Bezirk Altona

Baby schwer misshandelt: Familie ist dem Jugendamt bekannt

In diesem Haus von Fördern & Wohnen sollen die Eltern ihr Kind misshandelt haben

In diesem Haus von Fördern & Wohnen sollen die Eltern ihr Kind misshandelt haben

Foto: Michael Arning / HA

Wieder Verdacht auf Kindesmisshandlung in Hamburg. Mordkommission und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen die Eltern.

Hamburg. Wenige Wochen nach dem Tod des kleinen Tayler ermitteln die Hamburger Staatsanwaltschaft und Mordkommission erneut im Fall einer mutmaßlichen Kindesmisshandlung. Die 25 Jahre alte Elvira A. und ihr 21-jähriger Lebensgefährte Halid A. stehen im Verdacht, ihren neun Monate alten Säugling misshandelt und dadurch in die Gefahr des Todes oder zumindest einer schweren Gesundheitsschädigung gebracht zu haben.

Nach ersten Erkenntnissen erschien die Mutter im November 2015 mit ihrem Sohn Diego in der Notaufnahme eines Krankenhauses und gab an, dass ihr Kind seit Tagen an verschiedenen Krankheitssymptomen leide. Im Zuge der eingeleiteten Untersuchungen gingen die Ärzte aufgrund des Verletzungsbildes von einem sogenannten "Shaken-Baby-Syndrom" (Schütteltrauma) aus und diagnostizierten zudem eine Schädelfraktur bei dem Säugling. Das Kind musste sofort operiert werden.

Jugendamt nahm alle fünf Kinder in Obhut

Das Krankenhaus meldete den Fall dem Jugendamt und dem Institut für Rechtsmedizin. Die folgende Untersuchung bestätigte den Verdacht auf Kindesmisshandlung. Nach Fertigstellung des rechtsmedizinischen Gutachtens im Dezember 2015 konkretisierte sich schließlich der Tatvorwurf des versuchten Totschlags.

Die Gutachterin erstattete daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Strafanzeige gegen die Eltern des Kindes. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes hatte den Fall zuvor ebenfalls zur Anzeige gebracht.

Familie ist dem Jugendamt bekannt

Das Paar gehört zu einer weit verzweigten Großfamilie, die bereits seit Jahren sowohl den Sozialbehörden als auch der Polizei bekannt ist. Auch der Mann und die Frau hatten in der Vergangenheit mehrfach mit der Polizei zu tun. Der Mann gilt als Kleinkrimineller, gegen den wegen verschiedenster Delikte wie Diebstahl oder Drogenver­gehen bereits ermittelt wurde. Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung hat es nach Abendblatt-Informationen bisher nicht gegeben.

Die Mordkommission im Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen. Im Anschluss beantragte die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung der Beschuldigten in Hamburg-Osdorf, den Kriminalbeamte am Dienstag vollstreckten. Dabei stellten die Ermittler Beweismittel sicher. In der Wohnung sei eine umfangreiche Tatortarbeit und Tatrekonstruktion durchgeführt worden. Die Auswertung der gesicherten Spuren und Beweismittel dauert an.

Das Paar bestreitet die Tat

Den Beschuldigten wurde im Polizeipräsidium rechtliches Gehör angeboten. Sie wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen. Nach Abendblatt-Informationen bestreiten Vater und Mutter die Tat: Diego sei beim Spielen mit den Geschwistern von der Couch gestürzt und habe sich deshalb so schwer am Kopf verletzt.

Der Junge ist inzwischen außer Lebensgefahr und in der Obhut einer Pflegefamilie. Auch die vier weiteren Kinder der Familie wurden in Obhut genommen. Sie befinden sich nach Abendblatt-Informationen in Hamburger Kinderschutzhäusern. Diego ist in einer Pflegefamilie untergekommen. „Ich habe hier mit meinen fünf Kindern gelebt, die ich von Herzen liebe. Jeden Tag, wenn ich nach Hause gekommen bin, waren sie da. Jetzt müssen wir allein hier wohnen", sagt Halid A über seine Wohnung in Osdorf.

Lesen Sie mehr über diesen Fall in der Donnerstagsausgabe des Hamburger Abendblatts