Innensenator tritt zurück

Neumanns Nachfolger Grote will Flüchtlingspolitik verbessern

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Sehen Sie Neumanns, Scholz' und Grotes Stellungnahme hier im Video. Seit dem Olympia-Aus wurde über Neumanns Rücktritt spekuliert.

Hamburg. Mit reichlich Respekt, voller Kraft und Motivation will der designierte Hamburger Innensenator Andy Grote sein neues Amt antreten. Das sagte der 47-Jährige nach der Rücktrittserklärung seines Vorgängers Michael Neumann am Montagabend im Hamburger Rathaus. Grote: "Die zentrale Bedeutung des Amtes ist die Sicherheit in unserer offenen, liberalen und kulturell gemischten Gesellschaft." Grote wolle seinen Beitrag leisten, dass sich die Hamburger weiterhin in ihrer Stadt sicher fühlen können. Ebenso wichtig sei die Verbesserung der Flüchtlingspolitik und die Weiterentwicklung Hamburgs als Sportstadt.

Den Rückhalt seines Chefs schient Grote zu genießen, Bürgermeister Olaf Scholz sagte: "Ich bin mir sicher, dass Herr Grote ein sehr guter Innensenator sein wird."

Neumann hatte schon im Februar zurücktreten wollen

Spekulationen um den Rücktritt von Vorgänger Michael Neumann waren schon nach kurz nach dem Olympia-Aus laut geworden. Neumann hatte keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr ihm das Ergebnis persönlich zugesetzt hatte. Tatsächlich hatte Neumann, das sagte Olaf Scholz, bereits kurz nach der Wahl zur Bürgerschaft im Februar vergangenen Jahres um seinen Rücktritt gebeten. Scholz bat Neumann wiederum, noch bis zum Olympia-Referendum zu bleiben. Ein Wunsch, den Neumann ihm erfüllte.

Bei seinem Rücktritt wirkte Neumann sichtlich gelöst, er sagte: "Die Aufgaben sind häufig eine Bürde für mich gewesen", und ergänzte: „Man kann darauf warten, dass man wie ein Hund vom Hof gejagt wird, und man kann selbstbestimmt Entscheidungen treffen“, sagte Neumann. „Ich bin froh, dieses Amt abgeben zu dürfen - in Dankbarkeit, aber eben auch mit dem Ziel, dann abzutreten, wenn die Flamme vielleicht nicht mehr so brennt.“

Nach dem Rücktritt von Michael Neumann soll Andy Grote neuer Innensenator in Hamburg werden: Eine gute Entscheidung?

Es wurden bisher 2226 Stimmen abgegeben.

Kommentar: Neumanns Rücktritt vergrößert die Probleme der SPD

Andy Grote, 47 Jahre, ist Mitglied der SPD. Nach seinem Abitur verpflichtete er sich für zwei Jahre bei der Marine, studierte anschließend Rechtswissenschaften an der Uni Hamburg. Der St.-Pauli-Fan, der auch in dem Viertel lebt, arbeite anschließend sowohl zeitweise in der Politik, der Verwaltung sowie als selbstständiger Rechtsanwalt.

Michael Neumann war als Lehrbeauftragter an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Jenfeld seit seinem Eintritt in den Senat 2011 beurlaubt. Er ist mit Aydan Özoğuz, Staatsministerin für Migration und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, verheiratet. Das Paar hat eine Tochter.

Scholz verliert zweiten wichtigen Senator

Mit Neumann verliert Scholz den zweiten wichtigen Senator innerhalb von vier Monaten. Ende September war Melanie Leonhard Nachfolgerin von Sozialsenator Detlef Scheele geworden, der Mitte Oktober nach Nürnberg in den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit wechselte.

Der 45-Jährige leitete die Hamburger Innenbehörde seit der Regierungsübernahme der SPD unter Scholz im Jahr 2011. Unter seiner Führung ließ die Polizei das Schanzenviertel nach gewaltsamen Protesten von Linksextremisten zum Gefahrengebiet erklären. Gegen Einbrecher und Rocker bildete die Hamburger Polizei Sonderkommissionen. Auch nach den massenhaften sexuellen Übergriffen gegen junge Frauen in der Silvesternacht ließ er eine Sonder-Ermittlungsgruppe gründen. Er warnte aber vor wenigen Tagen erst, Zuwanderer unter Generalverdacht zu stellen.

( HA/dpa )

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