Porträt

Der Mann, der Vural Öger in "Die Höhle der Löwen" ablöst

Ralf Duemmel; Chef von DS , wird neuer Loewe bei Vox ; im Showroom seiner Firma in Stapelfeldt; Wir, was

Ralf Duemmel; Chef von DS , wird neuer Loewe bei Vox ; im Showroom seiner Firma in Stapelfeldt; Wir, was

Foto: Andreas Laible

Der Hamburger Ralf Dümmel, der den Sodasprudler Wassermaxx in Deutschland einführte, steigt als Juror in die Vox-Sendung ein.

Hamburg.  Ja, ein bisschen aufgeregt sei er schon, sagt Ralf Dümmel. „Es wäre ja auch komisch, wenn nicht – bei zehn Fernsehkameras, die auf mich gerichtet sein werden“, lacht der Hamburger beim Gedanken an seine neue Aufgabe: Ralf Dümmel, 49, Einzelhandelskaufmann mit Sinn fürs Ungewöhnliche, wird in der nächsten Staffel von „Die Höhle der Löwen“ (Vox) als Investor („Löwe“) auf die Jagd nach Nachwuchsunternehmern gehen. Damit folgt bei der Wirtschaftsshow des Privatsenders Hanseat auf Hanseat. Vural Öger, Unternehmer aus Hamburg, hatte sein Engagement in der Vox-Sendung aufgegeben , nachdem er mit zwei seiner Reisefirmen in die Insolvenz gerutscht ist.

Dümmel hat nach eigener Aussage nicht mehr Erfahrung mit Entertainment gesammelt als bei „der Weihnachtsansprache vor meinen Mitarbeitern“. Dabei seien aber nie Beschwerden an ihn herangetragen worden, sagt er ironisch. Dümmel ist – anders als Vural Öger – in Sachen Medien ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Er führt zudem eine eher unbekannte Firma, die DS Produkte GmbH, mit Sitz in Stapelfeld vor den Toren Hamburgs.

Neben der Geldspritze kann Dümmel auch als Vertriebspartner helfen

Hier wird die Geschichte allerdings spannend: Das Unternehmen steht, kaum jemand weiß das, hinter Millionenerfolgen wie Wassermaxx oder Tritop. Und beliefert Handelsgiganten wie Karstadt, Otto, Netto oder Amazon mit insgesamt 4000 Produkten. Genau diese bisher den meisten Konsumenten verborgene Macht im Handel will Dümmel für die TV-Show nutzen, für die ihn jemand aus seinem Netzwerk geworben hatte. Schließlich ist es das Prinzip der Sendung, sich als „Löwe“ an den Start-ups junger Gründer zu beteiligen und ihre Firmen auf den Weg des Erfolgs zu bringen. „Wir bieten uns hier als perfekter Vertriebspartner an, das ist viel wertvoller, als nur eine Geldspritze zu geben“, wirbt Dümmel für den Win-win-Effekt seiner Teilnahme bei der Show. Nicht nur das: DS Produkte lässt seine Haushaltsgeräte, Fitnessprodukte oder Elektrowaren von Partnerfirmen in Asien günstig produzieren. Auch diese Kontakte nach Fernost will Dümmel den Jungunternehmern vermitteln, wenn er von ihrer Idee überzeugt ist.

In der Vergangenheit hat Dümmel immer wieder ein exzellentes Gespür für Markterfolge bewiesen. Den Sodasprudler Wassermaxx führte er in Deutschland ein, nachdem er den Erfolg solcher Haushaltshelfer in England gesehen hatte. DS Produkte verkaufte schließlich mehr als vier Millionen der Sprudler, die das Kistenschleppen ersetzen. Die von Unilever vor Jahrzehnten erfundene Marke Tritop erweckte Dümmel zu neuem Leben. Mit so großem Erfolg, dass der Kultsirup in den Medien als Comeback des Jahres gefeiert wurde. Hinter den Produkten der Stapelfelder steht die Idee, das Leben einfacher zu machen. Aktuell bewirbt der Hamburger Sternekoch Ali Güngörmüs eine stapelbare Pfanne der DS, deren Griffe abnehmbar sind. Im Sommer sorgte ein Gartenschlauch für Aufsehen, der sich selbst zusammenzog, sodass sich Hausbesitzer das lästige Aufrollen sparen können.

700 eigen Patente gehören zum Repertoire der Firma DS Produkte GmbH

Dümmel kam vor 28 Jahren in die Firma, die ihr Sortiment auch über TV-Shopping und im Internet vertreibt, heute ist er Miteigentümer. Von 400 Mitarbeitern kümmern sich 50 Produktmanager, Ingenieure und Vertriebler um die Neuentwicklungen, die in einem Land, in denen die Leute im Prinzip schon alles haben, für Umsatz sorgen sollen. 700 eigene Patente hat DS bis heute angemeldet. „Um auf Ideen zu kommen, muss man mit offenen Augen durchs Leben gehen und den Mut haben, Dinge umzusetzen“, möchte Dümmel den jungen Unternehmern mit auf den Weg geben.

Der in Bad Segeberg geborene Vater von drei Kindern hat selber eine steile Spätstarterkarriere hinter sich: Nach dem Hauptschulabschluss begann er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Möbel Kraft und schloss mit der Note „Eins“ ab. Bei DS konnte sich der Vollblutverkäufer stets auf seinen Ziehvater Dieter Schwarz verlassen, der die Firma 1973 gegründet hatte. Der Patriarch gab Dümmel die Freiheit, sich in der Welt umzuschauen, selber Fabriken für die Produkte in China zu suchen und mit den Einkäufern der Topkonzerne zu verhandeln. Heute gehört DS vier Gesellschaftern und erzielte 2015 rund 250 Millionen Euro Umsatz.

In wenigen Wochen wird für Dümmel die Zeit des Lampenfiebers beginnen, im Frühjahr werden die zehn Sendungen der neuen „Löwen“-Staffel aufgezeichnet. Frühestens im August werden die Shows ausgestrahlt, und der einst so unbekannte Unternehmer dürfte dann schon bald zur neuen TV-Prominenz gehören.