Gesundheitswesen

600 freie Jobs in Hamburger Kliniken

Eine Pflegerin betreut eine Patientin im Krankenhaus. Allein bei der Arbeitsagentur
Hamburg sind 600 freie Stellen im Gesundheitswesen gemeldet

Eine Pflegerin betreut eine Patientin im Krankenhaus. Allein bei der Arbeitsagentur Hamburg sind 600 freie Stellen im Gesundheitswesen gemeldet

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Bei der heute beginnenden Jobmesse in Schnelsen suchen Hamburger Gesundheitsunternehmen Fachkräfte.

Hamburg.  Spätestens 2019 wird das Asklepios Klinikum Harburg (AKH) das modernste Krankenhaus in der südlichen Metropolregion sein. In diesem Frühjahr beginnt der Start des zweiten Bauabschnitts, mit dem die Bettenkapazität um etwa acht Prozent auf 868 Betten steigt. Mit der Erweiterung entstehen auch 250 neue Arbeitsplätze. Doch nicht nur für das AKH wird Personal gesucht. „Allein 2016 haben wir in Hamburg einen Bedarf an 350 zusätzlichen Pflegekräften“, sagt Franz Jürgen Schell, Sprecher der As­klepios Kliniken.

Besonders schwierig sei es, Fachkräfte für hochspezialisierte Aufgaben in der Anästhesie und der Intensivpflege zu finden. Auch auf der Internetseite des Albertinen-Diakoniewerks finden sich zahlreiche unbesetzte Stellen wie Gesundheits- und Krankenpfleger und Medizinisch-Technische Radiologieassistenten. Die Arbeitsagentur Hamburg meldet 600 freie Arbeitsplätze im Bereich Gesundheitswesen. „Jeden Monat werden dem Arbeitgeber-Service etwa 200 neue Stellen in diesem Bereich gemeldet“, sagt Knut Böhrnsen, Sprecher der Arbeitsagentur Hamburg.

Bei der zweitägigen Jobmesse Let’s Care am Mittwoch und Donnerstag in der Messehalle Schnelsen will die Branche Nachwuchs und Fachkräfte gewinnen. „Rund 70 Aussteller aus allen sozialen Bereichen informieren über Praktika, Ausbildungsplätze, Arbeitsplätze und Weiterbildungsmöglichkeiten“, sagt Andrea Kaesler von der Messe Hamburg Schnelsen. Erstmals können sich auch Erzieherinnen über ihre Jobperspektiven informieren. Die Messe im Modering 1a ist an beiden Tagen von 9 bis 16 Uhr geöffnet und kostenlos besuchbar.

„Eine solche Jobmesse ist für uns neben anderen Aktivitäten eine gute Möglichkeit, um auf uns als attraktiver Arbeitgeber aufmerksam zu machen“, sagt Fabian Peterson, Sprecher des Albertinen-Diakoniewerks. „Natürlich bilden wir auch selbst aus, um den Fachkräftebedarf zu decken.“ Auch Asklepios sieht darin die beste Möglichkeit, Personal zu gewinnen. „Wir sind der größte Ausbilder in Hamburg“, sagt Schell. „In unserem Bildungszen­trum für Gesundheitsberufe lernen 1400 Azubis.“

Krankenhäuser und Pflegeheime gehören inzwischen zu den Jobmotoren in Hamburg, wie auch die jährliche Umfrage des Abendblatts unter den 200 größten Arbeitgebern der Stadt zeigt. Zu den Einrichtungen in der Stadt, die seit Jahren immer mehr Beschäftigte suchen und Jobs schaffen, zählen Krankenhäuser, Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen wie Kindertagesstätten. Innerhalb eines Jahres nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gesundheitswesen um 1900 Personen zu, was einer Steigerung um 3,2 Prozent entspricht. Rechnet man noch die Bereiche Erziehung und Unterricht und Heime und Sozialwesen hinzu, wurden im vergangenen Jahr insgesamt 6800 neue Arbeitsplätze in den sozialen Berufen in der Hansestadt geschaffen.

Noch schwieriger als bei medizinischen Einrichtungen ist die Personalsuche für Pflegeheime. Im Schnitt bleibt eine Stelle mehr als vier Monate unbesetzt, was 50 Prozent über dem Durchschnitt liegt. In Hamburg werden auch verstärkt Langzeitarbeitslose zum Altenpfleger qualifiziert. Im vergangenen Jahr haben 400 Kunden des Jobcenters Hamburg eine Umschulung oder Fortbildung zum Altenpfleger begonnen. „Insbesondere für Langzeitarbeitslose, die dem Arbeitsmarkt länger entwachsen sind, ist bereits das eine harte Probe für die spätere Belastung im Beruf“, sagt Dirk Heyden, Geschäftsführer des Jobcenters Hamburg. Körperliche und psychische Stabilität sowie eine hohe Motivation seien Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umschulung.

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kann sich der Personalbedarf in der Pflege (Fach- und Hilfskräfte) bundesweit bis 2050 auf bis zu 1,5 Millionen Vollzeitkräfte mehr als verdoppeln. Selbst ein Szenario mit deutlich weniger Pflebedürftigen erfordert noch 200.000 Vollzeitkräfte mehr gegenwärtig. Tatsächlich wird die Zahl der Arbeitskräfte noch größer sein, denn in der Pflege arbeitet kaum einer Vollzeit. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten in der Altenpflege 54 Prozent der Fachkräfte in Teilzeit, bei Helfertätigkeiten sind es 70 Prozent.

„Das liegt auch an den harten Arbeitsbedingungen durch körperlich schwere Tätigkeiten und Schichtdienst in diesem Beruf“, sagt Hilke Stein, Fachbereichsleiterin für Gesundheit und Soziales bei Ver.di in Hamburg. „Zugleich gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen diesen Anforderungen und der im Vergleich zu anderen Branchen geringen Bezahlung.“ So liegt das durchschnittliche Gehalt im Gesundheits- und Sozialwesen mit 2790 Euro 17 Prozent unter dem Durchschnittsverdienst im produzierenden Gewerbe. Dennoch streben nach aktuellen Umfragen viele junge Menschen in soziale Berufe. Asklepios verweist darauf, dass man zusammen mit dem UKE eine Tarifgemeinschaft gebildet hat. „Wir zahlen, was im öffentlichen Dienst üblich ist“, sagt Schell.