Winterhude

Hamburgs neuer Sternen-Palast

Das Planetarium im Stadtpark wird bis Anfang 2017 umgebaut und erweitert. Neuer Info-Pavillon bietet schon jetzt Einblicke

Winterhude.  Fast ein Jahr vor der geplanten Wiedereröffnung ist am Donnerstag ein Info-Pavillon vor dem Planetarium im Stadtpark eingeweiht worden. Dort erfahren Besucher alles über den derzeitigen Ausbau des Denkmals, das „tiefergelegt“ wird und dadurch seinen Aufenthaltsbereich um das Siebenfache vergrößert – ohne dass dies später von außen sichtbar ist.

„Die kritischen Erdarbeiten konnten wir vor der Frostperiode abschließen, und im Kosten- und Zeitrahmen liegen wir auch“, sagte Bauleiter René Herwig bei einer Baustellenführung, die mit der Pavilloneröffnung verbunden war. „Die Sterne stehen gut fürs Planetarium“, bekräftigte Planetariumsdirektor Thomas Kraupe – und machte für die guten Nachrichten augenzwinkernd die Planetenstellung verantwortlich: „Venus trifft Saturn.“

Seitdem das Planetarium Anfang August geschlossen hatte, wurde der Hügel hinter dem Gebäude abgetragen, der eigentlich nur aus aufgeschütteter Erde bestand, die das Fundament bedeckte. Außerhalb des Planetariums entsteht derzeit ein Anbau für Verwaltungs-, Seminar- und Technikräume sowie ein Restaurant. Nach Fertigstellung wird er wieder mit Erde bedeckt und von außen unsichtbar.

Unter dem historischen Gebäude selbst wurde in den vergangenen Monaten Platz für ein weiteres Geschoss geschaffen. Dafür wurden zunächst drei 1,40 Meter breite Durchlässe in die massiven Wände des ringförmigen Fundaments gesägt. „Das war nicht ohne, denn dadurch verliert es an Stabilität“, sagte Projektleitern Victoria Scheffler. Im Falle des Planetariums sei das aber statisch vertretbar. Das Gebäude wurde vor dem Ersten Weltkrieg von Otto Menzel als Wasserturm kon­struiert, der vier Millionen Liter Wasser fassen konnte, und 1930 unter Fritz Schumacher zu einem Observatorium umgebaut. Seitdem ist sein gigantischer Kessel leer – und das Fundament muss weniger Gewicht tragen.

Nachdem die Durchlässe geschaffen waren, wurde zwischen den tragenden Stützen, die das Planetarium im Boden verankerten, das Erdreich ausgehoben. Anschließend wurden auch die Stützen entfernt, um Platz für die weiteren Arbeiten zu haben, beispielsweise den Abbruch der mächtigen gemauerten Gründungspfeiler. „Alles, was störend war, haben wir eliminiert“, sagte Bauleiter Herwig. „Dadurch ist die symmetrische Grundstruktur des Gebäudes erkennbar geworden.“

Momentan fängt eine Stahlkon­struktion den sogenannten Sternensaal ab. Nach dem Abschluss des Ausbaus und dem Wiedereinziehen der tragenden Säulen wird es abmontiert. Dann können auch die Durchlässe auf die geplante Eingangsbreite von rund 2,50 Metern ausgeweitet werden.

Das historische Deckenfresko, das über dem einstigen Foyer schwebte, ist momentan hinter schwarzer Plastik­folie verschwunden und damit geschützt vor Baustaub und Beschädigung. Nach dem Umbau wird es ein großzügiges, zweistöckiges und barrierefrei zugängliches Foyer mit einer umlaufenden Galerie überspannen. Thomas Kraupe spricht von einem „Raum mit Kathedralencharakter“ und verspricht: „Künftig werden sich die Besucher nicht mehr ins Gehege kommen.“

Das sollen unter anderem drei gläserne Aufzüge sicherstellen: einer vom Foyer bis zur Galerie, einer bis zum Sternensaal und einer direkt bis zur Aussichtsplattform in 60 Meter Höhe. Doch auch der „Durchlauf“ durch das Planetarium wird neu konzipiert: So betreten die Besucher das Gebäude über den Haupteingang im Norden und verlassen es in Richtung Süden, wo sich auch die Gastronomie befindet.

Den bisherigen Verlauf der Bauarbeiten dokumentiert im Zeitraffer ein Film, der im Info-Pavillon gezeigt wird. Computersimulationen vermitteln den Besuchern, wie sich das Planetarium nach dem Umbau präsentieren wird. Und selbstverständlich gibt es auch aktuelle, von Satelliten übertragene Bilder und Informationen zum Sternenhimmel und dem Lauf des Mondes. Doch das Planetarium geht auch auf Tour und gastiert demnächst unter anderem im Levantehaus (Mönckebergstraße 7) und im Archäologischen Museum (Museumsplatz 2).

Rund 7,5 Millionen Euro soll der 17 Monate dauernde Umbau kosten. Thomas Kraupe zufolge liegt das an der Herausforderung, das Planetarium in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt so zu erweitern, dass es von außen nicht wahrnehmbar ist. „Wir hätten auch einfach einen Klotz daneben stellen können“, sagt er. „Aber das will ja eigentlich niemand.“ Geplante Eröffnung: zweite Januarhälfte 2017.