Studie

Filialsterben bei Banken wird auch 2016 weitergehen

Der langjährige Hamburger Sparda-Bank-Chef Heinz Wings (mitte) gab eine Studie über die Zukunft der Banken in Auftrag. Hier zu sehen mit Bernhard Westerhoff (l.) und Peter Tschentscher (r.)

Der langjährige Hamburger Sparda-Bank-Chef Heinz Wings (mitte) gab eine Studie über die Zukunft der Banken in Auftrag. Hier zu sehen mit Bernhard Westerhoff (l.) und Peter Tschentscher (r.)

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Den etablierten Instituten macht innovative „Financial Technology“ zu schaffen. Hamburger Banken wollen Personal konstant halten.

Hamburg.  Die Banken in der Stadt befinden sich in einem Strukturwandel. Ihre traditionelle Rolle ist durch die tiefgreifenden Veränderungen in der Branche zunehmend gefährdet, wie aus der Studie „Next Generation Banking“ hervorgeht, die die Sparda-Bank mit der Steinbeis-Hochschule Berlin erstellt hat. Darin werden die Perspektiven der Branche bis 2025 untersucht. Dazu wurden 120 Führungskräfte aus der Branche befragt.

Die Wettbewerbssituation wird durch verschiedene Faktoren verschärft. Immer weniger Kunden kommen in die Filialen, die niedrigen Zinsen erschweren die Geschäfte und Unternehmen außerhalb der Bankenszene, sogenannte Fintechs (Financial Technology), machen der etablierten Bankenwelt Konkurrenz. So sehen 99 Prozent der Studienteilnehmer den Kostendruck und die sinkenden Erträge als zukünftig größte Herausforderungen an, gefolgt von der Umsetzung regulatorischer Vorgaben (93 Prozent) sowie den Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase (90 Prozent).

Internet bringe traditionelle Geschäftsmodelle in Schwierigkeiten

Diese Themen werden von den Führungskräften noch höher gewichtet als die Konkurrenz durch neue Wettbewerber (80 Prozent). Diese Start-ups entwickeln Dienstleistungen wie etwa die Überweisung kleiner Beträge von Handy zu Handy, die bisher den Banken vorbehalten waren. Mit dem Ratenkreditvermittler Finanzcheck, Zinspilot oder Kreditech haben sich in Hamburg einige dieser Firmen angesiedelt. „Das Internet bringt traditionelle Geschäftsmodelle der Finanzdienstleister ins Wanken“, sagt Heinz Wings, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg, der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Als Reaktion rechnen 97 Prozent der Studienteilnehmer mit Filialschließungen und 88 Prozent mit Fusionen. Nach einer Untersuchung des Abendblatts sind seit 2004 mindestens 82 Bankfilialen in der Hansestadt geschlossen worden. Zwar wird nach Meinung der Studienteilnehmer die Filiale weiterhin ihre Berechtigung bei komplexen Beratungsthemen haben, aber 71 Prozent glauben, dass die Filiale bis 2025 in den Hintergrund treten wird.

Die meisten Banken in Hamburg werden ihr Personal im nächsten Jahr dennoch konstant halten, darunter der Marktführer Hamburger Sparkasse. Die Berenberg Bank will ihre Beschäftigten sogar aufstocken. Nur die Hypovereinsbank macht überhaupt keine Angaben mehr zum Beschäftigtenstand in Hamburg. Auch die Versicherer haben mit Strukturproblemen zu kämpfen und bauen Jobs ab, darunter die Signal-Iduna. Nur die Hanse Merkur will Personal aufstocken.