestadt anzukommen.

Denn seinen Posten als Nachfolger von Friedhelm Siepe, der in die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit nach Nürnberg gewechselt ist, hat er erst zu Beginn des Jahres angetreten. „Für mich ist Hamburg die schönste Stadt“, sagt der in Braunschweig geborene 52-jährige Diplomverwaltungswirt.

Die schnelle Wohnungssuche überrascht nicht, denn Heyden kennt sich in Hamburg gut aus. Er war in seiner Karriere als Führungskraft mit unterschiedlichen Stationen im Norden auch Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Hamburg. „In Schwerin habe ich eine der flächenmäßig größten Arbeitsagenturen inklusive drei Jobcentern geleitet, die von der Landeshauptstadt bis zur Ostseeküste reicht“, sagt Heyden. Er führte 1000 Mitarbeiter, die 19.000 Arbeitslose betreuten.

2300 Mitarbeiter an 16 Standorten

Jetzt also das Jobcenter Hamburg mit 2300 Mitarbeitern an 16 Standorten, die mehr als 180.000 Hamburger betreuen, die Grundsicherung beziehen. Darunter sind auch viele, die nicht erwerbsfähig sind. „Ich freue mich auf eine eng vernetzte Zusammenarbeit mit allen Partnern auf dem Hamburger Arbeitsmarkt“, sagt Heyden. Die Herausforderungen sind jetzt eine Dimension größer.

Er sieht in seiner Arbeit vor allem zwei Schwerpunkte. „Ich möchte den Langzeitleistungsbezug von Hartz IV-Empfängern weiter verringern und anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte durch passende Angebote in Ausbildung oder Arbeit bringen.“

Rund 11.000 erwerbsfähige Flüchtlinge betreut das Jobcenter. Davon ist ein Viertel jünger als 25 Jahre. Der größte Teil von ihnen ist allerdings schon länger im Leistungsbezug und hat mit der aktuellen Flüchtlingswelle nichts zu tun. 2015 hat sich ihre Zahl nur um 1300 Personen erhöht, vor allem aus Syrien und Afghanistan.

„Wir können nicht voraussehen, wie viele Flüchtlinge dieses Jahr zu uns ins Jobcenter kommen werden“, sagt Heyden. Vorgänger Siepe hatte noch mit einem Zugang von mindestens 200 Personen pro Monat gerechnet. „Bisher liegt die Zuweisung noch unter den Erwartungen, aber wir sind für eine größere Anzahl vorbereitet“, sagt Heyden.

87.000 Hamburg sind Langzeitarbeitslose

Personell wie finanziell wurde vorgesorgt. „Bis Ende 2016 werden wir 200 neue Mitarbeiter für das Jobcenter einstellen. Für die Integration der Flüchtlinge stehen uns in diesem Jahr zusätzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung.“ Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass rund 90 Prozent der anerkannten Flüchtlinge zunächst auf Hartz IV angewiesen sind und von den Jobcentern betreut werden. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ein sehr langfristiger Prozess ist“, sagt Heyden.

Hamburg hat 2015 rund 22.300 Flüchtlinge aufgenommen. Doch die Integration in den Arbeitsmarkt kann erst beginnen, wenn sie als Flüchtlinge anerkannt sind oder Asyl bekommen. Diese Entscheidungen trifft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das Amt muss aber bundesweit 660.000 Anträge abarbeiten.

Die Arbeit mit den Zuwanderern darf die übrige Vermittlungstätigkeit nicht beeinträchtigen. Denn immerhin suchen 95.600 Hamburger, die vom Jobcenter betreut werden, eine Arbeit. „Gegenwärtig haben wir 87.000 Hamburger im Langzeitleistungsbezug“, sagt Heyden.

Diese Personen haben in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate von Hartz IV gelebt. „In den vergangenen drei Jahren hat sich ihre Zahl zwar um zehn Prozent verringert, aber das reicht noch nicht aus“, sagt Heyden. Häufig ist eine fehlende Berufsausbildung das Schlüsselpro­blem. „Hier setzen wir mit Qualifizierungen und Umschulungen an.“

„Sprache und Bildung sind der Schlüssel zur Arbeit“

Das gilt auch für die Flüchtlinge. „Sprache und Bildung sind der Schlüssel zur Arbeit“, sagt Heyden. Gegenwärtig machen in Hamburg 6000 Asylbewerber noch während ihres Asylverfahrens einen Sprachkurs mit 320 Stunden. Damit können aber nur erste Sprachkenntnisse erworben werden.

Zunächst geht es bei den Flüchtlingen um eine Bestimmung des beruflichen Status. „Die Erstberatung ist bei W.I.R – work and integration for refugees, der zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge oder an den 16 Standorten des Jobcenters möglich und dauert in der Regel nicht länger als 90 Minuten“, sagt Heyden. Dabei geht es um die Aufnahme der Lebenslage und die Feststellung der berufsbezogenen Kompetenzen.

„Häufig wird aber das eine Gespräch nicht ausreichen, um einen passenden Plan für die weitere Integration zu erstellen.“ Deshalb gebe es auch eine sogenannte Standortbestimmung mit mehrsprachigem Personal, das über zwei Wochen geht. Dafür gibt es beim Jobcenter 500 Plätze, die bei Bedarf noch aufgestockt werden können. Am Ende stehen konkrete Empfehlungen und ein Maßnahmenplan. Es kann um ein Studium, eine Ausbildung oder den Einstieg in eine Arbeit gehen.

Ausländer in sozialversicherungspflichtigen Job

„Nach ersten Erkenntnisse hat ein Großteil der Flüchtlinge, die bei uns schon Leistungen beziehen, keine klassische Berufsausbildung“, sagt Heyden. „Allerdings haben viele Flüchtlinge Abitur, und gerade jüngere Flüchtlinge stellen ein Potenzial für Ausbildung und Studium dar.“ Darüber hinaus hätten viele bereits praktische Berufserfahrungen. Heyden: „Wir bemerken, dass viele eine hohe Motivation mitbringen, die eine hoffentlich erfolgreiche Integration erleichtert.“

Von der Zahl der neu entstehenden Jobs bietet Hamburg dafür gute Voraussetzungen. 2015 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Hansestadt um 2,6 Prozent auf 931.000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer nahm um sieben Prozent zu. Sie profitierten damit sogar überdurchschnittlich vom Stellenzuwachs.