Othmarschen

Viele Hamburger starten mit guten Vorsätzen ins Jahr

Gleich am Neujahrsmorgen sagen sie dem inneren Schweinehund den Kampf an

Othmarschen.  Tief durchatmen, Frischluft tanken und voller Elan durchstarten: Als andere am Neujahrstag noch in Sauer lagen, begrüßten Tatendurstige 2016 auf sportliche Art. Am Elbufer zwischen Neumühlen und Teufelsbrück herrschte zu früher Stunde erstaunlicher Menschenauflauf. Jogger bekämpften schnaufend ihren inneren Schweinehund, Spaziergänger grüßten sich mit einem herzhaften „Moin!“

Auch Stefan Schulz war zeitig zur Stelle. Nur zu gerne legte er eine Laufpause ein, um über gute Vorsätze zu sprechen. Gemeinsam mit seinen Kumpels Kai Klinker und Manuel Meyer will der Kaufmann mit Kontor in der Innenstadt 2016 zum Sportjahr erheben. Ziel ist es, mit dem Tennisteam „Herren 40“ nach dem Aufstieg in die 4. Klasse noch eine Stufe höher zu rücken. „Askese ist angesagt“, meinte Schulz augenzwinkernd.

Zwar wurde dieser Plan in der Silvesternacht nur sehr bedingt umgesetzt, der Ansatz indes machte dem wackeren Trio Mut: Vor üppigem Schmaus und Korkenknallen legten die Sportler zwei Stunden auf dem Tennisplatz des TC Groß Borstel los. Anschließend feierten sechs Erwachsene und sechs Kinder eine Party, die erst um fünf Uhr früh ausklang.

Nunmehr offensichtlich auf dem richtigen Weg, machte er einen Bogen um das Restaurant Zur Elbkate. Die urige Schänke am Elbwanderweg hatte am 1. Januar schon um 10 Uhr geöffnet. Traditionell bietet die Kate ihren Gästen neben Erbsensuppe und hausgemachter Eierlikörtorte auch Glühwein, Grog, Kinderpunsch und heiße Schokolade. Zur Feier des Tages reichte Wirt Oskar Sporrer Karpfen blau für 14,50 Euro, Salzkartoffeln, Sahnemeerrettich und Salat inklusive. „Ich will so bleiben, wie ich bin“, sagte Sporrer, der sein Restaurant seit 25 Jahren betreibt – und manches gute Vorhaben kommen und gehen sah. Der kernige Bayer, seit Jahrzehnten in der Hansestadt verwurzelt, hat bei fast täglichem Einsatz gar keine Zeit, die Fetzen fliegen zu lassen.

Sonst waren am Elbufer an diesem Neujahrsmorgen meist identische Ziele zu hören: abnehmen, mehr Sport, mehr Muße, mehr Gemeinsinn, weniger Laster. Doch es gab auch Ausnahmen. „Wenn ich mir Änderungen vornehme, dann ganz bestimmt nicht am Jahresanfang“, sagte Dorothea Schierholt resolut. „Mich demotiviert es nur, wenn man nach ein paar Tagen alles wieder über den Haufen geschmissen hat.“ Ihre ganz persönliche Konsequenz aus jahrelanger Erfahrung: Es mit Bedacht angehen lassen und in kleinen Schritten Besserungen anstreben. „Das Resultat ist nicht weniger ernüchternd“, höhnt Lebensgefährte Robin.

„Ich will mehr Obst essen und mehr Zeit für meine Freunde haben“, sagte Liz Young. Außerdem möchte die gebürtige Engländerin ihr Deutsch verbessern. Ihre Fahrzeit in der S-Bahn zwischen Klein Flottbek und dem Arbeitsplatz in Reinbek will die promovierte Biologin künftig mit der Lektüre deutschsprachiger Tageszeitungen und Bücher verbringen. Noch sind zwei Tage Ruhe. Doch am Montag beginnt der Ernst des Lebens von Neuem ...