Farmsen-Berne

Schwere Vorwürfe gegen Bezirkschef

Wandsbeks Thomas Ritzenhoff muss sich wegen mutmaßlicher Manipulationen verantworten

Farmsen-Berne. Die Bürgerinitiative „Beim Fahrenland 42–46“ hat Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Wandsbeker Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) erhoben. Ritzenhoff habe bei der Genehmigung des Bauvorhabens mit der im Namen der Initiative genannten Adresse die Manipulation eines Artenschutzgutachtens zugelassen, eine rechtswidrige Fällgenehmigung erteilt und Auskunftsersuchen behindert. Ritzenhoff wollte sich auf Abendblatt-Anfrage nicht äußern. Auch die Finanzbehörde, als Aufsichtsbehörde der Bezirke Adressat der Beschwerde, bestätigte nur deren Eingang. Sollte der Angriff durchdringen, könnte Ritzenhoff suspendiert werden.

Der Streit geht um ein 5465 Qua­dratmeter großes Grundstück, das mit nur zwei kleinen Häuschen bebaut gut 25 Jahre lang verwilderte. Bäume wuchsen, Käfer kamen, Igel zogen ein und – so die Nachbarn um Sabine und Elmar Thiel, naturgeschützte Fledermäuse und Vögel wie Grünspechte.

2014 kaufte Projektentwickler Deniz Karaday das Areal. Neun Häuser mit 15 Wohneinheiten in drei Reihen beantragte er Ende 2014 beim Bezirksamt. Und eine Fällgenehmigung für die Bäume. Dafür musste er ein Artenschutzgutachten liefern, um nachzuweisen, dass der Bau keine geschützten Tiere vertreiben werde. An diesem Gutachten scheiden sich die Geister.

Es umfasste lediglich zwei Seiten, wie die Thiels nach Akteneinsicht im Bezirksamt am 7. Januar 2015 feststellten. Sie reichten Fachaufsichtsbeschwerde bei der Umweltbehörde ein und bekamen Recht. Die Behörde bescheinigte die Mangelhaftigkeit des Papiers und wies das Bezirksamt am 8. und 13. Januar an, die Fällgenehmigung nicht zu erteilen und ein Nachgutachten von einem der Behörde bekannten Experten erstellen zu lassen.

Stattdessen sei das alte Gutachten nachgebessert worden, stellten die Thiels im März nach schwer erkämpfter Akteneinsicht bei der Umweltbehörde fest. Ihnen zufolge lieferte der Gutachter am 18. Januar seine Korrekturen, am 19. Januar erteilte das Bezirksamt Bau- und Fällgenehmigung. Am 20. Januar dann räumten Karaday und sein Partner das Grundstück ab.

„Ein abgekartetes Spiel“, sagt Sabine Thiel. Mittlerweile stehen die neun Häuser vor der Bezugsfertigkeit. Die Thiels suchen eine neue Bleibe.